Sonntag, 17. Juli 2016

Der Teufel im Glas





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 06.07.2016
  • Verlag : Gmeiner-Verlag
  • ISBN: 9783839219157
  • Flexibler Einband 280 Seiten
  • Genre: Krimi

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Die Archäologin Anna Grass ist Ende 20 und hat es seit dem Fund der ältesten Venusstatue der Welt beruflich weit gebracht, doch ihr Privatleben und vor allem ihre Psyche sind noch immer angeknackst, weil sie dabei körperlich und seelisch schwer verletzt wurde.
Als sie in einer Kirche alte Skelette umbettet, findet sie in einer Gruft die frische Leiche eines Priesters. Schnell wird klar, der Priester starb eines natürlichen Todes. Aber warum wurde seine Leiche in dem alten Grab versteckt?
Kurze Zeit später wird ein weiterer Priester in einer alten Gruft tot aufgefunden, erschlagen und als Wiedergänger gekennzeichnet. Anna ist der Meinung, dass beide Fälle zusammenhängen. Doch Major Paul Kandler vom BKA, der mit der Aufklärung der Fälle betraut ist und den Anna seit dem Fund der Venus kennt, sieht das anders. Ihr ist der prominente Psychiater Kolma, welcher das BKA unterstützen soll, sehr suspekt und so folgt sie ihrer Intuition.

Dieser Krimi ist mir zuerst durch sein Cover und den Titel aufgefallen. Der Engel sieht aus, als würde er in Richtung Himmel streben. Da stellt man sich natürlich gleich die Frage, was er mit dem Teufel zu tun hat ... Außerdem ist der Engel innen in der Umschlagseite noch einmal in schwarz-weiß und gespiegelt abgebildet - oder steht er hinter dem Spiegel?! Beim Lesen des Buches wird schnell klar, dass Spiegel eine große Rolle in Annas Leben spielen ...

Die Handlung lebt neben dem extrem spannenden und durchgehend fesselnden Fall, der den Leser weit in die Vergangenheit einiger Beteiligter und die NS-Zeit zurück führt, vor allem von den Protagonisten und ihren Interaktionen. Anna leidet immer noch unter dem, was ihr beim ersten Fall passiert ist. Leider wird genau das in diesem Buch nie richtig erklärt, aber es macht es gleichzeitig besonders spannend, denn man wird dadurch quasi gezwungen, sich den ersten Teil "Im Namen der Venus" auch noch zu kaufen - ein genialer Kunstgriff ;-).
Major Kandler und sein Mitarbeiter Bauer sind wie ein altes Ehepaar. Ersterer ist ausgelaugt, seine ungelösten Fälle nehmen ihn zu sehr mit. Er hat Bedenken, dass ihn Bauer langsam ablösen will. Der hingegen ist einfach eine fast allwissende Frohnatur und hat sich in Anna verguckt. Die Reibereien der beiden sind herrlich lebendig und authentisch.
Je tiefer sich Anna in den Fall und ihren Verdacht gegen Kolma verstrickt, desto mehr Kontra bekommt sie plötzlich auch von ihrem Schwager, der sich bisher immer ruhig verhalten hat und so wird sie das Gefühl nicht los, dass er in den Fall involviert ist. Genau wie ihr alter Freund Pater Johannes ...
Auch mit Annas Freundin Ines stimmt irgendetwas nicht und als ihr Lebensgefährte Milan (ein Journalist) geheime Interna der Ermittlungen veröffentlicht, gerät die Freundschaft ins Wanken.
Genau dieses Gefüge und Zusammenspiel der verschiedenen Protagonisten haben mir bei diesem Buch besonders gefallen. Daneben besticht es noch durch viel Wiener Schmäh und einen sehr feinsinnigen Humor.

So einen tollen psychologischen Krimi hab ich schon lange nicht mehr gelesen! Ich hoffe, dass es noch mindestens ein weiteres Buch mit Anna geben wird und vergebe sehr gern die volle Punktzahl.