Donnerstag, 17. November 2016

Bücherherbst mit Bernt Ture von zur Mühlen




Wenn ich meinen SuB so betrachte, dann sind Buchtipps in etwa das Letzte, was ich brauchen kann. Aber einen Abend mit Bernt Ture von zur Mühlen quasi vor der eigenen Haustür verpassen? Auf keinen Fall (!), denn ich durfte ihn bereits als Dozent kennenlernen, als ich in Seckbach auf der Deutschen Buchhändlerschule war. Wie kein zweiter, den ich kenne, versteht er es Bücher so begeistert vorzustellen, dass bei ihm wohl selbst das Telefonbuch nach einer spannenden Lektüre klingen würde.


Also habe ich mich am Mittwochabend in der Stadtbibliothek Bruchsal eingefunden, die diesen Abend in Kooperation mit der Buchhandlung Carolin Wolf organisiert hat. Gleich 20 Titel hatte Bernt Ture von zur Mühlen im Gepäck. Los ging es mit Wolf Biermanns Autobiographie „Warte nicht auf bessere Zeiten“ und John le Carrés „Der Taubentunnel“. Letzteres ist prompt auf meine Wunschliste gewandert, ebenso wie von zur Mühlens eigenes Buch „Gustav Freytag“. Mal Hand auf Herz: Wer von euch kennt diesen Herrn Freytag?

Auch Sarah Bakewells „Das Café der Existenzialisten“ werde ich mir ganz sicher noch einmal genauer anschauen und Juli Zehs „Unterleuten“ liegt hoffentlich für mich unter dem Weihnachtsbaum.

Doch nicht nur meine persönlichen Favoriten, auch die übrigen Titel wurden humorvoll bis kritisch vorgestellt und ab und an konnte man merken, dass Bernt Ture von zur Mühlen ursprünglich mal eine Schauspielausbildung absolviert hat, eher er Literatur- und Theaterwissenschaft, Politologie, Geschichte und Volkskunde studierte. Er versteht es, seine Worte mit Mimik, Gestik und Stimme gekonnt zu unterstreichen.

Sehr beruhigend empfand ich seine Aussage, dass man nicht jedes Buch vollständig gelesen haben muss, um etwas darüber sagen zu können. Er verglich es mit einer Flasche Wein, die man ebenso wenig zur Gänze leeren muss, um sagen zu können, ob einem der Wein schmeckt oder auch nicht. Wie er selbst sagt, hält er im Schnitt pro Tag zwei bis drei neue Bücher in der Hand. Die alle zu lesen wäre wohl in der Tat auch ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber natürlich gibt es immer wieder Bücher, die auch ihn so sehr fesseln, dass er jetzt schon gespannt auf die Fortsetzung wartet. So etwa auf „Die Geschichte eines neuen Namens“, den zweiten Teil von Elena Ferrantes Neapolitanischen Saga. Und wer wie Bernt Ture von zur Mühlen noch ein wenig Wartezeit überbrücken muss, der wird vielleicht in seinen Tipps fündig:

1 – Wolf Biermann: Warte nicht auf bessere Zeiten (Propyläen, 28,00 €)

2 – John le Carré: Der Taubentunnel (Ullstein, 22,00 €)

3 – Stefan Karner: Im kalten Krieg der Spionage (Studien Verlag, 19,99€)

4 – Lyndal Roper: Der Mensch Luther (S. Fischer, 28,00 €)

5 – Bernt Ture von zur Mühlen: Gustav Freytag, Biographie (Wallstein, 24,90 €)

6 – Reinhard Kaiser: Der glückliche Kunsträuber (Beck, 24,95 €)

7 – Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten (Beck, 24,95 €)

8 – Peter Wohlleben: Das Seelenleben der Tiere (Ludwig, 19,99 €)

9 – Jon Ronson: In Shitgewittern (Tropen, 14,95 €)

10 – Geli Grimm: Der Tag der toten Katze (Leseratten Verlag, 8,90 €)

11 – Vincenzo Latronico: Die Verschwörung der Tauben (Secession, 24,00 €)

12 – Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis (Frankfurter Verlagsanstalt, 21,00 €)

13 – Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut (Hanser, 18,90 €)

14 – Juli Zeh: Unterleuten (Luchterhand, 24,90 €)

15 – Claudia Pinieiro: Ein wenig Glück (Union, 22,00 €)

16 – Emma Cline: The Girls (Hanser, 22,00 €)

17 – Elena Ferrante: Meine geniale Freundin (Suhrkamp, 22,00 €)

18 – Ramita Navai: Stadt der Lügen (Kein & Aber, 22,00 €)

19 – Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe (Arche, 22,00 €)

20 – Gustave Flaubert: Madame Bovary (Insel, 6,95 €)