Sonntag, 28. August 2016

Die Salbenmacherin und der Bettelknabe






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 03.08.2016
  • Verlag : Gmeiner-Verlag
  • ISBN: 9783839219102
  • Fester Einband 406 Seiten
  • Genre: Historischer Krimi

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Nürnberg 1409: Jona hat es nicht leicht: keine Familie, nichts zu Essen, es ist bitterster Winter und für harte ehrliche Arbeit ist er zu schwach. Deshalb ergreifen er und sein Freund Caspar die Chance, als Botenjungen zu arbeiten, als es ihnen angeboten wird. Doch was ihn im Haus seines Auftraggebers erwartet, schlägt ihn in die Flucht und so landet er kurz darauf halbtot in Oliveras Hof.
Olivera ist Salbenmacherin und stammt ursprünglich aus Konstantinopel, aber ihr Vater hatte sie an seinen Geschäftsfreund Laurenz in Tübingen verheiratet. Laurenz war in einen Reliquienschwindel verwickelt („Die Salbenmacherin") und Olivera hat diesen nur knapp überlebt. Jetzt erhofft sie sich mit Laurenz’ Bruder Götz eine glückliche Zukunft in Nürnberg. Götz arbeitet darauf hin, als Apotheker zugelassen zu werden und Olivera kann vom Verkauf ihrer Heil- und Schönheitsmittel gut leben. Außerdem ist sie schwanger – alles könnte perfekt sein, wenn ihre Angst vor Laurenz nicht wäre. Und als sie sich um Jona kümmert, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Mir hat besonders die Vielschichtigkeit der Protagonisten gefallen.
Jona tat mir einerseits leid, so allein und halbverhungert mitten im Winter in Nürnberg. Allerdings versucht er sich mehr oder weniger durchs Leben zu gaunern – sein großes Vorbild ist Till Eulenspiegel, nur leider funktionieren dessen Streiche und Tricks in der Wirklichkeit nicht. Aber er macht im Laufe der Handlung eine enorme Wandlung durch und entwickelt sich vom jugendlichen gedankenlosen selbstsüchtigen Träumer und Stadtstreicher zu einem mutigen, mitfühlenden und gewitzten Zeitgenossen.
Olivera ist eine selbstbewusste, gebildete und warmherzige Frau. Salbenmacherin ist für sie eine Berufung, hat ihre Großmutter sie doch von frühester Kindheit an unterwiesen. Aber sie kennt auch die dunkle Seite ihrer Zunft, wird bei Abtreibungen gerufen oder wenn eine Frau nicht schwanger wird. Es ist ein Balance-Akt, diese ganzen Dinge innerhalb der damaligen Gesetze und Regelungen auszuführen, den sie aber gut beherrscht. Und über alle dem schwebt für sie das Damoklesschwert in Form von Laurenz. Denn falls er noch lebt, könnte er jederzeit auftauchen und seine Rechte als ihr Ehemann einfordern.
Götz ist zu Beginn recht unbeschwert und einfach nur glücklich über den Neubeginn. Aber er ist auch neugierig und hartnäckig, will wissen, wer hinter Jonas Verletzungen steht. Als dann auch noch Olivera in Gefahr gerät, begreift er die Zusammenhänge schneller als die Stadtwachen. Er ermittelt auf eigene Faust und nimmt auf nicht und niemanden Rücksicht.

Silvia Stolzenburg schreibt sehr anschaulich, mit viel Liebe zum Detail und Lokalkolorit. Ich war schon ein paar Mal in Nürnberg und man erkennt die Handlungsorte (soweit heute noch vorhanden) sofort wieder. Aber auch ohne Ortskenntnis ist das Buch sehr unterhaltsam und kurzweilig.
Die Handlung ist von der ersten Seite an extrem spannend, es geht Schlag auf Schlag und am Ende habe ich sogar meinen Nachtschlaf vernachlässigt, weil ich unbedingt wissen wollte / musste, wie es ausgeht. Jetzt fiebere ich schon dem nächsten Fall entgegen ;-).