Dienstag, 9. Januar 2018

So frei bin ich nur in hier - Mein zweites Leben in Afrika

Interessante Einblicke in Deenas Leben


von Deena (Sabrina Herr)


Klappbroschur: 240 Seiten
Verlag: Benevento (November 2017)
ISBN: 9783710900259
Genre: Autobiographie











Als Sabrina Herr nach dem Abitur für ein freiwilliges soziales Jahr nach Ruanda fliegt, hätte sie niemals erwartet, in welcher Weise dieses Jahr ihr Leben umkrempeln wird. Die Arbeit in einem Projekt für Straßenkinder und die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der sie in Ostafrika aufgenommen wurde, haben sie nachhaltig beeindruckt. Doch eine Reise nach Uganda bietet ihr eine unglaubliche Chance. Als sie in einer Bar zum Spaß ein Lied auf Kiswahili singt, wird Faizel Bashir von Ruff ´n´ Tuff Records auf sie aufmerksam. Inzwischen ist Sabrina in Popstar in Uganda, das von Faizel für sie geschriebene Mumulete – in der Landessprache Luganda – machte sie quasi über Nacht zum Star. Unter dem Künstlernamen Deena singt Sabrina auch weiterhin in ostafrikanischer Landessprache und füllt Stadien mit mehreren 10.000 Leuten.

Als ich vom Benevento Verlag ein Rezensionsexemplar zugesendet bekam, hatte ich nur einen vagen Gedanken im Kopf, dass ich irgendwann mal etwas von einer deutschen Sängerin gehört hatte, die in Afrika berühmt ist. Entsprechend neugierig und ohne vorab nach ihr zu googeln, habe ich Deenas Buch „So frei bin ich nur hier - Mein zweites Leben in Afrika“ begonnen.

Gerade noch hat sie ihr Abitur gefeiert, wenige Wochen später ist sie in Ruanda und fühlt sich von Beginn an unglaublich wohl. Schnell merkt sie, dass ihr westeuropäisch geprägtes Denken und ihre Art Dinge angehen zu wollen, zwar gut gemeint, aber für ihre Arbeit in Ruanda nicht immer hilfreich sind. Offen geht sie auf die Menschen zu, versucht aktiv die Landessprache zu lernen und wird schnell Teil ihrer neuen Welt.

Musik hat sie schon immer gemacht und auch im Kinderheim freuen sich die Kinder, wenn sie mit ihnen singt oder versucht, ihnen das Gitarrespielen beizubringen. Bühnen und Auftritte hat sie schon in Deutschland in verschieden Projekten geliebt und so bedarf es auch bei ihrer Reise nach Kampala wenig Überredungskunst, um sie für zwei, drei Lieder auf die Bühne einer Bar zu locken. Was danach geschieht, liest sich teilweise wie ein Märchen. Ein Star über Nacht. Doch so sehr Sabrina auch ihr Leben als Deena liebt, der plötzliche Erfolg bringt auch Schattenseiten mit, über die sie auch in ihrem Buch nicht schweigt.

Der Stil ist sehr persönlich. Deena lässt uns teilhaben an ihren Gedanken und Befürchtungen und schildert verschiedene Stationen aus ihrem Leben in Afrika. Vor allem ein Punkt, der ihr sehr wichtig ist, wird immer wieder deutlich: so weit entfernt Ostafrika für uns auch scheint, viele Dinge sind dort gar nicht so anders als hier. Statt immer nur die Unterschiede und das Schlechte zu suchen, plädiert Deena eindrucksvoll dafür, auf die Gemeinsamkeiten zu schauen und so auch gedankliche Grenzen zu überwinden und nicht noch zu verstärken.

Inzwischen habe ich im Internet auch nach Deena gesucht, in ihre Lieder hineingehört und zwei kurze Interviews mit ihr gesehen. Ob man ihre Musik nun mag oder nicht, ihre Geschichte ist spannend und sie selbst eine sehr interessante Persönlichkeit.

Mein Fazit: Auch ohne ein Fan von ihr zu sein, ist Deenas Buch interessant zu lesen und neben ihrer Liebe zur Musik, wird in ihrem Buch vor allem auch ihre Liebe zu Ostafrika und zu den Menschen dort deutlich. Sollte es mich jemals nach Uganda verschlagen, hoffe ich, dass es Mama Jamilah und ihr Restaurant noch gibt, denn so, wie Deena von ihr schreibt, müsste das einfach eine Station sein.