Mittwoch, 28. September 2016

Der Theoretiker-Club






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 29.08.2016
  • Verlag : cbt
  • ISBN: 9783570164358
  • Fester Einband 250 Seiten
  • Genre: Kinderbuch
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Diesen Nerd zur Ausbildung muß man lieben!

Ich bin ja kein Nerd, noch nichtmal zur Ausbildung. Ich blogge, dabei kann ich nur lesen und schreiben und brauche selbst meine eigene Blog-Nerdinnen. Daher ist mir dieser Nerd zur Ausbildung total sympathisch! Er heißt übrigen Knut ist 8,73 Jahre alt, hat oben eine riesige Zahnlücke statt Schneidezähnen und ist Drittklässler. Anders als die anderen vier, die Profi-Nerds des Theoretiker Clubs, die 12 bzw. 13 Jahre alt sind.

Linus, Albert und Roman (heißt eigentlich Benjamin, da er aber seine Liebe zu Latein und den römischen Göttern entdeckt hat, hat er sich kurzerhand umbenannt) gehen schon in die 6. Klasse und sind natürlich richtig schlau und richtig gut in der Schule, bis auf so lästige Fächer wie Sport! Sie sind stolz auf ihren hohen IQ und haben daher den Theoretiker-Club gegründet mit eigenem Blog. Nachbarsjunge Knut darf auch mitmachen, obwohl er von solchen Dingen eigentlich nichts versteht. Seine Stärken liegen woanders: Er kann mit Hammer und Nagel um gehen. Ist das Babysitterkind von Alberts Zwillingsschwester Alba und hat daher tiefergehende Einblicke in die intimsten Geheimnisse der coolen Chicks (denn vor dem süßen kleinen Knut reden sie gnadenlos über alles, was die Nerds oder sonstige Jungs niemals wissen dürften) und er genießt die meisten elterlichen Freiheiten der 4 Jungs. Noch dazu hat sein Vater den coolsten Job der Welt: er testet apps und deswegen hat Knut nie Computerverbot auf seinem eigenen (!) iPad. Dumm nur, daß der unsportliche, hypochondrische Chef-Theoretiker Linus von seiner Mutter zum Fußball gezwungen wird, Albert seinen Glückwürfel verloren hat und der etwas pummelige Roman ist in die elfengleiche vegane Flora verliebt, die aber angeblich fast mit Super-Sportler-und-Angeber Thomas  geht und Probleme mit der streng römisch-katholischen Helikopter Mutter hat, die ihn als Ministranten sehen möchte. Doch Roman kann es nicht lassen und opfert weiterhin treu ergeben seine Schulbrote den römischen Gottheiten (klar, die Arbeitsteilung dieses Konzeptes des Olymps hat schon was für sich). Als es dann noch quasi zu einem Krieg der Knöpfe zwischen den 3,5 Nerds (der eine zählt nur halb, ist ja nur Azubi), den 3 coolen Chicks Alba, Flora, Lynn und den Angebern Bürgermeistersohn Thomas mit seinen 2 Getreuen Moritz und Jonathan Keller kommt, sind Knuts Spezialkenntnisse- und Fähigkeiten gefragt! Denn die 3 großen Theoretiker scheitern schon an den kleinsten Kleinigkeiten, denn für sie ist bisweilen der Besuch der Toiletten in der Sporthalle mit größten Gefahren verbunden!

Dieses Buch ist über weite Strecken im Blog-Chat-Stil oder bei Computerverbot als Whatsapp-Nachrichten geschrieben. Klar, sind ja Blogger, die 3,5 Theoretiker! Dabei hat jeder der 4 seinen eigenen Stil. Knut bringt die 3 großen Denker mit seiner Grundschüler-Unkenntnis schier zur Verzweiflung! Das ist urkomisch, auch seine Schreibweise bisweilen! Da hilft es schon, wenn man keine Linkslesestärke hat, um den Witz seiner Kommentare zu verstehen. Dadurch kann man durch die immerhin rund 250 Seiten geradezu fliegen! Dass es urkomisch ist, macht die Sache nicht schwerer. Die Illustrationen sind als Daumenkino gestaltet. Das ist eine witzige Idee, wobei ich einige Szene schon gerne mit einer passenden Illustration präsentiert bekommen hätte. Als die Mädels Knut umstylen, wäre ein Handybeweisfoto schon nicht schlecht gewesen, hätte aber nicht ins Daumenkino gepaßt. Deswegen ist jedem Kapitel neben der Kapitelüberschrift (die meisten sind schon echte Brüller) ein Handybild vom Topshot des Kapitels angefügt worden! Ja, und über das Ende grinse ich jetzt immer noch ;)

Ich dachte ja eigentlich, es sei ein Jungsbuch, aber das stimmt so nicht. Bis auf Knut/Knutschi sind die Mädels viel cooler und pfiffiger! Da bin ich echt froh, das s ich ein Mädchen bin (na, wohl eher war)!

Wirklich großartig finde ich an dem Buch, wie Kindern die Zusammenhänge von Eskalation und Deeskalation und die fundamentale Bedeutung des einfach mal Miteinanderredens statt Ränkeschmiedens klar vor Augen geführt wird.

Es gibt so viele Kleinigkeiten über die ich mich beim Lesen weggeschmissen habe, aber die darf ich ja nicht verraten, sonst ist der Witz ja weg! Wobei, einige Späße sind für mitlesende Eltern lustiger als für 13 jährige Nerds, denn die kennen wohl meistens die Familie Feuerstein nicht. Auch sollten Kinder mit diesem Buch nicht zu früh anfangen, da sie sonst riskieren einen Großteil der Anspielungen nicht zu begreifen. Manchmal macht die Beachtung der angegebenen Altersempfehlung durchaus Sinn.

So grinse ich fröhlich vor mich hin und sage: wer einen Nerd zu Hause hat, oder wer wie ich und Knut seinen eigenen Nerd zum Bloggen braucht: unbedingt lesen!

5 von 5 Sternen!

Ich bedanke mich ganz herzlich für diese urkomische und doch auch feinfühlige Unterhaltung beim Bloggerportal, daß mir dieses Rezensionsexemplar freundlicher Weise zur Verfügung stellte.