Sonntag, 27. November 2016

Lesungen u.a. aus der Anthologie „Zwischen Godorf und Gomorrha“



23 mörderische Geschichten aus Kirche und Unterwelt



Genre: Krimi
Verlag: cmz
Umfang: 256 Seiten
Format: Paperback
ISBN: 978-3-87062-176-6
erschienen am: 01.07.2016
Preis: € 12,95




Im Rahmen des November Autorenabends in der Düsseldorfer Stadtteilbuchhandlung Werstenbuch trugen die drei Autoren
-       - Jutta Wilbertz (Autorin, Satirikerin, Sängerin und Kabarettistin)
-       - Heidi Möhker (Autorin)
-       - Klaus Stickelbroeck (Autor, in Düsseldorf auch als Krimi-Cop bekannt)
ihre Kurz-Krimis aus den Antholgie „Zwischen Godorf und Gomorrha“, „Tödliche Torten“ und „Chillen, Killen, Campen“. vor. Nachfolgend meine Eindrücke zu den Lesungen:


Als erstes trug Klaus Stickelbroeck mit viel Verve seinen lebendig-humoristischen Kurzkrimi „Ein faules Ei für Hartmann“ aus der Anthologie vor:
Der zwielichtige Werther beauftragt den Privatermittler Hartmann mit der Suche nach einem 620.000 € teuren Tartaren-Ei. Doch Werther legt keinen Wert auf die Dingfestmachung des Täters, sondern möchte lediglich das Ei zurück. Während der Rückeroberung des Eis Gerät Hartmann in einen kurzen Gewissenskonflikt, den er aber einfallsreich löst.

Danach folgte die Lesung Heidi Möhkers, die schnell deutlich machte, dass in „Zwischen Godorf und Gomorrha“ ein kontrastreiches Kurzkrimi-Angebot zusammengestellt ist. Denn Heidi Möhker las nun ihren eher tiefgründigen Kurzkrimi „Das Original“ vor, der mit dem 10. Gebot „Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib, …“ eingeleitet wird.
Dieser Krimi spielt in Rheinbach. Wir finden uns im Voreifel-Express in den Gedankenspielen der jungen Abiturientin Lena, die sich von ihrem „Zwilling“ Marlene abgrenzen möchte. Dieses Bedürfnis scheint ungemein tief zu sitzen. Und zum Schluss wissen wir auch warum …
Als amüsante Zwischenepisode las Jutta Wilbertz eine Kurzgeschichte aus „Tödliche Torten“ vor. Mit ihrer „Invasion“ erntete sie zahlreiche Lacher:
Bei der alleinstehenden Ich-Erzählerin quartiert sich ein Mitbewohner ein. Zunächst steht sie ihm eher skeptisch gegenüber, dann gewöhnt sie sich an ihn, aber schließlich wird sie des pflegebedürftigen, nimmersatten Mitbewohners überdrüssig. Doch wie des unliebsamen Schmarotzers entledigen, der nicht von alleine gehen will? Trotz des „gewalttätigen“ Endes blieb kein Auge trocken.

Nach einem kleinen Pausenimbiss ging es frisch gestärkt mit „Giftgrün“ weiter. Jutta Wilbertz las ihren Kurzkrimi aus „Zwischen Godorf und Gomorrha“:
Zwei Künstlerinnen teilen sich ein Atelier in Köln. Die Ich-Erzählerin Kathrin ist sehr neidisch auf ihre charmante und hübsche Untermieterin Josephine, der alles in den Schoß zu fallen scheint. Obwohl Kathrin, die gerade an ihrem „Katharinen Zykus“ arbeitet, nach eigenem Befinden die talentiertere Künstlerin ist, erntet das „mit silbernen Löffel im Mund geborene“ „folklore Schneewittchen“ Josephine die Lorbeeren. Da kann man auch schon mal grün vor Neid werden und wenn Josephine nicht immer so nett wäre, könnte man sie glatt hassen … Eine Lieferung für Josephine, die Kathrin annimmt, bringt eine interessante Wende! Mit herrlichen Metaphern wurden die Lachmuskeln wieder arg strapaziert.
Anschließend trug Heidi Möhker uns Auszüge aus ihrem ersten eigenständig erschienen Krimi „Zwiebelangst“ vor. Hierbei wählte sie Abschnitte, in denen wir Ermittler, Täter und Opfer kennenlernen durften. Da ist zum einen die Ermittlerin Sabine Gruber. Sabine ist Synesthetikerin. Sie nimmt Gefühle in Farben und Gerüchen war. Neben ihr lernen wir auch ihre Tochter Becke kennen, ein äußerst zuverlässiger und ordentlicher 14 jähriger Teenager. Wir hörten vom geplanten Mord an Sören Horneberg und machten Bekanntschaft mit Sabines Kollegen Daniela Hupperath und Wolter der Kripo Bonn. Dieser Appetithappen machte Lust auf mehr.

Eine weitere humoristische Einlage gab Klaus Stickelbroeck mit seinem „Camping Chaos“ aus der Anthologie „Chillen, Killen, Campen“. Hier blieb wirklich kein Auge trocken. Ironisch, sarkastisch wird vom Camping-Wochenende der „Jungs“ berichtet, von denen der Jungspund irgendwas in den 70ern ist. Erzählt wird von einem Campingabenteuer, bei dem ein Malheur dem nächsten folgt. Berichtet wird aus Sicht eines 84-jährigen, der der einzige zu sein scheint, der den Überblick behält und das Wochenende „im Griff hat“. Ob verrutschende Billig-Prothese aus Taiwan, Gruppenzelt aus alten Wehrmachtsbeständen, aus dem beim Auspacken Mäuseskelette fallen oder falsch herum eingeschlagene Heringe …, die Lachmuskeln wurden bei dem einmalig gelungenen Vortrag in äußersten Anspruch genommen.

Fazit:
Guter erster Eindruck der Anthologie, der natürlich durch die Lesung der drei Autoren ein besonderes Involvement mit sich brachte. Meine Meinung zum gesamten Werk wird folgen. Ich habe jedenfalls Lust bekommen, mehr zu lesen!