Mittwoch, 25. Januar 2017

Interview mit Christiane Lind im Rahmen der Blogparade




Liebe Christiane, wir kennen uns ja persönlich, aber würdest Du Dich unseren Lesern bitte kurz vorstellen? 
Hallo, erst einmal danke für das Interview und eure Fragen.

Ich heiße Christiane Lind, bin Sozialwissenschaftlerin, in Niedersachsen geboren und aufgewachsen. Geschichten habe ich mir immer schon ausgedacht und meinen Freundinnen erzählt, aber nur selten zu Papier gebracht. Erst zur Jahrtausendwende habe ich begonnen, mich mehr mit Schreiben zu beschäftigen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Nach beruflichen Zwischenstationen in Göttingen, Gelsenkirchen und Bremen teile ich heute in Kassel eine Wohnung mit unzähligen und ungezählten Büchern, einem Ehemann und vier Katern. Die Samtpfoten erwarten von mir, dass mindestens eine Katze in ihren Geschichten vorkommt. Beim Schreiben begebe ich mich am liebsten auf die Spur von Familien und deren Geheimnisse, sei es im Mittelalter, dem 20. Jahrhundert oder auf anderen Kontinenten.

Internetseite: www.christianelind.de

Facebook: https://de-de.facebook.com/ChristianeLind



Du schreibst auch unter mindestens einem Pseudonymen (Clarissa Linden). Ist eins davon eigentlich Dein richtiger Name? (Du musst auch nicht verraten, welcher ...) Und wurde das vom Verlag gewünscht, um die verschiedenen Genres zu unterscheiden oder war das Deine Idee?
Nein, Christiane Lind kommt meinem richtigen Namen am nächsten. Zu der Zeit, als ich mit dem Schreiben begann, habe ich noch als Wissenschaftlerin gearbeitet und veröffentlicht und mich daher für ein Pseudonym entschieden, um meine Lebensbereiche zu trennen. Eingestiegen ins Schreiben bin ich mit Kurzgeschichten, die ich als Chris Lind geschrieben habe. Als ich meinen ersten Roman bei einem Verlag unterbringen konnte (yeah!), haben wir uns für Christiane Lind entschieden.

Von neuen Verlagen kam dann der Wunsch, neue Autorinnen zu erschaffen. Inzwischen gibt es in vielen Verlagen die Politik, für unterschiedliche Genres unterschiedliche Pseudonyme zu nutzen, damit die Leserinnen und Leser eine klare Orientierung erhalten. Daher hatte ich zwischenzeitlich so viele Pseudonyme wie Kater. Inzwischen ist Laura Antoni gestorben und von Carolyn Lucas haben die Leserinnen auch lange nichts mehr gehört. Alles, was in nächster Zeit veröffentlicht wird, werden Christiane Linds sein.


Wie viele Bücher hast Du bisher insgesamt veröffentlicht? 
Viele – achtzehn, um genau zu sei. Die Zahl hat mich selbst überrascht, als ich sie für euch aufgelistet habe! Ich habe sie nach Pseudonymen sortiert:



Clarissa Linden

Ich warte auf dich, jeden Tag. Knaur 2015

Unsere Hälfte des Himmels. Knaur 2017



Christiane Lind

Die Geliebte des Sarazenen: Historischer Roman. rororo 2010

Weiße Rosen auf der Titanic. Personal Novel 2012

Weihnachtspunsch & Weihnachtskater. Rororo 2012

Das Haus auf der Blumeninsel. Knaur 2013

Endlich Schnurrlaub! Geschichten von Katzen auf Reisen. rororo 2014

Die Heilerin und der Feuertod. Historischer Roman. Aufbau-Verlag. 2014

Die Medica und das Teufelsmoor. Aufbau-Verlag 2015

Das Shakespeare-Geheimnis. Amazon Publishing 2016

Phillips letztes Geschenk. Amazon Publishing 2016

Im Schatten der goldenen Akazie, Self Publishing 2016

Im Land des ewigen Frühlings, Self Publishing 2016



Carolyn Lucas

Liebe unter dunklem Stern, Self Publishing 2014

Vermächtnis der Engel, Self Publishing 2014

Verrat der Engel, Self Publishing 2014



Chris Lind

Kein Gott wie jeder andere. Sieben Verlag 2014



Laura Antoni

Im Land der Kaffeeblüten. Thienemann 2012



Nicht alle Romane sind noch auf dem Markt zu haben – von einigen habe ich die Rechte zurückerhalten, andere gibt es nur noch als eBook.


„Im Land des ewigen Frühlings“ basiert ja auf einem Jugendbuch von Dir. Warum bzw. wie ist daraus jetzt dieser Roman geworden?
Geschrieben habe ich die erste Fassung von „Im Land des ewigen Frühlings“ im Jahr 2011 – sie wurde als Jugendbuch unter dem Titel „Im Land der Kaffeeblüten“ veröffentlicht. Bereits 2014 habe ich die Rechte für das Buch zurückbekommen und seitdem immer wieder überlegt, die Geschichte, die ich aus unterschiedlichen Gründen sehr mag (Maya, Maultier, Margarete, Juan, Elise J) irgendwie neu aufleben zu lassen, damit sie nicht vergessen wird. Aber ich war nie richtig glücklich mit der Freundinnengeschichte in der Gegenwart, die in Bremen spielte – auch die Leserinnen fanden den Teil deutlich weniger ansprechend. Also bin ich in den vergangenen Jahren immer wieder nach Guatemala zurückgekehrt, um Isabell und Julia zu ändern. Im letzten Sommer hatte ich dann die zündende Idee: Isabell alterte um 20 Jahre, Julia wurde zu einem Julian und zu Isabells Love Interest. Später habe ich ihn umbenannt, weil Julian und Juan mir als Namen zu ähnlich erschienen, aber seine Persönlichkeit blieb gleich. Manchmal vermisse ich die jugendliche Leichtigkeit zwischen Isabell und Julia, aber alles im allem sind mir die neue (gealterte) Isabell und Julian / Fabian lieber. So konnte ich die Geschichte etwas dunkler gestalten, Fabians Familie ein düsteres Geheimnis in Guatemala geben und schließlich Isabell eine neue Chance für die Liebe zu geben. Auch für Margarete und Elise brachte die Neuausrichtung ein paar stilistische Änderungen, eine Stärkung der Familienkonflikte und leider musste ich alles streichen, was mit der Weltuntergangsprophezeiung zu tun hatte, denn 2012 ging die Welt ja glücklicherweise nicht unter.


Und natürlich gleich die Standardfragen: 
Wie bist Du zum Schreiben gekommen? 
Hmm, das ist eine wenig romantische Geschichte. Im letzten Jahrhundert (klingt gut, nicht wahr?) habe ich in Bremen gearbeitet und saß eines schönen Sommertages mit meiner Freundin Annette auf deren wunderschöner Dachterrasse. Wir beide mochten unsere Jobs nicht mehr leiden und irgendwann sagte eine von uns: „Warum schreiben wir nicht einen Krimi-Bestseller … und müssen dann nie wieder arbeiten.“

Keine wirklich originelle Idee und leider auch keine, die wir erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Wir haben weder den Krimi geschrieben noch einen Bestseller gelandet. Aber für mich war das der Anstoß, mich mit Schreibhandwerk und dem Veröffentlichen zu beschäftigen. Tja, und heute kann ich mir ein Leben ohne Schreiben so wenig vorstellen wie ein Leben ohne Kater (und natürlich meinen Ehemann!).


Woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher?
Manchmal ist es ein Bild, das ich im Kopf habe, manchmal ist es etwas, was ich in der Zeitung lese, manchmal gibt es eine Anfrage durch einen Verlag. Als ich die ersten Ideen zu „Im Land des ewigen Frühlings“ entwickelte, suchten Verlage nach Geschichten, die in exotischen Ländern spielten. Mittelamerika interessierte mich als Region, so dass ich anfing, etwas quer zu lesen und bald auf die Geschichte der deutschen Einwanderer in Guatemala stieß. Je mehr ich las, desto spannender fand ich Land, Landschaft und Leute. Dann fehlten mir nur noch die Figuren und die Geschichte. Margarete, die starke Heldin, war als erste da. Als ich mich mit ihrem Leben und ihrer Familie beschäftigte (was bedeutet, dass ich ihr ein Leben und eine Familie schrieb), kam schnell Juan als verbotene Liebe dazu.

Weil ich unbedingt auch die Mayakultur und Forschungsreisen einbringen wollte, brauchte ich noch eine zweite Hauptfigur, die noch so ortsgebunden war wie Margarete. So kam ich zu Elise, die von Anfang an ganz anders als Margarete war, genauso, wie ich sie mir wünschte.

