Die Bücher von Ferdinand von Schirach begleiten mich seit Jahren. Seine kurzen, prägnanten Sätze entfalten oft eine erstaunliche Wirkung. Am Anfang standen wahre Fälle aus seiner Arbeit als Strafverteidiger. Mit jedem neuen Werk wurden seine Texte philosophischer. Sein neues Buch „Alexander“ richtet sich nun erstmals an jüngere Leser – behält dabei aber diesen nachdenklichen Blick auf die Welt bei.
Besonders gut gefällt mir, dass die Geschichte von Zeichnungen des Autors untermalt wird.
Alexanders Kindheit endet jäh, als ein Krieg ausbricht und sein Vater als Soldat eingezogen wird, obwohl er lieber mit Pinsel und Farben, als mit der der Waffe hantiert hätte. Er gehört zu den ersten Männern, die ihr Leben verlieren.
Als der König schließlich gestürzt wird, wollen die Einwohner von Kaliste nie wieder von einem Tyrannen regiert werden und endlich friedlich miteinander leben. Vor allem aber sehnen sie sich nach gerechten Gesetzen.
So begibt sich der Junge Alexander auf die Suche nach diesen Gesetzen. Auf seiner Reise begegnet er einem merkwürdigen Orakel, einem glamourösen Modeschöpfer, einem Philosophen, verrückten Zwillingen und einem seltsamen Pferd. Mit jeder Begegnung erschließen sich Alexander Stück für Stück die Prinzipien der Demokratie. Kann er mit seinen Erkenntnissen den Einwohnern von Kaliste dauerhaften Frieden bringen?
„Alexander“ ist ein modernes Märchen mit parabelhaften Zügen, das klug und mit feinem Humor erzählt wird.
Ferdinand von Schirach schafft es, komplexe Themen wie Demokratie, Gerechtigkeit und Verantwortung kindgerecht und gut verständlich zu vermitteln, ohne dabei belehrend zu wirken.
Wie in vielen seiner Bücher zieht sich auch hier die Frage nach der Würde des Menschen wie ein roter Faden durch die Geschichte.
„Wenn wir diese Würde ernst nehmen, wird kein Tyrann und kein Krieg und keine Unterdrückung mehr möglich sein. ( Auszug aus dem Buch)
Alexanders Begegnungen mit den unterschiedlichsten Figuren regen zum Nachdenken an. Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren ebenso geeignet wie für Erwachsene. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es für den Schulunterricht geeignet ist.
Ein kleines Buch über große Fragen, das lange nachklingt - ganz gleich wie alt man ist. Lese-Highlight!

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