Freitag, 18. November 2016

Phillips letztes Geschenk – von Christiane Lind



Buch als Adventskalender:

Gefühlvolle Geschichte über Trauer und ein Katerchen

Genre: Roman
Autor: Christiane Lind
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 08.11.2016
Verlag : Amazon Publishing
ISBN: 9781503997493
Format: Taschenbuch
Umfang: 186 Seiten
Sprache: Deutsch

Mit „Phillips letztes Geschenk“ beschert Christiane Lind den gefühlvollen Leseratten unter uns einen Adventskalender der anderen Art; denn dieses tief berührende Buch ist in 24 überschaubare Kapitel von sechs bis acht Seiten gegliedert. Also tatsächlich ideal, um im Advent, jeden Abend vor dem zu Bett gehen, ein Kapitel zu lesen. Allerdings weise ich mit einem Augenzwinkern auf die Gefahr hin, dass dieser „Adventskalender“ bereits vor dem 24. Dezember geplündert sein könnte ;o)

Zum Inhalt: Phillip weiß bereits seit einiger Zeit, von seiner unheilbaren Erkrankung. Als sein Ende abzusehen ist, besorgt er gemeinsam mit seiner besten Freundin Anka ein Katzenbaby aus den Händen der Tierschützerin Tanja. Diese soll sein letztes Geschenk für seine zurückbleibende junge Frau Carolin sein. Anka ist von diesem Plan jedoch wenig überzeugt, sieht sie in Carolin eher eine introvertierte Frau, ohne besondere Zuneigung zu Tieren. Phillip aber möchte, dass die Verantwortung für das Tierchen Carolin nicht nur aus ihrer Trauer zurück ins Leben , sondern auch zu neuen Kontakten führen soll. Daher wählt er das Katerchen mit Bedacht aus und nimmt ausgerechnet das am schwersten vermittelbare Jungtier. Dieses Tier soll seine Frau aber erst eine Weile nach seinem Ableben bekommen.
Zunächst scheint Anka Recht zu behalten, denn die scheue, zurückgezogen lebende Carolin reagiert eher verhalten auf das Katerchen. Aber wie könnte sie sich Phillips letztem Willen widersetzen? Unter Vorbehalten nimmt sie das Katzenjunge vorläufig bei sich auf. Doch dieses bringt Carolins Leben ganz schön ins Durcheinander. Selbst die Nachbarschaft, zu der Carolin keinen weiteren Bezug hat, bringt das kleine Pfotentierchen auf seinen Erkundungstouren auf Trab. Wohl oder übel muss Carolin mit ihren Nachbarn sprechen und so scheint Phillips Plan langsam aufzugehen, denn der kleine Racker bringt die Menschen einander näher und schleicht sich in Carolins Herz.
Trotz dieser bis hierhin teilweise voraussehbaren Geschichte, kommt so manche Überraschung zu Tage und ausgerechnet in der Adventszeit erwartet Carolin ein schwerer Schock. Der Kater verschwindet plötzlich spurlos und alles Suchen ist umsonst. So wird die Leid geprüfte Carolin auf eine harte Probe gestellt :...

Die Protagonistin Carolin ist auf den ersten Blick kein Mensch, den man sofort in sein Herz schließen möchte. Sie scheint der absolute Gegensatz zum aufgeschlossenen Phillip und seiner besten Freundin Anka zu sein. Carolin wirkt abweisend, spröde und introvertiert. Ebenso wenig laden die unverblümte Nachbarin Frau Bauernkamp und der unscheinbare Nachbar Herr Rebbach auf Anhieb dazu ein, Freundschaftsbande zu knüpfen. Die drei ebenfalls im Haus wohnenden Studentinnen erscheinen eher durchschnittlich. Dagegen kommt die Tierschützerin Tanja gleich von Beginn an sehr patent herüber. Für mich macht gerade diese Ansammlung verschiedener Charaktere die Geschichte authentisch und lebensnah und verdeutlicht wieder einmal, dass man sich jeden Menschen genau anschauen sollte, bevor man vorschnelle Urteile fällt. Außerdem entwickelt sich so mancher Charakter, wenn er die Chance bekommt.

Diese anrührende Geschichte ließ mich Schmerz, Verlust und Angst spüren. Aber auch Freude, Hoffnung und Spaß. Und immer wenn die Geschichte drohte in kitschig Schnulzige abzugleiten, verstand Christiane Lind es, sie in unerwartete Richtungen zu lenken. Und in der Vorweihnachtszeit darf es ja auch mal ein wenig rührselig werden!

Fazit:
Schöne, traurige aber auch hoffnungsstiftende Geschichte um Trauer, Verlust und Neubeginn – ohne zu vergessen -, die mit ihren 24 Kapiteln die ideale Adventslektüre ist. Wer noch eine Idee für einen Adventskalender sucht, hat sie hier gefunden. Man kann die Geschichte aber auch durchaus außerhalb der Adventszeit lesen.