Donnerstag, 15. Juni 2017

Lea und der Luchs

Spannend, warmherzig, toll


von Tanja Wenz


Taschenbuch: 236 Seiten
Verlag: Geest-Verlag
ISBN-13: 9783866855632
Genre: Jugendbuch

Zum Buch








Die 14-jährige Lea will für die Sommerferien nach Hause in die Northwest Territories von Kanada fliegen, wo ihr Vater als Ranger arbeitet. Doch das kleine Flugzeug gerät in ein Unwetter und plötzlich findet sich Lea ganz allein mitten in der Wildnis Kanadas wieder. Erstaunlicherweise hat sie das Flugzeugunglück ohne ernsthafte Verletzungen überstanden und wie durch ein Wunder hat sie auch ihren Rucksack dabei.

Da sie weiß, wie schwierig es sein wird sie zu finden, versucht sie auf eigene Faust ihren Weg nach Hause zu finden. Mit einem Minimum an Ausrüstung und nur wenigen Tafeln Schokolade im Gepäck begibt sie sich immer weiter in die Wildnis und hat vor allem ein Ziel vor Augen: nicht aufgeben! Die tägliche Nahrungsbeschaffung und die stets drohende Gefahr einem Berglöwen, einem Grizzly oder einem anderen Raubtier zu begegnen lassen sie die wilde Schönheit der Natur ringsum oftmals vergessen. Außerdem zerrt die Einsamkeit an ihren Nerven. Als Lea einem verletzten Luchs hilft, wird dieser zu ihrem stillen Begleiter. Doch wie lange kann sie allein in der Wildnis überleben?

Tanja Wenz hat ein warmherziges, optimistisches und vor allem auch spannendes Jugendbuch geschrieben. Lea ist eine wunderbare Protagonistin, die man sogleich ins Herz schließt. Sie ist mutig und hilfsbereit und schafft es trotz aller Schwierigkeiten und Ängste, sich selbst immer wieder zu motivieren. Die Einsamkeit und die vielen Dinge, die ihr durch den Kopf gehen, lassen sie erwachsener werden. Doch an ihren Gedanken merkt man, dass sie auch schon vor dem Absturz sehr reflektiert und reif war. Manchmal könnte man beinahe vergessen, wie jung Lea eigentlich noch ist. Trotzdem ist sie ein authentischer Charakter und ich finde es beeindruckend, wie ruhig und souverän sie mit der Situation umgeht.

Das Buch wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Lea und in der dritten Person aus Sicht der Suchtrupps erzählt. Dadurch erfährt man als Leser unheimlich viel von Leas Leben und ihrer Gedankenwelt und gleichzeitig weiß man, was Leas Vater und ihrer Freundin machen und wie es ihnen bei der Suche nach Lea ergeht. Vor allem die starke Verbundenheit und Freundschaft zwischen den Mädchen wird immer wieder gezeigt.

Die Beschreibungen der Natur und der Wildtiere sind wunderbar gelungen. Ich hatte alles direkt vor Augen und beim Auftauchen der Wölfe habe ich regelrecht mitgefiebert. Auch die Beschreibung des Luchses und die erste Begegnung zwischen Lea und ihm haben mir sehr gefallen. Vor allem, da klar ist, dass es sich immer noch um ein Wildtier handelt und sich der Luchs Lea nur genähert hat, da der Geruch nach Menschen für ihn durch ein früheres Erlebnis eine sichere und bequeme Futterquelle bedeutet.

Das Ende der Geschichte ist spannend und absolut stimmig. Es zeigt sich, dass die Zeit in der Wildnis nicht nur Lea hat wachsen lassen, die Suche nach ihr hat auch ihren Vater verändert und vermutlich ebenso ihre Freundin Sarah.

Mein Fazit: Tanja Wenz erzählt ein wunderbar warmherziges und fesselndes Abenteuer, dass trotz der beinahe ausweglosen Anfangssituation durchweg eine positive Stimmung erzeugt und das so ganz nebenbei auch so manches Wissen über Kanada und seine Tierwelt vermittelt. Ich bin begeistert und es wird sicher nicht mein letztes Buch dieser Autorin gewesen sein. Eine klare Leseempfehlung von mir.