Dienstag, 13. Dezember 2016

Die verschwundenen Kinder Harus

Ungewöhnliche Fantasy


von den Gebrüdern Perera


Taschenbuch: 344 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN-13: 978-1537452753
Genre: Fantasy

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Mauders Suche nach seinem Bruder führt ihn in die Stadt Haru. Auf den ersten Blick eine normale Stadt, doch schon bald offenbart sich Mauder ein Netz von Intrigen, Machtgier und kaum verhohlener Feindschaft und Misstrauen. Besonders der Waisenjunge Grehl hat unter dem Misstrauen zu leiden, da viele glauben, er bringe Unglück und habe womöglich auch etwas mit den Kindern zu tun, die vor etlichen Jahren unter seltsamen Umständen verschwanden.

Während Mauder versucht die Dinge zu verstehen, nimmt er Grehl unter seine Fittiche und freundet sich nach und nach mit ihm an. Doch das, was er durch Grehl erfährt und selbst beobachtet, lässt ihn Böses ahnen. Gibt es überhaupt eine Chance, dass Haru wieder eine offene und freundliche Stadt wird? Und was ist mit seinem Bruder geschehen.

In ihrem Erstlingswerk entwerfen die Brüder Perera eine detaillierte Welt, die auf den ersten Blick nicht gerade einladend aussieht. Bereits der Prolog gibt eine Ahnung von dem, was kommen mag: er ist ein bisschen düster, beinahe bedrohlich und vor allem das Gefühl drohenden Unheils scheint über allem zu liegen. Die Umgebung wurde sehr bildhaft beschrieben und ich hatte fast das Gefühl selbst dort zu sein.

Neben Prolog und Epilog ist das Buch in fünf Akte eingeteilt. Im ersten lernen wir gemeinsam mit Mauder Haru und einen Teil seiner Bewohner kennen. Es gibt sehr viele Informationen und auch wenn ich mir nicht direkt alle merken konnte, so war es doch ein guter erster Eindruck, ähnlich wie dem, wenn man selbst in eine unbekannte Stadt kommt. Manches nimmt man zwar wahr, aber erst nach und nach kann man das Gesehene einordnen.

Mauder war mir von Beginn an sympathisch, was man bei weitem nicht von allen Bewohnern Harus behaupten kann. Vor allem der gierige und machthungrige Priester Pedros ist ein Charakter, der zwar spannend ist, den aber wohl kaum jemand leiden kann. Doch ob sympathisch oder nicht, von vielen der auftretenden Bewohnern Harus hatte ich gleich ein genaues Bild vor Augen. Die Beschreibungen ließen die Figuren sogleich lebendig werden. Auch das Volk der Dokkalfar würde ich nun jederzeit erkennen, sollte mir mal einer von ihnen über den Weg laufen. Schade, dass sie gegen Ende des Buches gar nicht mehr aufgetaucht sind, doch ich hoffe auf den nächsten Teil.

Generell gibt es viele Figuren, die nur kurz auftauchen oder Dinge, die mal eben angeschnitten werden, doch der Hintergrund bleibt oft im Dunkeln. Sicher muss nicht immer alles direkt in epischer Breite erklärt werden, aber an manchen Stellen hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, da so einiges bis zum Ende hin zusammenhanglos blieb und ich mich gefragt habe, was diese Szenen nun sollten. Die einzelnen Puzzleteile fügen sich stellenweise nichtmal ansatzweise zusammen. Bei einem Mehrteiler zwar nicht ungewöhnlich, allerdings gibt es hier für meinen Geschmack dennoch zu viele lose Enden.

So wirft auch der Epilog viele Fragen auf und bringt nochmal eine Reihe neuer Charaktere. Jedoch verspricht er auch viel Spannung und macht zumindest mich neugierig auf den nächsten Teil.

Definitiv erwähnen möchte ich noch, dass sich die Autoren etwas ganz Besonderes haben einfallen lassen. Zu ihrem Buch gibt es eine Playlist, so dass man die ganze Geschichte auch mit der passenden Begleitmusik lesen kann. Die entsprechenden Links zu Youtube werden jeweils zu Beginn der Kapitel angegeben. Ich habe es stellenweise ausprobiert und finde die Auswahl gut gelungen, da sie die vorherrschende Atmosphäre gut unterstreicht. Allerdings finde ich die Umsetzung dennoch in dem Sinne schwierig, als dass ich zum Beispiel auch immer wieder dort lese, wo es einfach nicht praktikabel oder sehr unpraktisch ist, nebenbei Musik zu hören.

Mein Fazit: Ein etwas anderer Fantasyroman, dar mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und einer sehr bildhaften Sprache besticht. Ich habe lange wegen der Bewertung überlegt. 3 Sterne finde ich zu wenig, 4 zu viel, da für meinen Geschmack selbst mit der Aussicht auf weitere Bände zu vieles angeschnitten wurde, dass in diesem Teil noch keine Bewandtnis hat und daher bei mir mehr für Verwirrung als für Spannung gesorgt hat. Trotzdem werde ich ganz sicher nach dem nächsten Teil Ausschau halten, daher 3,5 Sterne von mir.