Montag, 15. August 2016

Bevor der Regen kam – Eine Liebe in Malawi von Stefanie Schankat



Kurze Begegnung – tiefe Sehnsucht


Autorin: Stefanie Schankat
Genre: Liebesroman; Roman
Erscheinungsdatum Erstausgabe :
15.04.2016
Aktuelle Ausgabe : 15.04.2016
Verlag : Forever
ISBN: 9783958180871
Format: E-Book
Preis: 3,99 €

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Die Debütautorin Stefanie Schankat hat mit ihrem Erstling „Bevor der Regen kam – Eine Liebe in Malawi““ einen lesenswerten Roman verfasst, der eine sehnsuchtsvolle und dennoch nicht kitschige Liebesgeschichte enthält. Der Leser wird dabei auf eine Reise nach Malawi entführt.
Die Ich-Erzählerin Julia erinnert sich Stück für Stück an ihre Zeit in Malawi, als sie vor etwa 20 Jahren in der Deutschen Botschaft arbeitete. Im Mittelpunkt ihrer Erzählung steht Richard, ein Amerikaner, der damals Gast in der Residenz ihrer Chefin Eleonora war. Gäste bei Eleonora waren nichts ungewöhnliches, doch dieser Gast, ein Amerikaner mit Wohnsitz in Frankreich, hob sich von den übrigen ab.

“Er erinnerte mich an jemanden. Erst am Abend fiel es mir ein. Huckleberry Finn, dachte ich, diese jungenhafte Ausstrahlung von Huckleberry Finn.“

Die beiden fühlen sich offenbar voneinander angezogen und verabreden sich einige Male – unverbindlich und eher unverfänglich. Doch es liegt ein Prickeln in der Luft. Julia ist bewusst, dass Richard wieder aus ihrem Leben verschwinden wird und es vergeht einige Zeit, bis die beiden zueinander finden – kurz bevor das unvermeidliche Eintritt – Richards endgültige Abreise aus Malawi. Doch Julia verweilt gedanklich sehnsüchtig bei ihrem Richard. Ein Jahr nach ihrer kurzen Affäre treffen die beiden mehr oder weniger zufällig in Paris aufeinander …

Die Erzählung erfolgt in stückweisen Einblendungen retrospektiv, aber im Präsens. Hierbei streut die Autorin immer wieder Fragmente aus der Gegenwart ein, die kursiv gedruckt sind. Diese Einwürfe irritierten mich anfänglich ein wenig. Die kleinen „Reisen“ in die Vergangenheit erscheinen mir wie Filmsequenzen, die vor dem inneren Auge der Protagonistin ablaufen.

Julia ist ein Mensch, der nach außen eher sachorientiert und bezüglich ihres Gefühlslebens wie eine verschlossene Auster anmutet. In den Armen Richards lässt sie sich jedoch fallen und öffnet sich wie sie sich wahrscheinlich noch nie gegenüber einem anderen Menschen geöffnet hat und nie wieder öffnen wird. Über ihr Leben vor Richards Erscheinen erfährt man so gut wie nichts.

Der Amerikaner Richard scheint nur im Augenblick zu leben und doch stets auf der Suche nach Neuem zu sein. Er lebt intensiv und doch habe ich das Gefühl, dass er in seiner unruhigen, rastlosen, bindungsunfähigen Art einsam und entwurzelt ist.

„Was das Leben betrifft, verlasse ich mich für meinen Teil lieber auf das Element der Unsicherheit, die überraschende Wende, den nicht zu erwartenden Verlauf der Dinge.“

Julia gegenüber erscheint Richard wie ein Wanderer, der talentiert und geheimnisvoll von einem Menschen zum nächsten reist und dort Spuren hinterlässt.

Ein weiterer starker Charakter ist Eleonora, die anfangs nur punktuelle Erwähnung findet, hinterher aber eine entscheidende Rolle für die Erinnerungen Julias und die Rückbetrachtung auf ihre Liebe spielt. Über diese Frau würde ich gerne mehr lesen. Sie trägt meines Erachtens viel Potential in sich, um einen weiteren Roman zu füllen.

Das Land Malawi wird uns aus dem Blickwinkel der privilegierten Ausländerin Julia dargeboten, die hauptsächlich Kontakte zu anderen Ausländern pflegt, hier und da aber auch Begegnungen mit der Landesbevölkerung hat. So berichtet sie beispielsweise sehr eindrucksvoll von Menschen, die ihr zu Diensten sind. Hungernde Kinder, Slums und Armut werden in den Darstellungen am Rande gestreift, sind aber auch nicht Mittelpunkt des Buches. Die Autorin bildet an einigen Stellen die durchreisten Landschaften mit malerischen Worten ab, so dass ich als Leserin klare Vorstellungen im Kopf hatte. Hier konnte die Autorin aufgrund ihrer Afrikaerfahrungen wohl auf Selbsterlebtes zurückgreifen.

Die Geschichte ließ sich in weiten Teilen sehr flüssig und zügig lesen und konnte eine gewisse Spannung aufbauen. An einigen Stellen wurde sehr detailliert beschrieben, an anderen gab es nur sparsame Andeutungen.

Fazit:
Außergewöhnliche retrospektive Betrachtung einer Beziehung zu einem Mann, der die Erzählerin nur in einem kurzen Lebensabschnitt physisch begleitete, aber tiefe Spuren bei ihr hinterließ. Darüber hinaus wundervolle Eindrücke von Malawi aus dem Blickwinkel einer Botschaftsmitarbeiterin. Guter, lesenswerter Debütroman.