Dienstag, 11. Oktober 2016

Tod am Nord-Ostsee-Kanal







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 22.09.2016
  • Verlag : Emons Verlag
  • ISBN: 9783954519781
  • Flexibler Einband 256 Seiten
  • Genre: Krimi

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1894: Hauke lebt und arbeitet als Kriminalhilfssergant in Kiel. Er hofft, bald eine Festanstellung als Kommissar zu erhalten. Dann könnte er Sophie-Louise Struwe endlich einen Heiratsantrag machen. Sie kennen sich von seinem ersten Fall. Sophie ist sein Anker, hilft ihm, wenn ihn die Schatten seiner Vergangenheit wieder einmal einholen. Denn der Untergang seines Schiffes vor Jahren, den er als Einziger überlebte, quält ihn noch immer.

Es ist unruhig im Land, die Arbeiter sind mit ihrer Situation unzufrieden, die Sozialisten auf dem Vormarsch. Auch auf der größten Baustelle des Landes, dem Nord-Ostsee-Kanal, kriselt es. Die Arbeiter müssen 14 Stunden unter schwersten Bedingungen schuften, immer wieder kommt es zu Unfällen – oft mit Todesfolge. Als jetzt ausgerechnet der dänische Ingenieur Strasser ums Leben kommt will man politische Verwicklungen vermeiden und schickt Hauke, um den Fall zu untersuchen.
Für Hauke ist es eine Gratwanderung zwischen Pflichtgefühl und Privatleben. Sein Chef geht über Leichen und macht ihm unmissverständlich klar, dass Strassers Tod als Unfall zu protokollieren ist. Doch Hauke sieht das anders und versucht engagiert den Dingen auf den Grund zu gehen. Neue Ermittlungsmethoden wie die Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren) und Mikroskope interessieren ihn. Unter Anwendung dieser Verfahren und durch pathologische Untersuchungen erkennt Hauke schnell, dass es sich hier um einen Mord handelt. Während seiner Ermittlungen kommt es zu weiteren Unfällen, alles sieht nach Sabotage aus. Und immer wieder führen die Spuren zu einem Unbekannten, der Hauke schon in Kiel aufgefallen ist, und zum Unternehmer Jennings und seinen Töchtern. Jennings ist für den Bauabschnitt zuständig, Strasser war sein Angestellter und bei den Arbeitern nicht beliebt, wird auch nach seinem Tod als Schinder beschimpft. Verdächtige gibt es viele ...

„Tod am Nord-Ostsee-Kanal“ ist der zweite Teil er historischen Krimireihe um den ehemaligen Kapitän Hauke Sötje. Der erste Teil erschien bereits 2012 unter dem Titel „Fortunas Schatten“ im Dryas Verlag. Beide Bücher habe ich jeweils an nur einem Tag verschlungen!
Anja Marschall verwebt hier reale historische Ereignisse mit einem extrem spannenden Kriminalfall. Hauke muss sich beeilen, er ahnt, dass alles auf ein großes Finale hinausläuft. Also liefert sich eine erbitterte Jagd mit seinen unbekannten Gegnern. Es hat unheimlichen Spaß gemacht, mit ihm zusammen die Fakten zu wälzen und zu grübeln, wer dahinter steckt. Je weiter der Bau vorangeht, desto weniger Zeit bleibt ihm. Man kann die Anspannung förmlich mit den Händen greifen.
Auch das Setting des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die aufgeheizte Stimmung der Arbeiter, der Dreck und Schlamm auf der Baustelle, die Unwirtlichkeiten des Wetters und der ständige Druck durch die Vorarbeiter werden sehr bildlich dargestellt, machten es extrem lebendig.

Besonders interessant sind auch die Auszüge aus der Kanalzeitung von 1894, welche den Kapiteln des Buches vorangestellt sind. Sie liefern noch bessere Einblicke in die Arbeiten am Kanal und Bedingungen zur damaligen Zeit.
Ergänzt wird das Buch durch historische Karten, Brückenansichten und Hintergründe zur Kriminalpolizei.

„Tod am Nord-Ostsee-Kanal“ hat meinen Lesegeschmack voll getroffen: ein spannender Krimi mit historischen Bezügen, der mit interessanten Wendungen und falschen Fährten überzeugen konnte! Ich hoffe, dass es ein weiteres Buch mit Hauke geben wird und das nicht erst in 4 Jahren?!