Dienstag, 20. Juni 2017

Sommernachtsfunkeln

Märchen oder Albtraum?


von Beatrix Gurian


Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Arena (1. April 2017)
ISBN-13: 9783401603223
empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Genre: Jugendbuch/ Fantasy

Zum Buch







Nach einem schrecklichen Unfall, der sie für immer gezeichnet hat, will Kati nur noch weg von ihrem alten Leben und auch weg von Luke, mit dem sie schon ewig befreundet ist, und für den sie weit mehr als nur Freundschaft empfindet.

In Los Angeles, wo sie niemand kennt, nimmt sie eine Stelle als Au-pair an und versucht ihr altes Ich mit seinen Wünschen und Träumen hinter sich zu lassen. Als sie den attraktiven Jeff und seine Schwester Lucy kennenlernt nimmt ihr Leben eine neuerliche Wende und mit einem Mal scheint alles, was sie sich erträumt hat, wieder zum Greifen nah. Doch ist es wirklich wie im Märchen oder gibt es am Ende ein böses Erwachen?

„Sommernachtsfunkeln“ wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, von denen Katis aktuelle Gegenwart den größten Teil ausmacht. Doch in Rückblenden wird regelmäßig Katis Vergangenheit geschildert und nach und nach kommt ans Licht, was es für ein Unfall war, der ihr Leben so nachhaltig verändert hat, und wie es dazu kam. Zudem erfahren wir parallel zu Katis Erlebnissen, was gegenwärtig bei Luke geschieht und wie er Katis Verschwinden empfindet.

Kati ist eine Protagonistin, der ich etwas zwiegespalten gegenüberstehe. Dass sie das Gefühl hat, ihre Umgebung starre seit dem Unfall nur noch die große und schlecht verheilte Narbe auf ihrer Wange an, kann ich gerade bei einer 17-jährigen gut verstehen. Auch, dass sie glaubt so niemals eine Chance als Schauspielerin zu haben und daher ihre Pläne, sich an der Royal Shakespeare Academy zu bewerben, über Bord wirft, kann ich noch nachvollziehen, doch manches an ihrem Verhalten erscheint doch seltsam. Zum einen zitiert sie laut oder in Gedanken bei jeder Gelegenheit Shakespeare, was doch manches Mal eigenartig wirkt, selbst wenn ich Shakespeare und die Zitate an sich durchaus sehr mag. Zum anderen ist sie immer wieder dermaßen verträumt oder abgelenkt, dass sie nicht einmal merkt, wenn Leute sie ansprechen. Sicher, viele von uns kennen das auch, aber es passiert einem in der Regel nicht ständig. Darüber hinaus verhält sie sich ziemlich unbedarft und teilweise naiv was Jeff anbelangt. Es ist zwar klar, dass sie beeinflusst und manipuliert wird, doch ich hätte gerne gewusst, wieweit diese Manipulation reicht. So weiß ich nicht, ob ich - abgesehen von den Rückblenden - jemals die „wirkliche“ Kati kennengelernt habe.

Dennoch war es spannend ihre Geschichte zu erleben und nicht nur zu rätseln, was das wohl für ein Unfall war, als vielmehr auch zu versuchen die Geheimnisse hinter Jeff, seiner Schwester Lucy und der nicht weniger geheimnisvollen Bar „Lived“, die den beiden gehört, zu lüften. Und dann wäre da noch der etwas unheimliche Ezra. Gekleidet wie der Tod und offenbar Stammgast im Lived. Er hat sich durch seine Kommentare und teils auch versteckten Hinweise immer mehr zu meiner Lieblingsfigur entwickelt und nur zu gerne wüsste ich, was er selbst am Ende über all die Geschehnisse denkt.

Das Ende ging mir ein bisschen zu schnell und zu glatt und ich denke, mit einem etwas anderen
Ende, würde mir das Buch länger im Gedächtnis bleiben. Auch wenn ich nicht immer alles in Letzte Detail geklärt haben muss, hat es zudem ein, zwei Punkte gegeben, bei denen ich mir wünsche, es wäre noch auf sie eingegangen worden.

Den Epilog allerdings fand ich sehr gelungen und ein wenig kann er meine Enttäuschung über das rasche und völlig unspektakuläre Ende abmildern

Mein Fazit: Beatrix Gurian hat eine spannende Geschichte geschrieben, in der sich Realität und phantastische Elemente gekonnt vermischen. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, wer Jeff eigentlich ist und was das die Getränke in seiner Bar so besonders macht. Trotz der genannten Kritikpunkte, hatte ich Spaß dabei mitzurätseln, nach und nach die Geheimnisse zu erkunden und ein paar schöne Lesestunden in Katis Welt zu verbringen.