Freitag, 21. April 2017

Landwandlerin - Geschichten aus Nian

Wunderschön und zauberhaft


von Paul M. Belt


Taschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Verlag 3.0 Zsolt Majsai
ISBN-13: 9783956672798
Genre: All-Age-Fantasy/ Märchen 








Bereits die erste Seite des Buches hat mich gleich wieder tief in die nianianische Welt eintauchen lassen. In „Landwandlerin“, dem zweiten Band der „Geschichten aus Nian“, begleiten wir Dila auf einer langen Wanderung. Als Tochter eines Eichenreiters ist sie in einem traditionsverwurzelten Heim aufgewachsen. Gerne streift sie durch die Landschaft und unternimmt lange Wanderungen. Nachdem sie auf die Tradition der Klärungswanderung aufmerksam wurde, ist es nur natürlich, dass sie diesem Weg folgt, um ihrem Freiheitsdrang zu folgen und sich selbst besser zu verstehen und kennenzulernen. Vor allem die in ihr schlummernde Gabe anzunehmen und zu erforschen wir nicht nur ihr selbst, sondern womöglich ganz Nian helfen können.

© Paul M. Belt
Dila ist eine tolle Protagonistin. Es ist leicht mit ihr mitzufühlen es macht unglaublichen Spaß sich mit ihr gemeinsam auf ihre Wanderung zu begeben. Von einem jungen, selbstbewussten Mädchen entwickelt sie sich zu einer nicht minder starken, jungen Frau, die lernt, ihr Innerstes zu erkennen.

Ihre Wanderung ist wunderbar geschrieben. Beinahe war es so, als würde ich gemeinsam mit ihr bei Gewitter im Zelt hocken, die Reiter in Hulzheim treffen und mit ihr ihre erstaunliche Gabe kennenlernen. Nicht zu vergessen ihre Gespräche mit den Bäumen. Nur zu gerne, würde ich mich auch einmal mit einem Baum unterhalten, am liebsten mit dem riesigen Kirschbaum im Garten meiner Eltern. Der könnte sicher einiges über die Familiengeschichte erzählen.

Neben der Geschichte an sich, begeistert mich an diesem Buch vor allem, wie stets allen Respekt entgegengebracht wird und wie eindringlich die Beschreibungen von Dilas Empfindungen sind. Dabei wirkt alles völlig natürlich und harmonisch – gleich, ob es sich um einen Ritt auf einem Blatt, ein Gespräch mit einem Baum oder die Beschreibung des normalen nianianischen Lebens handelt.

Die Sprache der Bäume ist toll umgesetzt und durch sie werden die Bäume für mich nochmal greifbarer. Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn einer spricht. Sie haben etwas ganz Eigenes. Sie strahlen Ruhe und Kraft aus, aber auch Güte und Weisheit. Der Fettdruck unterstreicht für mich die kräftige, eher tiefe Stimmlage und die Art ihrer Sprache ist gemächlich, bedächtig und einfach ohne Hast. Genau so stelle ich es mir vor, würden sie tatsächlich mit uns sprechen können.

Auch die Aufmachung des Buches gefällt mir. Das Cover und die Illustrationen von Marion Marchewka sind wunderschön und passen nicht nur inhaltlich zum Text, die Art der Zeichnungen passt zur Stimmung des Buches. Sie spiegeln für mich den ruhigen Ton und die naturverbundene Atmosphäre der Geschichte wieder.

Die Schriftgröße ist angenehm zu lesen und die teils dick gedruckten Sätze sowie die anderen Schriftarten/ die Kursivschrift fügen sich gut in das Gesamtkonzept ein.

Das Ende der Geschichte besteht aus einem Märchen und schlägt damit nicht nur stilistisch nochmal einen wunderbaren Bogen zum Beginn des Buches, der ebenfalls ein nianianisches Märchen erzählt, Dilas Reise wird dadurch zusätzlich harmonisch abgerundet.

Mein Fazit: Auch der zweite Band der „Geschichten aus Nian“ hat mich verzaubert und jedes Mal, wenn ich eine Pause machen musste, ließ mich das Buch mit einem guten Gefühl zurück. Schon jetzt ist klar, dass ich auch die weiteren Bände lesen werde. Band 3 („Atalan“) soll noch in diesem Jahr erscheinen und ganz besonders freue ich mich auf den vierten Band, denn wie der Autor verraten hat, ist in diesem Band auch für die Sauerländer gesorgt. Als gebürtige Arnsbergerin bin ich darauf natürlich besonders neugierig. Daher eine klare Leseempfehlung von mir für dieses Buch, aber auch für die ganze Reihe.