Donnerstag, 27. Oktober 2016

Wie zwei Inseln im Meer

Bewegend und fesselnd mit ernsteren Zwischentönen


von Susan Mallery


Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: HarperCollins
ISBN-13: 978-3959670364
Genre: Roman

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Vor vielen Jahren waren Michelle und Carly unzertrennlich. Ihre Freundschaft war immer unverwüstlich, bis diese eine Sache passierte und sie sich voneinander abwandten. Michelle ging zur Army während Carly in ihrem Heimatort blieb und sich dort ein Leben aufbaute.

Als Michelle zehn Jahre später in ihre Heimat zurückkehrt, kochen die Gefühle von damals hoch. Doch Michelle und Carly können einander nicht aus dem Weg gehen, denn Carly führt das Blackberry Island Inn, welches Michelle von ihrem Vater geerbt hat. Zudem steht es mit den Finanzen des Hotels nicht zum Besten und die beiden müssen zusammenarbeiten, um einen Zwangsverkauf zu verhindern. Doch ist es nach all den Jahren möglich sich einander wieder anzunähern?

Ich war sehr gespannt auf dieses neue Buch aus der Feder von Susan Mallery, da ich bislang hauptsächlich 
ihre Liebesromane wie die der Fools-Gold-Reihe kenne. Doch dieser Roman schlägt auch ernstere Töne an und auf die extra Prise Zuckerguss wartet man vergeblich.

„Wie zwei Inseln im Meer“ hat mich positiv überrascht. Zwar bleibt auch hier die Liebe nicht außen vor, doch sie steht nicht im Zentrum des Geschehens. Es geht in erster Linie um Michelle und Carly und die Frage, was eine Freundschaft alles ertragen und verzeihen kann oder woran sie womöglich doch zerbricht. Die langsame Annäherung der beiden wurde mit viel Feingefühl dargestellt und kam mir zu jederzeit authentisch vor. Geht es zunächst nur um einen möglichst höflichen und professionellen Umgang im Hotel, so brechen zunehmend immer mehr private Dinge aus den beiden heraus und stellen die zerbrechliche Bindung der beiden wiederholt auf die Probe. Dabei geht es sowohl um Vorwürfe von damals, als auch die aktuelle Situation. Beide müssen erkennen, dass sie einen Berg an Vorurteilen mit sich rumschleppen und dass längst nicht an alle der Wahrheit entsprechen. Doch auch nachdem die ersten Probleme aus dem Weg geräumt waren, gab es immer wieder Rückschritte, was mich sehr gefreut hat, denn das macht die Geschichte in meinen Augen noch realistischer.

Die Entwicklung der beiden Protagonistinnen nimmt sehr viel Raum ein und besonders bei Michelle sind die Veränderungen gut sichtbar. Denn sie kämpft nicht nur mit ihrer Beziehung zu Carly, auch die Erfahrungen in der Army lassen sie nicht so schnell los. Gerade die psychische Belastung, unter der Michelle immer noch leidet, wird meines Erachtens nach gut thematisiert. Die Kriegserlebnisse werden nicht verklärt dargestellt und Michelle kehrt auch nicht als die gefeierte Heldin zurück. Sie ist eine von vielen Veteranen, die mit ihren inneren Dämonen und einer posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen hat und nun versucht sich ein neues, ziviles Leben aufzubauen. Dennoch ist der Roman insgesamt keine schwere Kost und es gibt durchaus auch amüsante Szenen, vor allem wenn es wieder einmal zu einem Schlagabtausch zwischen Michelle und Carly kommt.

Mein Fazit: Ein rundum gelungener Roman, der sich in keiner Weise kitschig, sondern stets realitätsnah präsentiert und im Gegensatz zu den Liebesgeschichten der Autorin wesentlich mehr Tiefgang bietet.