Freitag, 21. Juli 2017

Die Räuberbraut






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.07.2017
  • Verlag : ROWOHLT Wunderlich
  • ISBN: 9783805202930
  • Fester Einband 496 Seiten
  • Genre: Historischer Roman
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Wider die Räuberromantik

Julianes Leben ist hart und ärmlich, als sie Hannes Bückler, genannt Schinderhannes, kennenlernt. Ihr Vater ist Musikant in Wirtshäusern und seine Töchter müssen ihn seit frühester Kindheit an begleiten. Julianas ältere Schwester Margret singt und sie selbst spielt Geige. Aber die Familie kommt nur geradeso über die Runden und die Mädchen hoffen auf einen reichen Ehemann und ein ruhiges Leben. Das kann ihnen der Schinderhannes zwar nicht bieten, aber „Hauptsache weg aus ihrem engen Elternhaus, ihrem armseligen Dorf. Da war ein Leben in Freiheit allemal besser, auch wenn es noch so abenteuerlich war.“ (S. 60)

Hannes ist schmuck, ruhig, höflich, blitzgescheit und hält sich beim Trinken zurück. Deswegen findet Juliana ihn sofort sympathisch - sie ist halt recht jung, naiv und verliebt sich schnell in ihn. Leider sieht nur das Gute, dass er sie versorgen und die anderen zumindest manchmal von Gräueltaten abhalten kann. Die „Unfälle“ (Morde) redet sie sich schön. Juliana romantisiert ihn lange, himmelt ihn regelrecht an. Und doch ist es nicht das Leben, was sie sich erträumt hatte. Immer wieder müssen sie sich verstecken, sind unter falschen Namen auf der Flucht und überlegen genau, wem sie trauen können. 1,5 Jahre geht das so, dann werden sie gefasst. 18 Monate später wird er hingerichtet und sie verurteilt. Julianas Leben ohne ihre große Liebe scheint vorbei, noch bevor es richtig angefangen hat.
Aber in diesen 3 Jahren erlebt sie mehr, als andere in 20. Das Leben scheint ein einziges Fest zu sein, zumindest bis zum nächsten Absturz. Denn Hannes verändert sich. Er wird härter, entwickelt 2 Gesichter. Hannes verlegt sich recht schnell auf die Schutzgeld-Erpressung von Juden und ist dabei nicht zimperlich. Auch seine Mitstreiter beginnen ihn zu fürchten. Nur bei Julchen, seiner Prinzessin, bleibt er meist weich. Er scheint sie ehrlich zu lieben und hält an ihr fest.

„Die Räuberbraut“ ist Astrid Fritz neuer Roman über Juliana Blasius und Schinderhannes. Ich habe alle bisher erschienenen Romane von ihr gelesen und warte immer sehnsüchtig auf Nachschub.
„Die Räuberbraut“ konnte mich aber nicht vollständig überzeugen. Das Buch berührt mich irgendwie nicht. Hannes war mir zu unsympathisch, Juliana zu jung und verblendet. Mir fehlte hier irgendwie die Leichtigkeit, das Fabulieren was Astrid Fritz’ Romane bisher ausgezeichnet hat. Dazu kommt, dass ich weder die Orte noch Schinderhannes kannte und sie mir vielleicht deswegen nicht richtig vorstellen konnte. Außerdem fehlten mir genaue Zeitangaben - oft dachte ich, es sind Jahre vergangen, da waren es nur Wochen oder Monate.
Generell hatte ich das Gefühl, dass es mehr um Hannes als Juliana geht, was ich aber erwartet hatte. Man erfährt viel über die Räuber, wie sie sich organisiert haben, ihre Sprache, geheimen Zeichen und wie die Überfälle bzw. Erpressungen stattgefunden haben.
Fesselnder fand ich da den zweiten Erzählstrang, in welchem Juliana, inzwischen, 63, auf ihr Leben zurückblickt, ein Resümee zieht und endlich einsieht, dass eben nicht alles gut war, was damals passiert ist.

Trotz meiner Kritikpunkte ist das Buch wie immer hervorragend recherchiert und unterhält seine Leser gut. Man darf eben nur nicht mit der falschen Erwartungshaltung herangehen.