Dienstag, 25. Oktober 2016

Bombennacht






Erscheinungsdatum Erstausgabe : 26.09.2016
Verlag : Echter 
ISBN: 9783429038854 
Fester Einband 340 Seiten 
Genre: Deutsch
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„Bombennacht“ ist eine sehr eindringliche Geschichte, denn der Leser weiß ja, dass am Ende des Tages (16.03.1945) die Bomben fallen werden. Aber für die Bewohner von Würzburg ist es ein „normaler“ Tag, der erste Frühlingstag. Die Hoffnung keimt, dass der Krieg bald vorbei sein wird, denn die Gegner kommen immer näher. Bisher hat Würzburg den Krieg fast unbeschadet überstanden. Was soll jetzt noch passieren?!
Und auch ich hoffe und bange die ganze Zeit, dass wenigstens ein paar der Personen, die wir hier kennenlernen, am Ende überleben werden.

Der Leser erlebt die letzten 24 Stunden im Stundentakt aus sehr verschiedenen Sichtweisen. Da sind zum einen Würzburgs Bewohner, arme und reiche, Ausgebombte, Zwangsarbeiter und Fahnenflüchtige, Juden und Pfarrer. Auf der anderen Seite steht Henry, eigentlich Heinrich, ein Deutscher, der bei einer englischen Fliegerstaffel dient und regelmäßig deutsche Städte ausbomben muss. Der Konflikt zwischen seiner Liebe zu Würzburg und seinem Fliegereinsatz wird sehr gut geschildert.

Zu den wichtigsten weiteren Protagonisten zählt vor allem der Leiter der Nervenheilanstalt Prof. Werner. Die Klinik ist bis auf wenige Nervenkranke längst ein völlig überfülltes Lazarett. Seine Tochter Charlotte, deren 19. Geburtstag an diesem Abend groß gefeiert werden soll, arbeitet im Luftschutzbunker. Sie versucht die feindlichen Nachrichten zu entschlüsseln, vertraut aber leider ihrer Intuition nicht, was die Bomben für Würzburg angeht.
Dazu kommen noch die geheimnisvolle Apollonia, die bei Prof. Werner blanke Panik auslöst, kennt sie doch sein größtes Geheimnis, und die Schwesternschülerin Fanny, die in den letzten Stunden ihren Glauben verlieren wird.
Auch der Jude Paul hofft bis zuletzt auf seine Flucht oder Rettung und Pfarrer Titus will so vielen Menschen wie möglich helfen.

„Bombennacht“ hat mich sehr mitgenommen. Ich habe es immer wieder aus der Hand legen müssen, weil die sehr anschaulich geschilderten Grausamkeiten kaum noch zu ertragen waren. Die Geschichte hat mir die Luft zum Atmen genommen. Sie wirkte beängstigend und beklemmend auf mich. Und immer, wenn ich dachte, jetzt kann es eigentlich nicht mehr schlimmer werden, wurde es noch barbarischer.
Am ehesten könnte man es in dieser Hinsicht noch mit „Nackt unter Wölfen“ vergleichen.
Trotzdem möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Ich finde es gut, dass gerade in der heutigen Zeit wieder einmal darauf aufmerksam gemacht wird, was passieren kann und wie grausam und unmenschlich Kriege sind.

Dieses sehr spannende, fesselnde und aufwühlende Buch hat die 5 Sterne mehr als verdient!