ISBN : 9783755800903
Taschenbuch : 350 Seiten
Verlag : DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum : 14.07.2026
Genre : Krimi
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
„Ohne die Hilfe eines Hobbydetektivs schafft es die britische Polizei nie, ein Verbrechen zu lösen. (S. 73)
Nova ist neu in St Tredock, einem malerischen Küstenort in Cornwall. Für ihren Verlobten Craig hat sie ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen und betreut nun als Sozialarbeiterin unter anderem den Buchclub des Gemeindezentrums. Viel Zulauf hat dieser allerdings nicht: Phyllis, über 70, lebt seit dem Tod ihrer Mutter allein mit ihrer Bulldogge Craddock und verschlingt ausschließlich Agatha-Christie-Romane. Arthur, 81, ehemaliger Milchbauer, pflegt seine erblindete Frau und liest ihr täglich vor. Ash, ein schweigsamer Jugendlicher mit einer Vorliebe für Science-Fiction, senkt den Altersdurchschnitt erheblich. Als Michael zum Buchclub stößt, scheint das Quartett komplett – doch schon beim zweiten Treffen verlässt er plötzlich fluchtartig den Raum.
Am nächsten Morgen fehlen 10.000 Pfund aus der Kasse des Gemeindezentrums. Phyllis ist überzeugt, dass Michael der Dieb sein muss. Vor allem, als kurz darauf auch noch Michaels Mutter tot aufgefunden wird – ermordet! „… jetzt hatte Phyllis endlich die Gelegenheit, ihre jahrelange Lektüre von Miss Marple sinnvoll einzusetzen.“ (S. 42)
„Mord ohne Vorwort“ hat mich positiv überrascht. Der Roman weit mehr als ein klassischer Cosy Crime mit Cornwall-Flair. Hinter jeder Figur verbirgt sich eine Vergangenheit oder ein Geheimnis, mit dem man nicht rechnet. Das verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte. Gleichzeitig verbindet alle Protagonisten eine gewisse Einsamkeit.
Nova lebt seit fünf Monaten in St Tredock, hat aber außer Craig, seiner Familie und deren Freunden kaum eigene Kontakte geknüpft. Lediglich ihre Kollegin Lauren ist zu einer Freundin geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass Craig sie zwar beschützen möchte, gleichzeitig aber den von seiner Mutter Pamela geprägten Spitznamen „Dussel Davies“ übernommen hat. Pamela mischt sich permanent in Novas Leben ein – stets unter dem Vorwand, ihr helfen zu wollen. Selbst die Hochzeitsplanung hat sie an sich gerissen und ignoriert konsequent Novas Wünsche. „Aber um ehrlich zu sein, habe ich manchmal den Eindruck, dass es bei unserer Hochzeit mehr um die Wünsche deiner Mutter geht als um unsere.“ (S. 190)
Auch Phyllis hat ihr Leben lang unter der Dominanz ihrer streng katholischen Mutter gestanden und sich heimlich in die Welt von Agatha Christie geflüchtet. Seit deren Tod klammert sie sich an ihre Bulldogge Craddock und vermutet hinter jedem ungewöhnlichen Ereignis ein Verbrechen.
Arthur ist seit 60 Jahren glücklich verheiratet. Weil seine Frau inzwischen erblindet ist, leiht er ihre geliebten Liebesromane aus und liest sie ihr vor. Im Buchclub spricht er oft stellvertretend für sie – dabei hätte er selbst so vieles zu erzählen.
Ash wiederum sagt meist nur dann etwas, wenn er direkt angesprochen wird. Dann zieht er gern Parallelen zwischen den gelesenen Büchern und seinen geliebten Science-Fiction-Romanen.
So unterschiedlich die vier auch sind – die Suche nach dem verschwundenen Geld und nach Michael schweißt sie zusammen. Denn ohne die 10.000 Pfund droht dem maroden Gemeindezentrum die Schließung. Gerade für viele Bewohner des Ortes wäre das ein schwerer Verlust, da sie auf die kostenlosen Angebote und die wöchentliche Tafel angewiesen sind.
Ich habe den Roman innerhalb von zwei Abenden regelrecht verschlungen. Die Handlung entwickelt schnell einen enormen Sog, denn neben dem verschwundenen Geld sorgt auch der rätselhafte Tod von Michaels Mutter für zusätzliche Spannung. Zwar hatte ich einen Teil der Auflösung etwa zur Hälfte des Buches geahnt, das Gesamtbild setzte sich jedoch erst ganz am Ende zusammen.
Ein warmherziger Cosy Crime mit viel Cornwall-Atmosphäre, liebenswert-schrulligen Hobbyermittlern und Figuren, die über sich hinauswachsen, ihren eigenen Wert erkennen und den Mut finden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen