Sonntag, 19. März 2017

Weiße Rosen und die Titanic







Erscheinungsdatum Erstausgabe : 18.03.2017 
ISBN: B06XMXQSJS 
E-Buch Text 316 Seiten 
Genre: Historischer Roman

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Berlin 1912: Die Schauspielerin Paula und Kostümbildnerin Luise verlieren urplötzlich ihre Anstellungen und die gemeinsame Wohnung, weil sie jemand in Verruf bringt. Dazu taucht noch ein gefälschter Schuldschein auf – ihnen bleibt nur die Fluch! Zum Glück hat Paula von einem amerikanischen Verehrer ein 1. Klasseticket für die Jungfernfahrt der Titanic bekommen. Außerdem schreibt er, dass Hollywood ständig neue Talente sucht. Wer könnte da schon widerstehen?!
So beginnt eine abenteuerliche Reise erst mit dem Zug bis zum Atlantik und dort auf die Titanic. Leider haben sie nicht mit Ferdinand von Fahlbusch gerechnet, Paulas hartnäckigem Verehrer und DEM großen Unbekannten, welcher ihr immer wieder Drohbriefe schickt ....

Das Buch liest sich angenehm flüssig, auch wenn der Stil der Autorin diesmal anders ist. Ich hab eine Weile gebraucht um dahinter zu kommen, woran es mich erinnert – an die alten Hollywood-Stummfilme! Dazu passt auch die manchmal etwas überspitzte Dramatik von Paula – man merkt ihr eben an, dass sie Schauspielerin ist, immer etwas drüber. Ansonsten sind sie und Luise herrlich bodenständig. Zwei Mädchen, die ihr Glück suchen und auch der großen Liebe nicht abgeneigt wären. Luise scheint diese bei dem Stewart Leonard gefunden zu haben – ist der Name evtl. eine witzige Anspielung auf Leonardo di Caprio ;-) ?!

Auch das Flair des Buches hat mir gut gefallen, bei der Beschreibung der Holzsitze im Zug tat mir aus lauter Sympathie gleich der Hintern weh. Die Titanic muss unglaublich beeindruckend gewesen sein – von innen und außen. Extrem groß, angeblich unsinkbar und selbst in der 3. Klasse für damalige Verhältnisse noch sehr luxuriös ausgestattet.
Ebenso interessant sind Menschen aller Herren Länder, Sprachen und Colour, welche bei der Jungfernfahrt dabei waren: „Als ob die Titanic eine Arche wäre. Von jedem Volk der Welt ein Paar.“ Die Angst der Passagiere, nicht nur das Schiff zu besteigen und damit übers Meer zu fahren, sondern damit oft auch ein völlig neues Leben zu beginnen, wird sehr eindrücklich geschildert. Nicht wenige hatten die Vorahnung, dass die Titanic nie in Amerika ankommen wird.
Zu dieser allgemeinen Angst kommt für Paula und Luise auch noch die vor ihrem unbekannten Drohbriefschreiber, welche ihnen anscheinend bis auf das Schiff gefolgt ist. Selbst das gewaltigste Schiff der Welt ist nicht groß genug, dass Du mir entkommen kannst.“ Was will er? Und vor allem warum?
Während Paula und Luise diesem Geheimnis immer näher kommen, trifft die Titanic auf den Eisberg. Es wird extrem emotional: der Unglauben, dass das Schiff wirklich sinken könnte; die Aufteilung der Passagiere auf die zu wenigen Rettungsboote; Paare, die sich nicht trennen wollen; Überlebende, die stundenlang im eiskalten Wasser ausharren und endlich sind die Rettungsschiffe in Sicht - wer wird am Ende überleben?

Die Autorin Christine Lind hat hier wieder einmal ein Buch geschaffen, das sehr einfühlsam die ganze Bandbreite der menschlichen Dramen umfasst – Chapeau!