Montag, 8. August 2016

After you

von Jojo Moyes




  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Penguin (30. Juni 2016)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1405926759
  • ISBN-13: 978-1405926751


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In der Fortsetzung von „me before you“ weiß Lou nach Wills Freitod nichts mit sich anzufangen. Sie kommt nicht damit klar, daß ihre Liebe für Will nicht Grund genug war, weiterleben zu wollen. Wie soll sie mit der Leere in sich parat kommen? Will hatte ihr aufgetragen zu leben, und etwas aus ihren Möglichkeiten zu machen. Als Startkapital hinterließ er ihr genug für eine Eigentumswohnung und für Reisen, aber nicht für ein Leben ohne Arbeit. Sie überlegt stets: was würde Will tun? Er ist ihr Maß aller Dinge. Daher jobbt sie erst in Paris, um sich ihm näher zu fühlen, bis sie sich urplötzlich fragt, was sie da eigentlich macht. Aber auch die anschließenden Reisen und die Rückkehr nach England, mit einer Eigentumswohnung im East End und einem lausigen Job in einem entsetzlichen pseudo Irish Pub im Flughafen schaffen es nicht die Leere in ihr zu füllen. So ist es nicht verwunderlich, daß ihre Lieben zweifeln, daß es wirklich nur ein Unfall war, als sie betrunken von ihrem Dachgarten stürzte und nur dank eines riesigen glücklichen Zufalls schwerverletzt überlebt. Sie muß ihrem Vater daraufhin versprechen sich einer Trauer-Selbsthilfe-Gruppe anzuschließen, worauf sie nicht die geringste Lust verspürt. Dennoch ist gerade diese Gruppe mit daran „schuld“, daß sie ins Leben zurückfindet, ebenso wie die junge Lily, die eines Abends gegen ihre Wohnungstür trommelt.....

Ich hatte ja eher so eine Art „P.S. I love you“ erwartet, aber das ist ganz und gar nicht der Fall. Will hat keine weiteren Vorkehrungen für Lou getroffen, um ihr ins Leben zurück zu helfen, als ihr eine größere Geldsumme zu hinterlassen. Eine Chance von der Lou’s Schwester Treena, das Genie der Familie, nur träumen kann. Dennoch weiß sie die Chance nicht zu schätzen. Durch Wills Freitod fühlt sie sich entwertet, ihre Liebe ist es halt nicht wert, um sie zu kämpfen und für sie weiter zu leben. Und so verpaßt Lou es diesmal fast die Liebe die sich ihr bietet auch zu ergreifen und zu schätzen. Denn ganz ehrlich, der neue Mann in Lous Leben gefällt mir persönlich sehr viel besser für sie. Er schätzt sie mehr, versucht sie nicht zu ändern, motiviert sie, ohne sie rumzukommandieren, er schaut nicht auf sie herab, er will Teil ihres Lebens sein und drängt sie Chancen zu nutzen. Sie begegnen sich viel mehr auf Augenhöhe, während das Verhältnis von Will und Lou mir zu oft wie Dr. Higgins und Eliza Dolittle oder master and servant vorkam. So etwas geht eigentlich nicht wirklich auf Dauer gut. Auch kamen sie aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten, ein Umstand der gerade im standesbewußten England nicht zu unterschätzen ist. Lou hätte sich in Wills Umfeld nie wirklich gleichwertig gefühlt, ein Problem, daß sie mit diesem wunderbaren Mann nicht haben würde (den Namen verrate ich nicht, ich will ja nicht spoilern).

Es gibt einige Szenen die Schmunzeln lassen, Situationen in denen man mitleidet und mitbibbert, wie es wohl weitergehen mag. Die Entwicklung von Lous Eltern empfanden einige aus der Leserunde als eher langweilig und langatmig. Ich habe aber immer gerne und zügig weitergelesen, denn ich fand mich stets gut unterhalten und wurde auch mehrfach von den Entwicklungen überrascht. So ist auch die Sprache unterhaltsam und auch im Original gut verständlich; leicht zu lesen, ohne niveaulos zu sein.

Mein Manko bei diesem Roman ist, daß ich das Gefühl habe, daß die durch Gewalt traumatisierten Frauen, zu leicht, über das Erlebte hinwegkommen. Auch das Ende empfinde ich als unbefriedigend. Es ist weniger, daß es ein offenes Ende ist, ich finde vielmehr, daß sie sich mit dem von ihr eingeschlagenen Karriereweg unterfordert. Sie bildet sich nicht weiter, sie geht für meinen Geschmack einen zu einfachen Weg, der sicher ist, wenn auch nicht, für ihre Beziehung zu dem Mann, der sie wirklich liebt. Da hätte ich sie gerne geschüttelt und gesagt, „lern was Anständiges und Du findest auch in London einen ordentlichen Job, in dem Du nicht in einem sexistischen Kostüm rumlaufen mußt“.

Schön fand ich allerdings, daß für einige andere Personen, dieses Ende eine wirkliche Abrundung ihrer Entwicklung ist und sich ihnen wirkliche Chancen bieten, die sie auch ergreifen.
 So finde ich dieses Buch nicht weniger emotional als ME BEFORE YOU und keineswegs langweilig. Besser gefällt mir die männliche Hauptperson, den ich sehr viel handfester und liebenswerter finde. Will war mir zu egozentrisch, rücksichtslos und bestimmend. Lou hingegen gefällt mir in Band 1 besser, in welchem sie lebensfroher ist. Denn ihr Helfersyndrom empfinde ich nicht immer als sehr gesund, sondern eher als eine Art Flucht vor der Beschäftigung mit sich selbst und ihren Problemen.

Eine schöne, emotionale Fortsetzung mit Herz und Humor, aber leider auch mit kleineren Schwächen.