Freitag, 4. Dezember 2015

Das Geheimnis des unendlichen Raums





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 08.09.2015
  • Aktuelle Ausgabe : 08.09.2015
  • Verlag : Verlag Herder
  • ISBN: 9783451068607
  • Flexibler Einband 288 Seiten 







Im Jahre 1543 begleitet der junge Benedektiner Mönch Alanus von Buchholz den langjährigen Abgesandten der Heiligen Inquisition Tolosani nach Fraunberg zu Kopernikus der dort Domherr ist, um diesem bei der Prüfung von dem vor der Veröffentlichung stehenden Lebenswerkes von Kopernikus zu helfen. Auf Grund seiner fundierten Kenntnisse der Astronomie und Mathematik soll er Tolosani bei der Einschätzung der Gefährlichkeit Kopernikus Thesen für das vorherrschende erdzentrierte Weltbild und dessen Verständnis zur Seite stehen. Doch als sie bei Kopernikus an der Ostsee eintreffen, hat dieser bereits einen schweren Schlaganfall erlitten und ist nicht mehr ansprechbar. Kopernikus Schüler hat das Werk bereits zur Veröffentlichung ins protestantische Nürnberg geschickt.
Die 2 Mönche machen sich erneut auf die Reise. Als sie in Nürnberg eintreffen, ist das Manusskript des Kopernikus bereits 200 fach gedruckt worden. Nachts wird es gestohlen, die Drucke bleiben jedoch, der Druckereigehilfe wird ermordet, kann jedoch noch 3 geheimnisvolle Zeichen in sein Blut malen und der Magd der ihn findenden Fuggerstochter Julia mitteilen, daß ihn ein Mönch in brauner Kutte ermordet habe.
Der ermittelnde junge Bürgermeister Leitner fackelt nicht lang und will sofort die einflussreiche Kaufmannstochter Julia Fugger und den gelehrten jungen Mönch Alanus festnehmen lassen. Julia behält einen klaren Kopf und flieht mit Alanus, um ihre Unschuld zu beweisen.
Eine spannende Mordermittlung voller verwirrender Intrigen beginnt, die geschickt Einblick in die damaligen Erkenntnisse der Astronomie und Mathematik gewährt. In die Spaltung der christlichen Kirche durch Martin Luther, die Furcht der Kirche vor schwarzer Magie, Judenverfolgung,das Handelimperium der Fugger, die Bedeutung des protestantischen Nürnberg als Zentrum der Handwerkskunst und damals noch Sitz des Reichstags.
Dabei faszinieren die tiefgründigen Gedanken zur Stellung der Menschen im Weltall, ebenso wie die vordergründige Krimihandlung. Diese kommt ohne große Hexenverbrennungen, Folter und Gewaltexzesse aus, und stellt dennoch klar, daß dies auch nach dem Ende des Mittelalters noch immer gängige Praxis ist. Faszinierend fand ich auch, daß Kopernikus ein tiefgläubiger Mensch war, der die Kirche nicht stürzen wollte, jedoch seine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse den Menschen auch nicht vorenthalten wollte, es ging ihm um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Wissenschaft.
Alanus und Julia bleiben sich natürlich nicht gleichgültig, es ist jedoch kein schmachtender Liebesroman, sondern ein wirklich sehr ausgewogener Roman, zwischen Geschichte, Wissenschaft, Krimi und ein wenig Liebe. Alle Romanfiguren bis in die kleinste Nebenrolle sind durchdacht ausgearbeitet und geben Anlass zum Grübeln und Verdächtigen. Dennoch kommt dieses vielschichtig Buch mit knappen 288 Seiten aus und ist niemals langatmig oder ausschweifend.
Abgerundet wird dieses wunderbare Buch durch eine wirklich hilfreiche Einleitung und ein fundiertes und gut recherchiertes Nachwort. Denn am Schluß will der Leser natürlich wissen, was war und was ist nur Fiktion.
Was mir zudem auch ausgesprochen gut gefallen hat. Am Ende des Buches werden die übrigen Bücher des Autors vorgestellt. Und siehe da. auch wenn dieses Buch in sich abgeschlossen ist, so gibt es doch auch einen Vorgängerband! Und bald ist ja Weihnachten......
Na, wenn das kein Grund für klare 5 von 5 Sternen sind!