Samstag, 1. April 2017

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands







          Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.03.2017 
          Verlag : Blanvalet Verlag 
          ISBN: 9783641195021 
          Fester Einband 352 Seiten 
          Genre: Roman

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Micheles Mutter hat die Familie verlassen, als er noch klein war. Ihr Verschwinden hat damals sein Weltbild zerstört. Inzwischen ist er 30 und lebt auf dem Bahnhof, dessen einzigen Zug er jede Nacht wartet. Die Fundstücke aus dem Zug bilden seine einzige Verbindung zu Außenwelt. Eines Tages stürmt Elena in sein Haus, weil auch sie etwas im Zug vergessen hat und bringt sein Leben durcheinander. „Elena war einfach nur die erste Frau, mit der er nach langen Jahren des Schweigens gesprochen hatte, die erste Person, die zu ihm ins Haus gekommen war und seine Isolation mit einem wahren Paukenschlag durchbrochen hatte.“ S. 31
Kurz darauf findet in seinem Zug sein Tagebuch, dass seine Mutter bei ihrem Weggang mitgenommen hat. Nachdem er sich die letzten Jahre im Bahnhof regelrecht versteckt hat, muss er diese Schutzhülle nun verlassen, wenn er sie wiederfinden will. Eine abenteuerlichen Reise quer durch Italien beginnt ...

Michele ist zu Beginn extrem introvertiert, lebt in seiner eigenen kleinen geschlossenen Welt. „Im Grunde war der Zug ein Teil seines Lebens, quasi eine Erweiterung seines Hauses.“ S. 125
Ausgerechnet dieser Zug, der so wichtig für ihn ist, bringt ihm die impulsive Elena, welche oft erst denkt und dann handelt. Sie verguckt sich sofort in ihn und will ihm um jeden Preis helfen, „überrollt“ ihn mit ihren Ideen und Gefühlen.
Natürlich weckt diese Begegnung beim Leser sofort die Erwartungshaltung, dass aus den beiden ein Paar wird. Aber Michele kreist nur um sich, will / kann Gefühle nicht zulassen – aus Angst, enttäuscht zu werden, und verprellt die Menschen um sich herum.
Auf seiner Reise erlebt er all das, was er die ganzen Jahre verpasst hat – und das war mir manchmal etwas zu viel auf einmal. Er lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen und nicht alle sind ihm wohlgesonnen. Aber jede Begegnung, ändert ihn. Er streift die alten Fesseln ab, wagt Neues und fühlt sich endlich als Mitglied der Gesellschaft, nicht mehr nur als Beobachter
Eine besonders geheimnisvolle Komponente erhält die Handlung durch Elenas Zwillingsschwester Milù - lange ist nicht klar, ob es sie wirklich gibt oder nur ihrer Fantasie entspringt.

Das Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück. Es ist poetisch und berührend, gespickt mit vielen Lebensweisheiten und liest sich wunderbar leicht – wenn man darüber hinweg sieht, dass es manchmal zu viele Zufälle braucht, damit die Geschichte rund wird und sie deswegen sehr phantastisch – fast wie ein modernes Märchen – wirkt.