Donnerstag, 27. Juli 2017

Sakura - Die Vollkommenen

Nicht ganz überzeugend trotz toller Protagonistin

 
von Kim Kestner


Gebundene Ausgabe: 408 Seiten
Verlag: Arena (Juni 2017)
ISBN: 9783401603186 
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Genre: Jugendbuch/ Dystopie

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Juris Leben ist hart und es ist klar, dass sie irgendwann den täglichen Kampf ums Überleben nicht mehr gewinnen wird. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, denn Juri wohnt in der untersten aller Ebenen, mit der Aufgabe „Verwertung und Wiederaufbereitung“. Die anderen Ebenen wird sie wohl nie zu Gesicht bekommen, vor allem nicht diejenige an der Oberfläche, dort, wo tatsächlich die Sonne scheint.

Eines Tages ruft der Kaiser zur sogenannten „Blüte“ auf und einigen wird in Aussicht gestellt, ihre Ebene verlassen zu können. Juri ist nicht makellos genug, um ausgewählt zu werden, doch als Junge verkleidet schafft sie es, sich unter die Auserwählten zu schmuggeln. Doch ist es das Risiko wert? Das unbarmherzige Auswahlverfahren verlangt Juri einiges ab und dann schafft sie es auch noch, den Sohn des Kaisers auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Chancen, jemals die dunklen Höhlen zu verlassen und an die Oberfläche zu kommen, scheinen sehr gering…

Kim Kestners dystopisches Jugendbuch nimmt uns mit in eine düstere Welt, die vor allem in den unteren Ebenen den Bewohnern kaum einen Hoffnungsschimmer auf eine bessere Zukunft bietet. Wie üblich in solchen Romanen gibt es eine sehr starre gesellschaftliche Hierarchie, bei der die Bessergestellten mit aller Härte durchgreifen, damit es auch so bleibt. Dennoch scheint sich mit einem Male ein Ausweg zu bieten: die Blüte. Wieso der Kaiser ein solches Auswahlverfahren ersonnen hat, zeigt sich erst nach und nach, und niemand weiß, was die Kandidaten erwartet. Dennoch kommt es vor allem für Fans dieses Genres nicht überraschend, dass Juri und die anderen erst einmal eine Reihe harter und zum Teil grausamer Prüfungen bestehen müssen, um die Chance auf ein Leben and er Oberfläche zu wahren.

Leider muss ich sagen, dass ich mir sowohl von den Prüfungen als auch von der Entwicklung der Geschichte etwas mehr erhofft hatte. Trotz mancher Dramatik werden die Prüfungen für mich zu schnell abgehakt und es fiel mir schwer am Schicksal der Probanden teilzunehmen. Im Gegensatz zu Juri bedienen die übrigen Teilnehmer, die wir näher kennenlernen, in erster Linie Klischees: der Intelligente, der Einfühlsame, der Fiesling usw. Neben Juri wirkten sie vielfach blass und waren für mich daher nicht wirklich greifbar. Für mich hätten sie stärker herausgearbeitet werden müssen, auch wenn der Fokus auf Juri liegt.

Juri selbst hingegen war eine positive Überraschung. Sie ist keine Schönheit und sie kann weder lesen noch schreiben. Damit hebt sie sich wohltuend von vielen anderen Protagonisten in ähnlichen Büchern ab. Ihr Verhalten und ihre Entwicklung haben mir gefallen, ebenso wie die Tatsache, dass es Kim Kestner gelingt aus ihr nicht die Überfliegerin zu machen, der sich nur eine Chance bieten musste, damit sie alle überflügeln konnte. Juri hat ihre Schwächen und ist auch am Ende alles andere als perfekt.

Der Schreibstil war flüssig und leicht zu lesen und die Anleihen aus der japanischen Kultur haben mir gut gefallen. Gerne hätten es für mich auch noch ein paar mehr sein können.

Mein Fazit: „Sakura – die Vollkommenen“ ist eine Dystopie, die einem bekannten Schema folgt, spannend ist, aber sich nicht wirklich von anderen Büchern dieses Genres absetzen kann, obwohl Kim Kestner mit Juri eine ungewöhnliche Protagonistin ersonnen hat. Leider konnten die übrigen Charaktere und die das Auswahlverfahren als solches für mich nicht mit der starken Juri mithalten, so dass mich das Buch insgesamt nicht ganz überzeugen konnte