Dienstag, 17. Mai 2016

Die Sandwitwe






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.05.2016
  • Verlag : Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • ISBN: 9783734100611
  • Flexibler Einband 416 Seiten
  • Genre: Thriller

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Die Spuren von gestern, verwischt der Sand von heute (von den Tuareg)

Ein ungewöhnliches Ermittlerteam sind sie, Kommissar Knut Jansen und Profilerin Helen Henning. Die "Sandwitwe" ist nach "Der Jungfrauenmacher" bereits ihr zweiter gemeinsamer Fall. Die Idee dazu hatte Autor Derek Meister, erschienen ist der Thriller im Mai 2016 beim Blanvalet Verlag.

In dem kleinen Örtchen Valandsiel an der Nordsee ist Sand natürlich keine Seltenheit, aber als plötzlich Menschen mit einem Sand-Meerwasser-Gemisch ins Jenseits befördert werden, wird es schon ziemlich gruselig. Knut und Helen versuchen eine Verbindung zwischen den Mordopfern zu finden. Währenddessen schlägt der Täter immer brutaler zu, meldet sich sogar via Handy bei Knut und appelliert an seinen Spürsinn. Schon eine ziemlich verworrene Geschichte unter die sich auch noch Helens traumatische Erinnerungen an ihr Leben als FBI-Profilerin in den USA mischen. Irgendwann entdecken Knut und Helen schließlich eine Spur, die in die Vergangenheit führt. Damals ist ein neunjähriger Junge plötzlich verschwunden. Was steckt dahinter? Ein leichtsinniger Streich unter Kindern oder eine schwere traumatische Begebenheit?

"...Das Meer hatte bereits die Sonne geschluckt. Fetztenwolken, eingetaucht in dunkles Purpur, zogen vor die anbrechende Nacht..." So bildhaft beschreibt Derek Meister oft seine Szenerie. Anderseits kann er aber auch sehr direkt sein und brutal schreiben. Da habe ich bei einigen Tatschilderungen schon ziemlich geschluckt. Nervenkitzel pur! Ich mag Meisters Art zu schreiben. Er baut eine knisternde Spannung auf, beleuchtet die psychologische Ebene dabei tiefgründig und setzt dass Ganze in einen außergewöhnliches Rahmen. Das reißt mit!
An einigen Stellen war mir die Geschichte etwas zu sprunghaft und da ich Band 1 noch nicht gelesen hatte, beschlich mich ständig das Gefühl, dass mir hieraus einige wichtige Informationen fehlten.
Meisters Ermittler sind nicht unbedingt die starken Persönlichkeiten, die immer besonnen und überlegt vorgehen. Knut z.B. steht ständig im Schatten seines erfolgreichen Vaters, der ihn mehr oder weniger seinen Job vererbt hat. Er muss sich erst einmal als Ermittler etablieren. Auch privat fühlt sich Knut hin- und hergerissen. Da ist einerseits die Birthe, mit der er nicht mehr so wirklich will und Helen, zu der er sich magisch angezogen fühlt, aber mit der es nicht so richtig vorwärts zu gehen scheint. Denn Helen selbst wird ständig von ihren traumatischen Erlebnissen eingeholt, die sie offensichtlich noch lange nicht verarbeitet hat. Sie kann sich noch nicht auf den Knut einlassen. Das gibt Spielraum für Band 3. Wobei ich hier auch gestehen muss, dass mich das Geplänkel zwischen Helen und Knut bisweilen ein klein wenig genervt hat, besonders diese ständige "Siezerei."
Besonders gut gelungen empfand ich die Inszenierung der Täterrolle und die Einblicke in die tiefe kranke Seele. Das schien mir "Meisterhaft".
Die Handlung spielt zwar im Heute und Hier, wird aber von vielen Rückblicken durchzogen. Häppchenweise wird der Leser immer wieder mit neuen Details versorgt und damit in ein packendes Finale gesteuert. Das Ende lässt auf einen neuen Fall mit Knut und Helen hoffen.

"Die Sandwitwe" - ein spannungsreicher Psychothriller mit einer genialen Grundidee! Meine klare Leseempfehlung! Zum besseren Verständnis sollte man zuvor den ersten Band der Thriller-Reihe "Der Jungfrauenmörder" lesen.

Vielen Dank an Derek Meister für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.