Samstag, 10. September 2016

Interview mit Martin Krist

Endlich ist es soweit. Aus Euern Fragen ist nun dieses tolle Interview entstanden. Lest selbst, was er Euch geantwortet hat.

Übrigens, Ihr habt Martin Krist die Frage gestellt, ob auch er uns Leser etwas fragen möchte. Ja das will er und es wäre echt klasse, wenn Ihr ihm im Kommentar eine Antwort gebt.

P.S. Der Gewinner unserer Verlosung wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben.


Warum gab es mal eine Zeit, in der Du unter Marcel Feige geschrieben hast und was hat Dich bewogen, dann doch Martin Krist zu nehmen? Ich gestehe, mich hat es zwischendurch mal verwirrt. Vor allem, wenn ich für mich Reihen vervollständigen will und nach Titeln suche.

Martin Krist: Marcel Feige ist mein richtiger Name, unter dem ich vor 19 Jahren begonnen habe, Bücher zu veröffentlichen, anfangs überwiegend Sachbücher und Biografien, unter anderem über eine Rotlicht-Größe aus dem Ruhrgebiet, Tattoo-Theo, Nina Hagen, Sido, Kurt Cobain, Mahatma Gandhi. Die ersten Thriller erschienen ebenfalls unter Marcel Feige, damals noch beim Goldmann Verlag. Nach meinem Wechsel zum Ullstein Verlag hielt ich es für besser, mich klarer zu positionieren: Als Marcel Feige schreibe ich seitdem nur noch Sachbücher und Biografien, als Martin Krist Krimis und Thriller, und als Christoph Brandhurst schreibe ich Erotik. So weiß der Leser ganz genau, was er von welchem Autor kriegt.
Die alten Marcel Feige-Thriller sind von Ullstein als "Marcel Feige schreibt als Martin Krist" neuaufgelegt worden.

Hast Du vielleicht auch eine Frage an uns Leser, die Dich immer schon brennend interessiert hat?

Martin Krist: Warum wollen viele Leser es so einfach wie möglich? Wieso missfallen ihnen überraschende Wendungen und raffinierte Clous mitten in der Geschichte (die einen guten Thriller doch auszeichnen), die sie am liebsten gleich schon am Anfang der Geschichte präsentiert bekommen wollen?

Welches Buch hättest Du selbst gern geschrieben? Außer Deinen eigenen natürlich?

Martin Krist: "Es" von Stephen King, ganz klar. Ein großartiges Buch.

Mit welcher  Person der Geschichte, egal aus welcher Epoche, woher auch immer, egal aus welchem Bereich, würdest Du gern mal ein Käffchen oder ein Bierchen trinken und denjenigen auch mit Fragen löchern?

Martin Krist: Mit Stephen King. J

Hat Martin Krist ein Vorbild ?

Martin Krist: Vorbilder nicht wirklich. Autoren wie Karl May, Agatha Christie und Stephen King haben mich als Teenager begeistert und eigentlich erst zum Schreiben gebracht. Heute habe ich Lieblingsautoren, deren Bücher ich sehr gerne lese: Lee Child, Don Winslow (zumindest die früheren Werke), Roger Smith.

Kann sich Martin Krist vorstellen ein Buch mit einem anderen Autor schreiben ?

Martin Krist: Nein, absolut nicht. Ich bin ein Eigenbrötler, kein Teamplayer,

Wenn du schreibst, gibt es ein Tabu, bzw. eine Grenze, die du nicht überschreitest? Bei mir als Leserin und Autorin zB wird es nie Gewalt gegen Kinder oder Folterszenen geben. Wo ist deine Grenze?

Martin Krist: Tabus oder Grenzen kenne ich in meinen Romanen nicht, zumindest was die Themen betrifft. Allerdings bereite ich sie diffizil auf. Ich würde nie Gewalt- und Blutorgien exzessiv ausschmücken. Meine LeserInnen mögen mich dafür, dass ich an den entscheidenden Stellen ausblende und es wenn überhaupt ihrer Phantasie überlasse.

Die berührenden Figuren Elli und Max sind der sogenannte rote Faden durch die Handlung. Hattest du diese Idee von Anfang an oder hat sich das erst während des Schreibens ergeben?

Martin Krist: Ellie und Max waren tatsächlich eine der ersten Ideen zu "Märchenwald". Ich habe mich gefragt, wie es ist, wenn zwei Kinder alleine durch die Stadt irren, und sie sich in ihrer Verzweiflung als einen großen "Märchenwald" vorstellen ...

Wie wäre es denn mit dieser Frage, damit Martin Christ uns ein wenig mehr von sich verrät:
Gibt es eine Frage, die wir nicht gestellt haben und die Sie gerne beantworten möchten?

Martin Krist: Es gibt eine Menge Fragen, die Ihr mir nicht gestellt habt, aber welche davon würde Euch interessieren?
Mich interessiert im Augenblick mein neues Projekt, ein weiterer, ganz besonderer Thriller, der im Dezember erscheinen wird. Hauptfigur wird David Gross sein, eine Art Privatdetektiv, andere würden behaupten: ein Problemlöser. Eine meiner Lieblingsfiguren.

Außerdem interessiert mich bei einem Thrillerautor immer, was er für Ängste hat. Deshalb die Frage: Wovor haben Sie Angst?

Martin Krist: Menschen zu verlieren, die mir lieb und teuer sind.

Warum hast Du Dich für das Thriller-Genre entschieden und nicht für das Schreiben von Kriminalromanen und wo siehst Du da den Unterscheid?

Martin Krist: Thriller setzen mehr auf Spannung, nicht auf die Ermittlungsarbeit. In Krimis steht in der Regel der klassische Ermittler im Vordergrund, der Kommissar oder der Privatdetektiv.
Ich mag spannende Geschichten, in denen Menschen in gefährliche Situationen geraten. Geschichten mit bösen Überraschungen. Deshalb schreibe ich sie.

Und magst Du überhaupt Märchen?

Martin Krist: Zugegeben, ich lese nur noch selten Märchen, aber natürlich sind Märchen das, was uns alle als Kinder geprägt hat. Als Kind habe ich Märchen geliebt.

Wie kritisch bist Du zu Dir selbst, wenn Du schreibst? Merkst Du, ob etwas gut ist oder auch spannend?

Martin Krist: Ich bin sehr kritisch mit mir, und feile sehr, sehr lange an meinen Texten. Das liegt aber auch daran, dass ich mit wenigen Worten viel ausdrücken möchte. Ich mag keine Texte voller Adjektive. Meine Geschichten, meine Figuren, ihre Gefühle, auch ihre Dialoge müssen sich wie von selbst erklären. Da muss kein "schrie er wütend" oder "flüsterte sie traurig" hinzugefügt werden. Der Leser muss es von selbst spüren. Das ist eine Heidenarbeit, aber wenn ich ein Kapitel fertig habe, dann merke ich: Es ist gut!

Wie gehst Du mit Kritik von außen um?

Martin Krist: Ich kann mit Kritik sehr gut leben, allerdings muss sie fundiert und konstruktiv sein. Mit einer Aussage wie "Die Gschichte ist langweilig" kann ich nichts anfangen. Was im übrigen auch auf "Die Geschichte ist superspannend" zutrifft. Mag sein, aber warum ist sie langweilig? Weshalb superspannend? Eine Begründung wäre schön ...