Dienstag, 26. Januar 2016

Northanger Abbey

Gelungene Adaption mit kleineren Schwächen


Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: HarperCollins
ISBN-13: 9783959670180


Die siebzehnjährige Cat Morland wächst gut behütet im Piddle Valley auf. Bislang ist sie kaum aus ihrer gewohnten Umgebung herausgekommen. Nur in ihren geliebten Büchern kann sie fremde Welten erforschen. Daher freut sie sich umso mehr, als ihre Nachbarn sie einladen, sie zu einem Kulturfestival nach Edinburgh zu begleiten. 


Ein paar spannende Wochen beginnen, in denen Cat nicht nur neue Bekanntschaften macht und das Leben in der Stadt kennenlernt. Sie trifft auch auf den jungen Anwalt Henry Tilney, der sie von Anfang an nicht mehr los lässt. Überglücklich nimmt sie die Einladung der Tilneys an, einige Zeit mit ihnen auf Northanger Abbey zu verbringen. Ob es in dem düsteren Gemäuer auch ebenso düstere Geheimnisse zu entdecken gibt? Zumindest in Cats Fantasie ist nichts ausgeschlossen…

Val McDermids „Northanger Abbey“ ist Teil des Austen Projects, in dem sechs zeitgenössische Autoren Jane Austens Werke adaptieren und eigenständige Werke erschaffen. „Northanger Abbey“ ist die erste deutsche Übersetzung. Im englischen Original sind bislang auch schon „Emma“ (Alexander McCall Smith) und „Sense & Senibility“ (Joanna Trollope) erschienen. Mit „Eligible“ (Curtis Sittenfeld) wird im April eine neue Version von „Stolz und Vorurteil“ kommen.

Auf „Northanger Abbey“ war ich sehr gespannt, da ich Jane Austens Parodie auf die Schauerromane ihrer Zeit sehr mag. Leider wurde ich zunächst enttäuscht. Etwa das erste Drittel lang hatte ich das Gefühl, dass alles nur so dahin plätschert und wären nicht die ständigen Betonungen von Facebook, SMS und ähnlichem gewesen, hätte ich kaum sagen können, in welcher Zeit der Roman eigentlich spielen soll. Die Sprache ist einerseits stark an Jane Austen angelehnt und wirkte für mich gerade anfangs sehr aufgesetzt, da andrerseits dennoch Begiffe wie „cool“, „social media“ eingeflochten wurden. Das passte für mich nicht so recht zusammen. Für mich wäre es flüssiger gewesen, wenn auch die Sprache stärker an unsere Zeit angepasst gewesen wäre.

Zum Glück hat mich die Geschichte doch noch immer mehr in ihren Bann gezogen. Die Handlung orientiert sich natürlich stark am Original, aber ich hatte das Gefühl, dass das Alte und Moderne immer besser miteinander verwoben wurde. Cat gewann mehr Tiefe und es hat Spaß gemacht ihre Entwicklung vom naiven Mädchen hin zu einer jungen Frau, die gelernt hat, dass das Leben nicht wie in einem Roman abläuft, mitzuerleben. Zudem lernt Cat, dass nicht alles so ist, wie es zunächst scheint und dass sie ihr Umfeld auch mit einem kritischen Auge betrachten muss. Ihre fast kindliche Schwärmerei für Vampire und düstere Geheimnisse erhalten einen kräftigen Dämpfer und lassen sie reifen.

Die Entwicklung der weiteren Charaktere ist bei Weitem nicht so ausgeprägt, doch konnte ich sie mir größtenteils auch gut vorstellen. Am kritischsten sehe ich Henrys Schwester Ellie, da sie oft wie aus einer anderen Zeit wirkt. Ich mag sie sehr, aber sie könnte tatsächlich fast Austens Zeit entsprungen sein. Sie passt wunderbar in die alte Abtei, aber ich kann sie mir schlecht in einer modernen Großstadt vorstellen.

Doch trotz meiner Kritik an einzelnen Punkten, hat mich Val McDermids Adaption letztlich überzeugt und ich finde, dass sie es mit einigen Abstrichen gut geschafft hat, den schmalen Grat zwischen unserer Gegenwart und der Vergangenheit zu treffen.

Mein Fazit: Diese neue Version von Northanger Abbey ist ein gelungenes, eigenständiges Werk, welches ich vielleicht nur nicht unbedingt den eingefleischten Fans von Val McDermids Thrillern empfehlen würde, da es sich sehr von diesen unterscheidet. Ansonsten kann ich jedoch sagen, dass es mir Spaß gemacht hat in Cats Leben einzutauchen und ich freue mich schon auf weitere Romane des Austen Projects.