„Ellen, bitte. Das sind deine Andenken, nicht meine.“ (S. 12) Nach dem Unfalltod ihres Freundes Nioklas hilft Rosa dessen Mutter beim Organisieren der Beerdigung und Auflösen der Wohnung. Sie fühlt sich dazu verpflichtet, obwohl sie nur 3 Monate mit Nikolas zusammen war und nicht einmal seine Freunde kannte. Rosa weiß nicht, wie sie mit dem Verlust umgehen soll. Sie möchte mehr über Niklas erfahren und beginnt, seinen Freunde zu kontaktieren. Wer und wie war Nikolas wirklich abseits der Version, die er ihr gezeigt hat?
Hasi: Obwohl der Hintergund traurig ist, fand ich den Einstieg ins Buch ganz unterhaltsam, mit Ellens Versuchen, Nikolas' Sachen bei Rosa unterzubringen und deren nicht immer erfolgreicher Weigerung. Ich mochte auch die Rückblicke zu Rosas und Nikolas Kennenlernen, das Flirten auf der Treppe etc. Aber an Rosas Stelle wäre ich wahrscheinlich nicht mit ihm zusammengekommen, weil sich Ellen ja von Beginn an eingemischt hat. Oder wie siehst Du das, Patno?
Patno: Oh ja, Ellen ist ganz klar vom Typus „Schwiegermonster“. Ich hätte vermutlich schon bei der Szene mit dem Schaumlöffel Reißaus genommen. Sie hat ein einnehmendes Wesen und ist eine echte Nervensäge. Timothy Paul zeichnet sie facettenreich, sodass ich sie mir bildlich vorstellen konnte. Das Kennenlernen zwischen Rosa und Nikolas fand ich auch witzig. Ich mag diese schlagfertigen Dialoge. Bei den Rückblicken spürt man schon, dass Nikolas voller Geheimnisse steckt. Und Rosa kann sich glücklich schätzen, dass sie so tolle Freundinnen wie Steffi hat, mit denen sie sich über ihre Gefühle und Gedanken austauschen kann.
Hasi: Steffi warnt sie ja auch immer vor Ellen - leider erfolglos. Und sie stellt Nikolas zur Rede, als sie ihn beim Lügen erwischt, aber er ist eben sehr charmant und nie um eine Ausreden / Erklärung verlegen.
Patno: Aber Hasi der heimliche Star der Geschichte ist doch „Dickeskind“. Meine Lieblingsszene im Buch ist der Tag, den Rosa mit ihr verbringt. So schön geschrieben. Interessant fand ich auch, dass der Autor seine Erfahrungen als Lektor und sein Wissen über die Buchbranche mit einfließen lässt, doch ich gestehen, dass diese vielen Nebenhandlungen zwischendurch meinen Lesefluss etwas lähmten. Für meinen persönlichen Geschmack wäre etwas weniger mehr gewesen.
Hasi: Dickeskind ist der Hit. Dass muss man als Autor erst mal hinbekommen, über 200 Seiten geheimzuhalten, welches Geschlecht (oder sagt man heutzutage Pronomen?) ein Protagonist hat. Ganz großes Kino und auch sehr bildlich mit der stürmischen Art und der alles verdeckenden Frisur. Ich dachte übrigens erst, dass es deutlich jünger ist. Ging Dir das auch so?
Wie Du schon sagst, die Einblicke ins Lektoratsleben waren ganz interessant, aber trugen kaum zur Handlung bei. Spannend wurde es ja erst, als zwei ihrer Autoren querschossen.
Apropos, hast Du eigentlich verstanden, warum Rosas so sehr an ihrem Aussehen gezweifelt hat?
Patno: Um ehrlich zu sein, habe ich Rosa dahingehend ganz gut verstanden. Ich hatte auch mal einen Freund, der wahnsinnig gut aussah, so einTyp, wo du denkst, dass du ihn nie für dich alleine hast. Neben ihm habe ich mich immer wie eine graue Maus gefühlt. Aber sag mal, wie fandest du Rosas Familie. Ihre Schwester mochte ich sehr, aber ihre Mutter war so gar nicht meins. Aber sag mal, mit Niklolas Vater, das war doch auch ein Ding, oder?
Hasi: Rosas Eltern waren wirklich etwas eigenartig. Seit ca. 20 Jahren geschieden, aber noch immer durch eine Hassliebe verbunden. Dann das vorgezogene Weihnachten an einem neutralen Ort, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Fehlt nur noch, dass ein neuer Partner die Veranstaltung stürmt und alles in einer wüsten Schlägerei endet. Und dann reden sie ihr auch noch ein, dass Nikolas wirklich zu schön für sie ist. Da hätte ich schreien können!
Niklolas Vater hat wirklich für eine Überraschung gesorgt und noch mal eine sehr emotionale Komponente und langgehütete Geheimnisse reingebracht - in der Beziehung kam Nikolas anscheinend ganz nach ihm.
Für uns war dieser Roman besonders, denn wir haben Timothy Paul persönlich auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt.
Insgesamt haben wir uns gut mit Rosa, Nikolas & Co unterhalten.
Ein herzerwärmende Geschichte, die trotz der dramatischen Geschehnisse mit Charme, Witz und tollen Charakteren überzeugt.
Und falls wir Euch jetzt neugierig gemacht haben, schaut gern auf Instagram vorbei, da könnt Ihr ein Exemplar des Buches gewinnen.

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