Donnerstag, 10. August 2017

Die Geschichte der Bienen

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 20.03.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 20.03.2017
  • Verlag : btb
  • ISBN: 9783442756841
  • Fester Einband 512 Seiten
  • Genre: Roman 
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Ich habe es wieder getan und bin dem Ruf eines Bestsellers gefolgt! Oder war es der Lockruf der Bienen? 
Egal, jedenfalls stand das Buch ganz oben in den Top 10 der großen Buchhandlungen. Außerdem wurde "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde in Norwegen mit dem Buchhändlerpreis ausgezeichnet. Der Roman muss doch spitze sein! 

Also begann ich meine Lesereise durch drei verschiedene Zeitepochen, immer auf der Spur der Bienen. 

Die Geschichte beginnt im Jahr 2098 in China. Tao, eine junge Mutter, hatte sozusagen die Arbeit der Bienen übernommen und bestäubte die Bäume von Hand. Die fleißigen kleinen Tierchen galten längst als ausgestorben. So mussten die Menschen, um zu überleben, die Bienen ersetzen. Da die tägliche Arbeit für Tao total unbefriedigend ist, wünscht sie sich, besonders für ihren Sohn Wei-Wen, ein besseres Leben. Doch dann passiert etwas Schreckliches und die junge Frau sucht verzweifelt nach Antworten. 

Szenenwechsel! Wir befinden uns in England, schreiben das Jahr 1852 und lernen Wilhelm, einem gescheiterten Forscher kennen.  Seit Wochen kommt er nicht aus dem Bett und zerfließt in Selbstmitleid. Seinen kleinen Laden vernachlässigt er sträflich. Inspiriert durch ein Buch, kommt Wilhelm plötzlich auf die Idee, einen völlig neuartigen Bienenstock zu entwerfen. Seine Lebensgeister erwachen wieder neu. Aber wird seine Erfindung auch von Erfolg gekrönt werden? 

Damit bin ich auch schon beim Dritten im Bunde, George, ein Imker der im Jahre 2007 in Ohio seinen Traum lebt. Fürsorglich, mit viel Liebe und Perfektion, widmet er sich seinen Bienen. Schließlich soll sein Sohn Tom eines Tages den gut gehenden Hof übernehmen, obwohl dieser lieber Journalist werden möchte. Eines Tages jedoch sind plötzlich die Bienen verschwunden und eine Existenz steht auf dem Spiel. 

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig. Sie bedient sich einfacher Sätze und Wörter. Das ist gut verständlich und ich kam gut in die Geschichte. Selbstverständlich gibt es viele Informationen rund um das Thema Bienen, die mir allerdings weitestgehend  bekannt waren und wie ein Auszug aus einem Lexikon wirkten. 
Generell fand ich die Idee zu diesem Roman super. Die Kernbotschaft des Buches kommt klar und deutlich rüber und regt zum Nachdenken an! Warum die Autorin drei verschiedene Zeitebenen gewählt hat, erschließt sich mir jedoch nicht gänzlich. Zwei Ebenen hätten aus meiner Sicht ausgereicht. Wilhelms Geschichte aus dem Jahr 1852 wirkte auf mich überflüssig, Sie stellt zwar den Bezug zu den Anfängen der Imkerei her, aber hier schweift die Autorin vom eigentlichen Thema ab, indem sie Wilhelms Familienmitglieder in Szene setzt und seine tollen Erfindungen waren ja eigentlich auch nicht neu. 
Anderseits aber wirft die Autorin in Taos Geschichte nur mit Fragmenten um sich. Da muss man sich den Rahmen irgendwie dazu denken. Die Fiktion ist sehr überspitzt, aber gerade diesen Handlungsstrang fand ich besonders interessant und hätte es mir tiefgründiger und detailgetreuer ausgearbeitet gewünscht. 
Kopfkino sieht anders aus und so wurde mir die Szenerie zwischendurch ziemlich langweilig und ich habe mich mühselig durch die Seiten gekämpft. Manchmal flatterte mit den Bienen auch ein Funken Spannung empor, für mich jedoch zu selten. 
Wenn ich mir nun die Charaktere näher anschaue, ist Tao die Einzige, mit der ich sympathisieren konnte. Wilhelm und George fand ich in ihrer Vaterrolle absolut deplatziert. Diese Vater-Sohn Beziehungen hätte ich mir gefühlvoller inszeniert gewünscht.  
Am Ende verbindet Maja Lunde die Handlungsstränge miteinander und der Abschluss war schlüssig. 

Das Buch ist nicht überwältigend, aber durchaus lesenswert und interessant, für mich aber eher solides Mittelmaß!  Vermutlich hätte ich es weniger kritisch betrachtet, wäre das Werk nicht so über den Klee gelobt wurden. Doch so hatte ich als Leser einen gewissen Anspruch an das Buch, der hier nicht erfüllt wurde. 
In Zukunft werde ich mich wohl von diesen hochgelobten und super vermarkteten Büchern fern halten. 
Auf jeden Fall, ist es eine Leseerfahrung der besonderen Art und bestimmt ein kontrovers diskutierter Roman!