Ziemlich schnell stand der Grobplot, also die Grundidee der Geschichte, nur das Ende fehlte mir. Hier kommt nun die Recherche ins Spiel. Irgendwann stieß ich auf den Vulkanausbruch des Santa Maria im Jahr 1902 – und damit hatte ich endlich den abschließenden, dramatischen Höhepunktes des Buchs.


An welchem Projekt/Buch arbeitest Du aktuell?
Aktuell bin ich zwischen zwei Projekten. Ein Buch ist gerade im Korrektorat und kommt hoffentlich zur Buchmesse heraus.

Für das nächste Buch schwanke ich noch zwischen zwei Ideen – einmal einem modernen historischen Roman oder – mal etwas anderes – eine moderne Geschichte in Richtung freche Frauen mit Katze.


Da wir ein Buchblog sind, interessieren uns natürlich auch Deine Lesegewohnheiten!
Erinnerst Du Dich an Dein erstes selbst gelesenes Buch? Wenn ja, welches Buch war es?
Den Titel weiß ich nicht leider mehr. Es war ein Buch über eine Ente, das ich aus unserer Dorfbibliothek, die übrigens großartig und sehr lesefördernd war, ausgeliehen hatte und nie beendete, weil ich soooo langsam gelesen habe. Meine Mutter hat gern die Geschichte erzählt, dass ich im Bett gesessen habe, die Zungenspitze vor Anstrengung rausgestreckt, und als sie sagte: „So, Licht aus.“, antwortete ich: „Nur noch das eine Wort. Nur noch das eine Wort.“

Das erste Buch, an das ich mich bewusst erinnere, ist „Der König des Windes“, eine hochdramatische und auf Tatsachen beruhende Pferdegeschichte.


Welches Buch hast Du als letztes gelesen und welches Buch liest Du aktuell?
Gelesen habe ich „Ein kleines Stück Paris“ von Yvonne Jarré, das mich dazu gebracht hat, Paris ganz weit nach oben auf der Urlaubswunschliste zu setzen. Ein wunderbarer Wohlfühlroman, den ich allen Macaronfans an Herz legen möchte.

Aktuell lese ich „Teufelstritt“ von Ursula Hahnenberg, eine Geschichte, die in einer mir sehr fremden Welt spielt – in einem katholischen Dorf in Bayern. Die Heldin ist Försterin, was ich sehr faszinierend finde.


Wir haben ein paar letzte kurze Fragen:

Was ist Deine… 
Lieblingsfarbe?
Als Kind habe ich immer „rot“ geantwortet und mich scher geärgert, wenn so ein pfiffiges Kind „Regenbogen“ geantwortet hat.

Heute schwanke ich zwischen rot, lila und blau und nehme … Regenbogen. ;-)

Lieblingsessen?
Ich bin ein Süßigkeitenfan: Macarons oder Pancakes mit Ahornsirup und Obst (wegen der Gesundheit)


Liebste Jahreszeit?
Da ich heuschnupfengeplagt bin – der Winter, aber nur mit Schnee, wenn alles unter eine Lage Puderzucker verschwindet.

Lieblingsblume?
Orchideen oder Ranunkeln oder Hyazinthen.

(Habe ich schon erwähnt, dass ich eine Entscheidungsschwäche habe?)

Wofür entscheidest Du Dich?
Bungee-jumping oder mit Haien schwimmen?
Wegen Höhenangst wähle ich die Haie … und hoffe, dass sie a) klein sind, b) gut gefressen haben und c) Menschen nicht auf ihrer Speisekarte stehen.


Kino oder Theater?
Kommt auf den Film oder das Stück an :-)

Hund oder Katze?
Wenn ich Hund sage, muss ich ausziehen!

Sport oder Faulenzen?
Faulenzen mit Buch

Liebesfilm oder Thriller?
Thriller, es sei denn: Casablanca, So wie wir waren oder Der Liebe verfallen. Hach!

Kino oder DVD?
Kino in 3D mit Freund/innen

DVDs mit Ehemann und dickem Kater auf dem Sofa, wobei der Kater schnarcht und versucht, mich vom Sofa zu drängeln.

Hier kannst Du Dich frei entfalten ;-)
Vielen Dank für das Interview – und die wunderbaren Leserunden. Ich freue mich, dass ihr euch für meine Bücher und für mich interessiert. Außerdem finde ich es klasse, dass ihr euch auf Lovelybooks gefunden habt.

Danke an meine Leserinnen, die ihr meine Bücher kauft und lest und rezensiert. Ich freue mich über Rückmeldungen und antworte, was manchmal etwas länger dauert – wegen der Arbeit, der Kater und des Schreibens, aber ich antworte.