Freitag, 28. April 2017

Heldenflucht

Spannung in der Nachkriegszeit


von Jan Kilman


Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 9783453438378

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Der erste Weltkrieg ist vorbei und das Land und seine Bewohner sind von den letzten Jahren stark gezeichnet. Viele wissen immer noch nicht, ob ihre Liebsten zurückkehren werden und Hunger und Armut sind leider für weite Teile der Bevölkerung Alltag.

Agnes Papen, die als Kriegsberichterstatterin gearbeitet hat, zieht vorrübergehend zurück in ihren Heimatort Kirchbach zu ihrem Onkel. Auch in dem kleinen, beschaulichen Eifeldorf ist die Lage nicht entspannt. Außer beim Ortsvorsteher sind Lebensmittel und sonstigen Vorräte knapp, viele Frauen müssen bis zum Umfallen arbeiten, da ihre Männer und Söhne noch nicht zurückgekehrt sind, und so sind Streitigkeiten und Neid regelrecht vorprogrammiert. Nur in einem Punkt sind sich fast alle umgehend einig: Der junge, stumme Soldat in französischer Uniform, der eines Tages im Dorf steht, wird am besten direkt am nächsten Baum gehängt.

Als es nach einem Übergriff dann auch noch zu einem tragischen Unfall kommt und rings um den Ort Menschen verschwinden, sind die Nerven zum Zerreißen gespannt. Wer steckt hinter alledem?

Der Autor Jan Kilman hat einen düsteren und spannenden Roman geschrieben, der seine Leser leicht in den Bann zieht. Seine Charaktere sind schnell vor meinem geistigen Auge erwacht und ich hatte stets ein genaues Bild nicht nur von ihnen, auch vom gesamten Ort im Kopf. Die Stimmung im Buch ist größtenteils düster, ein wenig geheimnisvoll und immer wieder herrscht eine bedrohliche Atmosphäre, die beinahe greifbar ist.

Auch wenn bereits der Prolog mit dem Fund einer Leiche beginnt, so war der Krimi für mich in diesem Roman eher nebensächlich. Es ging vielmehr um die Einzelschicksale der Charaktere und ihr miteinander in solch schwierigen Zeiten. Dennoch war es nicht langweilig. Der Fall ist gut konstruiert und wird am Ende logisch aufgeklärt. Wer genau liest, kann zwar schon früh einen Verdacht hinsichtlich des Täters haben, aber mich hat das in keiner Weise gestört.

Unterbrochen wird die Geschichte regelmäßig durch Feldpost, die gefallene Soldaten aus Kirchbach kurz vor ihrem Tod noch in die Heimat geschickt haben. Durch diese Briefe wird nochmals deutlich, wie hoch der Verlust einzelner Familien und die Wunden des gesamten Dorfes sind und welch große Diskrepanz teils zwischen der anfänglichen Kriegsbegeisterung und der Ernüchterung nach Kriegsende herrscht. Auf die Briefe folgt jeweils eine Seite mit einem Datum und einigen historischen Fakten zu diesem Tag. Dies ist zum einen für die geschichtliche Einordnung interessant und durchaus informativ, zum anderen erfährt der Leser aber auch genau, welcher Tag für die Protagonisten gerade ist.

Mein Fazit:  Mir hat die Aufmachung des Buches gut gefallen und auch wenn ich mir an einigen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, so war die Geschichte gut durchdacht und vor allem die Stimmung im Dorf war sehr gut eingefangen. Ein schöner Roman, der einen kurzen geschichtlichen Einblick in die Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges gibt und der mir einige spannende Lesestunden beschert hat.