Dienstag, 18. August 2026

Die zwei Leben der Helen Fox

 



ISBN : 9783463000916
Gebundenes Buch : 464 Seiten
Verlag : ROWOHLT Kindler
Erscheinungsdatum:14.08.2026
Genre : Roman

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG) 

 

 

 

Spielball

 

Wie sinnlos es war, in den letzten zehn Jahren so zu tun, als müsste ich den Preis für das, was ich getan habe, tatsächlich nicht zahlen.“ (S. 19)

Genf, 1926: Helen Fox führt seit Jahren ein zurückgezogenes Leben als Bibliothekarin. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, die Bücher verstorbener Amerikaner zu katalogisieren und aufzubewahren, wenn diese keine Erben haben. Ihre Nächte verbringt sie dagegen mit ihrem Geliebten Leo, Leopold Baron von Lamberg, in Theatern und Clubs.

Eines Tages liegt das Manuskript eines Romans des Bestsellerautors August Hegland in ihrer Post. Was niemand weiß: August war während des 1. Weltkriegs Helens Geliebter und kennt Geheimnisse, die ihre gesamte Existenz zerstören könnten. Ist sein neues Buch eine Abrechnung mit ihr?

 

Helen und August lernten sich 1916 in einem Lazarett / Internierungslager in der Schweiz kennen und lieben. Das Lazarett war in einem von Leo betriebenen Hotel eingerichtet worden. Helen arbeitete dort als Bibliothekarin und Krankenschwester, während August nach einer Granatenverletzung behandelt wurde. Gemeinsam träumten sie von einer Zukunft in einer besseren und friedlicheren Welt. Doch beide hatten Geheimnisse voreinander, die ihre gemeinsame Zukunft schließlich verhinderten.

 

Die Grundidee der Geschichte hat mir eigentlich gut gefallen. Sie erinnert an Der Zauberberg: ein abgeschiedener Ort in den Alpen, an dem Politik, Philosophie und Liebe, Leben und Tod aufeinandertreffen und der Krieg allgegenwärtig ist. Gleichzeitig fühlte ich mich an Emily Dunlays vorheriges Buch Teddy erinnert, in dem ebenfalls eine Frau unterschätzt wird und ihr eigenes Spiel spielt.

 

Leider habe ich mich mit Die zwei Leben der Helen Fox trotzdem sehr schwergetan und mehrfach darüber nachgedacht, das Buch abzubrechen. Die Handlung ist sehr weitschweifig, und die teilweise extrem kurzen Kapitel sowie die ständigen Wechsel von Ort und Szene haben meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen. Zusätzlich werden Auszüge aus Augusts Roman und Tagebucheinträge eines zunächst unbedeutenden Nebencharakters eingeschoben, der gegen Ende plötzlich eine immer größere Rolle spielt.

Die Geschichte spielt parallel 1916 und 1926, wobei sich die Handlung unter anderem in einem Schlosshotel, das 1916 als Lazarett diente, und auf Leos Anwesen abspielt. Da es neben Helen, August und Leo nur wenige weitere Figuren gibt, wirkt das Ganze fast wie ein Kammerspiel – allerdings eines, bei dem man ständig überlegen muss, in welcher Zeit man sich gerade befindet.

Hinzu kommt eine Spionagegeschichte, in der scheinbar jeder jeden beobachtet und für oder gegen irgendjemanden arbeitet. Gerade als ich dachte, endlich verstanden zu haben, worum es eigentlich geht, stellen die letzten beiden Kapitel noch einmal alles auf den Kopf.

 

Helen kam mir wie ein Spielball vor. Obwohl sie selbst überzeugt ist, die Fäden in der Hand zu halten und die Männer um sie herum für ihre Zwecke einsetzen zu können, war sie längst der Spielball der verschiedenen Interessen und Intrigen. Jeder scheint seine eigenen Pläne zu verfolgen, Geheimnisse zu hüten und Helen zu manipulieren. Und so bleibt lange die Frage offen, wer hier eigentlich wen kontrolliert – und wer am Ende wirklich die Fäden in der Hand hält.

 

Leider hat mich dieses Spiel eher verwirrt als gefesselt. Die interessante Grundidee und die atmosphärische Ausgangslage konnten für mich die verschachtelte Erzählweise und die vielen Perspektiv- und Zeitsprünge nicht ausgleichen.

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