Samstag, 4. März 2017

Schwert und Krone - Meister der Täuschung







Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.03.2017 
Verlag : Knaur 
ISBN: 9783426654125 
Fester Einband 592 Seiten  
Genre: Historischer Roman
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Wenn Geschichte lebendig wird

1137: Kaiser Lothar ist tot, kurz zuvor hat er – gegen das herrschende Prinzip der freien Königswahl – seinen Schwiegersohn Heinrich den Stolzen als seinen Nachfolger bestimmt. Aber nicht nur der Erzbischof von Trier, Alberto von Montreuil, möchte stattdessen lieber Konrad von Staufen auf dem Thron sehen. Gelingen kann dies aber nur mit einem Trick, zu dem Konrad erst überredet werden muss. Wer herrschen will, der muss es auch wirklich wollen – und zwar wollen um jeden Preis. (S. 27) Denn Lothars einflussreiche Witwe Richenza will ihrem Schwiegersohn den Thron unbedingt erhalten ...

„Schwert und Krone - Meister der Täuschung“ ist der Auftakt der neuen Saga von Sabine Ebert rund um die Barbarossa-Ära. Im vorliegenden Band geht es um die Jahre 1137 bis 1147 – in diesen 10 Jahren ändert sich für die Beteiligten zum Teil ihre ganze Welt.
Sabine Ebert hat sich wieder neu erfunden: Die Geschichte wird erstmals aus den verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichsten Protagonisten erzählt. Wir erleben durch sie politische Ränkespiele, Machtwechsel und Kriege, Allianzen und Verschwörungen. Außerdem werden damit die verschiedensten Lebensumstände geschildert. Frauen waren machtlos, wenn sie nicht gerade die Witwe des Kaisers, Mutter des Königs oder Äbtissin waren.  Oft wurden sie nur als Spielball ihres (natürlich männlichen) Vormunds gesehen, ohne eigenen Willen und schon als Kindsbräute verschachert.
Aber auch die Herrscher waren nur Menschen (z.B. beschwert sich Albrecht über die drückende Krone – sie soll ihn an die Schwere des Amtes erinnern), geprägt von Selbstzweifeln, Angst vor der Kirche und ewigen Verdammnis - jedes Wort, jedes Bündnis muss gut überlegt werden. Wer ist gerade Feind, wer Freund? Man konnte nie wirklich sicher sein.

Eine weitere Besonderheit des Buches ist, dass es ca. 90 % der Protagonisten wirklich gab und die Ereignisse so oder ganz ähnlich stattgefunden haben.
Mir als Dresdnerin haben es da natürlich die Szenen rund um den Meißner Markgrafen Konrad von Wettin angetan, der einerseits familiär mit Lothars Witwe Richenza verbunden ist, aber andererseits seinem rechtmäßig gewählten König Konrad von Staufen Treue schwören musste. Er wandert auf einem schmalen Grat, seine Lösung heißt abwarten: „Das Reich ist groß und der Kaiser fern!“ (S. 110)
„Schwert und Krone“ endet mit der Idee des Wendenkreuzzuges, den Konrad von Wettin ins Leben rufen will, um einem (weiteren) Kreuzzug ins gelobte Land zu entgehen. Bei der Premierenlesung in Meißen hat Sabine Ebert verraten, dass es um genau diesen Wendenkreuzzug im nächsten Band gehen wird – ausgelegt ist dieses Epos übrigens auf 10 Bände.

Was jetzt hier vielleicht nach trockener Geschichte klingt, ist in Wahrheit ungemein farbenprächtig und anschaulich. Durch die Perspektivwechsel wird es nie langweilig und auch die Namensgleichheiten haben nicht für Verwirrungen gesorgt. Sabine Ebert ist eben eine Könnerin ihres Fachs. Ich habe die knapp 600 Seiten an 3 Abenden verschlungen, so spannend ist es.
Ergänzt wird es durch ein Personenregister, Stammtafeln, Stammbäume, ein Glossar und eine Zeittafel. Es wurde sogar extra eine Karte mit den Gemarkungen der damaligen Zeit für das Buch angefertigt (im Vorsatz), die es so bisher nicht gab.

5 Sterne und meine volle Leseempfehlung für alle Fans gut recherchierter und trotzdem unterhaltender historischer Romane! Hoffentlich kommt Band 2 bald ...