Mittwoch, 30. November 2016

Holding up the universe

von Jennifer Niven



  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Penguin (6. Oktober 2016)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0141357053
  • ISBN-13: 978-0141357058
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 18 Jahre
  • Genre: Jugendbuch             


Buch kaufen




3 Jahre ist die 16 jährige Libby Strout nicht mehr zur Schule gegangen. Nach den plötzlichen Tod ihrer Mutter im Alter von 10 Jahren brach für sie die Welt zusammen. War sie schon immer ein pummeliges Kind gewesen, das deswegen auch gehänselt wurde, beginnt sie nun alles in sich hineinzustopfen, um die innere Leere zu füllen. Irgendwann kann sie nur noch in ihrem maßgefertigten Bett liegen, bis sie auf Grund von gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus gebracht werden muß. Die Rettungsaktion, bei der die Hausfront abgerissen werden muß, Libby mittels Krahn aus dem 1. Stock geborgen und mittels LKW abtransportiert werden muß, geht durch die Presse. Amerika’s fetteste Teenagerin erlangt traurige Berühmtheit. Nach einer strikten Ernährungsumstellung und Psychotherapie hat sie 302 Pfund abgenommen und noch immer hat sie 190 Pfund Übergewicht. Nun mit dem neuen Schuljahr geht es für sie zurück in die harte Realität. Ihre Highschoolzeit beginnt, an der örtlichen High School mit 2.000 Schülern, wo sie Aufgrund ihres Umfangs keine Chance hat in der Masse unterzutauchen.
Jack Masselin, fast 18 Jahre als, ist der coolste Typ der Schule. Schlank, drahtig, clever, immer lächelnd und einen lockeren Spruch auf dem Lippen, ist er mit seinem alten Geländewagen und seinem Riesenafro auch nicht zu übersehen. Er hat eine on-and-off Beziehung mit Caroline Lushamp, dem schönsten Mädchen der Schule und Top-Cheerleaderin. Doch was keiner weiß und Jack auch nur ahnt: Er leidet unter einer besonders schweren Form von Prosopagnosia, eines Hirnschadens, der dazu führt, daß er keine Gesichter wieder erkennen kann und jeder für ihn ein Fremder ist. Selbst sich selbst kann er nicht im Spiegel erkennen. Seine Eltern und zwei jüngeren Brüder kann er nur anhand signifikanter Merkmale identifizieren, aber darauf ist auch nicht immer Verlaß. Daher hat er sich die zwei auffälligsten Typen der Schule zu Freunden gemacht, Dave Kaminski mit seinem weißblonden Haar und der ziemlich hohle Seth mit dem Irokesen-Schnitt. Als Seth auf die total schwachsinnige Idee kommt, sie sollten doch „Fat-Girl-Rodeo“ spielen, d.h. wer sich am längsten an einem zufällig vorbeikommenden dicken Mädchen festklammern und dranbleiben kann, nimmt das Schicksal von Libby und Jack seinen Lauf.
Das Buch ist unheimlich gut und eindringlich geschrieben. Bereits von der ersten Seite an, wird man in die Geschichte hineingezogen und steckt mitten in der ganz eigenen Gefühlswelt von Libby und Jack. Diese erzählen die Ereignisse jeweils aus ihrer Sicht, wobei die recht kurzen Abschnitte mit Jack und Libby überschrieben sind.
Libby hatte durch ihre lange Fesselung ans Bett viel Zeit zu lesen, Fernsehen zu schauen und nachzudenken. Neben ihrem Lieblingsbuch über ein Mädchen, daß in einer Burg wohnt, welches es nie verläßt, hat sie ganz besonders Harper Lee’s „To Kill a mockingbird“ beeindruckt. Atticus Finn, der legendäre Held dieses Buches, beeinflußt Libby, indem sie seinem Rat zu folgen versucht, sich stets zu versuchen sich in die Haut des Gegenübers zu versetzen. Und auch für Jack hat Atticus ein prägnantes Zitat, welches dem Buch voran gestellt ist: „Atticus, he was real nice…“ „Most people are Scout, when you finally see them.“ Doch wie leicht ist es, jemanden zu sehen, dessen Gesicht man stets vergisst, oder hinter die Fassade des Menschen zu blicken, der so dick ist, daß die meisten Menschen nur seine Masse wahrnehmen und die durchscheinende Persönlichkeit völlig ausblenden?
Die High-School-Zeit ist für viele nicht einfach, aber für diese zwei bietet sie besondere Härten, besonders, da sie stets im Fokus stehen.
Was mich gefreut hat, ist das Libby wirklich gute Freundinnen findet, zwischen all den Anfeindungen. Diese drei sind sehr bunt gemischt und nicht nur die „Loser“ der Schule.
Jack hat Angst, in den Augen seines etwas exzentrischen kleinen, liebevollen Bruders Dusty nicht bestehen zu können, daß dieser ihn für einen „Scheißkerl“ halten könnte.
Wie die zwei Universen von Jack und Libby sich auf einander zubewegen. Ist bisweilen tiefgründig, bisweilen unterhaltsam und bisweilen traurig. Für all diese geballten High-School-Gemeinheiten, fehlten mir im Grauen November etwas die Nerven. Holding Up the Universe ist ein wirklich tolles Buch, mit einem wirklich auch schön geschriebenen Ende. Dennoch mußte ich immer wieder etwas pausieren, um etwas Aufbauenderes zu lesen. Dabei hat dieses Buch durchaus viele Lichtblicke und Mutmachmomente, gerade wenn Libby eine ihrer Aktionen umsetzt, um der Welt zu zeigen: Ja, ich bin fett, aber ich bin liebenswert, ich mag mich und ich werde geliebt und begehrt.
Dies ist ein Teenagerbuch und die Welt von Teenagern ist grausam, z.T. grausamer als jeder blutige Thriller.
Meine vier Sternewertung kann ich überhaupt nicht begründen, denn es ist ein wirklich tolles Buch, mit einem super Schreibstil. Wahrscheinlich war es einfach nicht das richtige Buch für diesen ekeligen November und hätte im strahlenden August die verdienten 5 Sterne erhalten. Auf jeden Fall werde ich die Augen nach weiteren Büchern der Autorin offen lassen.