Montag, 31. Oktober 2016

Adam der Affe







Erscheinungsdatum Erstausgabe : 23.09.2016 
Verlag : epubli 
ISBN: 9783741852015 
Fester Einband 132 Seiten 
Genre: Kinderbuch

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Kenny ist 13 Jahre alt und von Geburt an stumm. Warum ist nicht bekannt, da er durchaus hören kann. Daher bekommt er deutlich die Hänseleien und Gemeinheiten seiner Schulkameraden mit, noch ehe sie handgreiflich werden. Seine Mutter ist nach dem Unfalltod des Vaters etwas überfordert und möchte nur, daß Kenny es eines Tages mal besser hat.
Als Kenny mal wieder mal auf der Flucht vor seinen Peinigern ist, entdeckt er in einem Wagen eines Wanderzirkus einen Affen namens Adam, der die Gebärdensprache beherrscht. Aber obwohl er logisch und mitfühlend mit ihm gebärdet, blickt Kenny auf ihn herab. Als der Zirkusdirektor ihn brutal zu einem Auftritt zwingen will, geschieht ein Unfall und beide fliehen.
Mit einem Großaufgebot werden sie gejagt wie zwei Schwerverbrecher. Ob sie ihr Ziel, die entfernte Forschungsstation von Prof. Weißbart, rechtzeitig erreichen? Kenny hofft von ihm das Geheimnis der Sprache zu lernen.
Dieses Buch hebt sich vom Üblichen ab. Kenny ist stumm, aber deswegen sind ihm menschliche Schwächen nicht fremd. So wie er von den Rowdies seiner Schule drangsaliert wird, so geht er zu Beginn auch recht grob und respektlos mit Adam um, obwohl dieser sich ihm gegenüber stets offen, ehrlich und auch sehr klug zeigt. Aber Adam läßt sich von Kenny’s Egozentrik nicht schrecken und steht ihm bei. Dabei ist die Flucht der zwei unterschiedlichen Reisebegleiter sehr spannend. Allerdings finde ich den Schußwaffengebrauch des Zirkusdirektors etwas heftig. Ich hätte mir auch gewünscht zu erfahren, warum Kenny nicht sprechen kann, aber das bleibt leider unklar. Leider hat Kenny seinen Vater verloren, der ihn als einzigen wirklich verstanden hat. Seine Mutter  reagiert bisweilen etwas verständnislos auf ihn. So ganz plausibel erscheint mir das sehr einseitige Verhalten von Direktor Zanker nicht immer. Auch die Polizeibeamten, die ihnen auf der Flucht begegnen sind etwas zu arglos. Dennoch mußte ich bei der Lektüre schmunzelnd an Kafkas Bericht für eine Akademie denken. Der Affe, der den Menschen den Spiegel vorhalten muß und ihnen erst den Weg zu Menschlichkeit zeigt. Dieses Buch ist nicht nur eine spannende Abenteuergeschichte, sie ist auch ein Plädoyer für einen würdevollen und wertschätzenden Umgang mit Tieren, allen voran unseren nächsten Verwandten, die Schimpansen mit denen wir 98 % des Erbgutes teilen. Dies habe ich aus dem Nachwort erfahren, ebenso, daß das Wort Schimpanse einer afrikanischen Sprache entstammt und Scheinmensch bedeutet. An das Nachwort schließt sich noch ein Fototeil mit 12 Bildern der verschiedenen Menschenaffen, ausschließlich des Menschen. Mit den schwarz-weiß Fotos wird den Kindern nachhaltig vor Augen geführt wie ähnlich uns die übrigen 3 Gattungen der Menschenaffen sind, in ihrem Verhalten und auch in ihren Gefühlen. Die Geschichte selbst ist mit 6 schwarz-weiß Illustrationen aufgelockert. Zuerst kam mir dies sehr wenig vor, aber da diese Zeichnungen jeweils sehr groß und ausdrucksstark sind, ist es völlig ausreichend. Stilistisch sind sie etwas anders als die meisten heutigen Kinderbuchillustrationen. Hier sind besonders die Gesichtsausdrücke sehr aussagekräftig und markant und nicht mit Kulleraugen überzeichnet.
Eine kurze knappe Geschichte ohne überflüssigen Schnickschnack, auch für Lesemuffel, es werden nicht viele Worte gemacht. Wahrscheinlich ist es das was mir an der sprachlichen Umsetzung der Geschichte etwas stört, sie ist doch sehr schnörkellos. Die Kernaussage, daß man seinen Mitlebewesen stets mit Mitgefühl begegnen soll, hat mir jedoch sehr gut gefallen. Auch die Verdeutlichung durch Fotomaterial und das Nachwort zu den Parallelen zwischen den 4 Arten von Menschenaffen, darunter auch der Mensch, gefiel mir richtig gut. Daher gute vier von 5 Sternen.