Montag, 31. Oktober 2016

Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen

von Timm Milan



  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Thienemann Verlag (20. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3522184424
  • ISBN-13: 978-3522184427
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 10 Jahre
  • Genre: Kinderbuch             


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Granola, genannt Nola, geht in die vierte Klasse und hat im 1. Band ein Kaninchen aus dem Streichelzoo „gerettet“. Kaninchen Mehlchen ist ihr bester Freund und sie kümmert sich hingebungsvoll um es. Da Granola einen etwas unterdurchschnittlichen IQ hat, wird es sprachlich kniffelig, wenn Sätze zu lang, Wörter zu kompliziert oder ähnliches werden. Sie ist jedoch ein fröhliches Kind, mit einer bisweilen herrlich naiv unverstellten Sicht auf die Dinge. Dafür lieben ihre menschlichen Freunde sie und übersetzen ihr Granolisch in Deutsch.
Als Nolas Klasse auf Klassenfahrt geht, soll natürlich ihre Schwester Alina solange auf Mehlchen aufpassen, aber natürlich sorgt dieses als blinder Passagier bereits im Zug für Aufregung, bei Nola und ihren Freunden Vanessa, Jule und Nathan. Gemeinsam schaffen sie es, das Kaninchen vor der strengen Lehrerin geheim zu halten und zu versorgen. Brenzlig wird es jedoch, als Vanessa und Jule plötzlich nicht mehr mit Nola sprechen und ihr die kalte Schulter zeigen, ohne daß diese ahnt was los ist. Gut, daß Nola Mehlchen hat, das ihren Kummer und ihre Sorgen versteht.
Wir haben das Buch kurz vor und nach der Klassenfahrt meiner Viertklässlertochter gelesen, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester (2. Klasse). Anfangs hatte ich meine liebe Not, weil ich Band 1 in kannte und ich nur wußte, daß Nola eine „Grammatikallergie“ hat. Es tauchten im Text so merkwürdige Wörter auf, die mich stutzen ließen, bis ich im Anhang das Wörterbuch Granolisch-Deutsch fand. Meine Jüngste fand es urkomisch und wollte diese Liste immer wieder lesen, um sie auswendig zu lernen. Nolas Sicht auf die Dinge war immer herrlich arglos und unverstellt, aber bisweilen wunderte ich mich über ihre Naivität doch sehr, bis gegen Ende des Buches durch beleidigende Äußerungen ihrer Mitschüler klar wird, daß Nola durchaus eine besondere Schülerin ist und die Klassenkameraden oft kein Verständnis für ihre scheinbare Sonderbehandlung haben. Zum Glück hat Nola außer Mehlchen noch Nathan, der stets zu ihr hält, auch wenn dies zu weiteren Hänseleien führt. Während die meisten Schüler an dem für sie völlig unverständlichen Verhalten ihrer Freundinnen und Mitschüler verzweifelt wären, ist Nola traurig und verwirrt. Zum Glück klärt sich das Missverständnis auf, da der Verursacher erkennt, daß es unfair ist, daß Nola den unverdienten Ärger für sein Verhalten abbekommt. Gezicke und Gezanke ist nunmehr an Schulen Gang und Gäbe und meines Erachtens auf eine andere Art als früher. Konflikte werden weniger offen ausgetragen. Daher gefällt es mir sehr gut, daß die Kinder die Schwierigkeiten dann selbst klären und sich entschuldigen und vertragen. Wobei Vanessa und Jule sich später auch eine wirklich süße Wiedergutmachung für Nola ausdenken. So können alle strahlend und glücklich wieder mit einem guten Gefühl zurückfahren. Zum Glück ist Nola nicht nachtragend und freut sich einfach, daß ihre Welt wieder in Ordnung ist.
Viele der Situationen in der Geschichte sind wirklich typische Klassenfahrtsitutationen, die daher mitlesende Mütter schmunzeln lassen und lesende Kinder gut auf eine bevorstehende Klassenfahrt vorbereiten.
Die Illustrationen von Susanne Göhlich sind kindlich fröhlich und daher gerade für Granola und ihre kindliche Sicht der Dinge sehr passend. Die Unbekümmertheit von Nola wird gut in ihnen wiedergespiegelt und meine Kinder haben sie immer genau angeschaut.
Gerade in Zeiten inklusiver Beschulung finde ich es für Kinder wichtig, zu lesen wie vielleicht ihre Inklusionsmitschüler die Welt sehen. Aber nicht nur diese sehen die Welt mit anderen Augen, sondern eigentlich jedes einzelne Kind. Dies gefiel mir an dieser Geschichte sehr gut: sie war nicht nur witzig und unterhaltsam, sondern verdeutlich ganz klar, daß jeder eine ganz persönliche Wahrnehmung und damit auch Wahrheit hat. Missverständnisse entstehen genau aus diesem Grund und es ist besser, erst mal nachzufragen, als eventuelle falsche Schlüsse zu ziehen.
Meine Jüngste fand die Geschichte klasse und meine Große fand sie gut. Um unsere anfänglichen Irritationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, mit Band 1 Kaninchenschmuggel oder wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete zu beginnen.

Ein wirklich schönes Kinderbuch, mit einer wichtigen Botschaft zur Akzeptanz der Inklusion, auf witzig kindgerechte Art umgesetzt.
4,5 von 5 Sternen