Wer 1907 im Hotel Vier Jahreszeiten eincheckte, durfte etwas erwarten. Luxus, Komfort und eine Welt, in der die Sorgen des Alltags vor der Hoteltür blieben.
Und genau hier taucht in Anja Marschalls Roman „Der Tote an der Alster“ ein ziemlich ungewöhnlicher Gast auf: der Tod. Während Kommissar Hauke Sötje eigene Ermittlungen anstellt, nehmen wir den Schauplatz einmal genauer unter die Lupe.
Das Hotel Vier Jahreszeiten
Was heute zu den bekanntesten Hotels Hamburgs gehört, war damals noch ein vergleichsweise junges Haus. Friedrich Haerlin ersteigerte das Hotel 1897 an seinem 40. Geburtstag. Damals bestand es gerade einmal aus einem Gebäude mit elf Zimmern. (hvj.de)
Haerlin hatte allerdings große Pläne. 1900 wurde im Vier Jahreszeiten als erstem Hamburger Hotel eine Warmwasser-Zentralheizung eingebaut. Und 1905 war der Erweiterungsbau mit 57 weiteren Zimmern fertig. Aus dem kleinen Hotel war ein Grandhotel geworden. (hvj.de)
Warmwasser und beheizte Räume zu jeder Jahreszeit – heute selbstverständlich, damals echter Luxus.
Hamburg im Jahr 1907
Auch Hamburg selbst war im Aufbruch. Der Hafen und der Seehandel boomten, Dampfschiffe und Eisenbahn brachten Menschen aus aller Welt in die Stadt. Hamburg hatte bereits mehr als eine halbe Million Einwohner und machte sich auf den Weg in die Moderne. (Hamburg)
Und mittendrin die Binnenalster.
Elegante Hotels, prächtige Fassaden und mondäne Gäste auf der einen Seite. Eine rasant wachsende Stadt mit deutlichen sozialen Unterschieden auf der anderen.
Glanz und Schatten lagen also schon damals dicht beieinander.
Kein Wunder, dass dieser Schauplatz perfekt zum historischen Krimi von Anja Marshall passt.
Und während wir heute ganz selbstverständlich zum Handy greifen, musste Kommissar Hauke Sötje 1907 noch ohne Smartphone, Internet und Google Maps ermitteln.
Das Hotel Vier Jahreszeiten gibt es übrigens noch immer.
Der Schauplatz von „Der Tote an der Alster“ ist also kein erfundener Ort. Wer heute am Neuen Jungfernstieg steht, kann sich vielleicht ein kleines bisschen vorstellen, wie es hier vor mehr als hundert Jahren ausgesehen haben mag. Den Kriminalfall selbst hat sich die Autorin allerdings ausgedacht.
Der historische Kriminalroman ist nominiert für den „Goldenen Homer“, der am 03.10.2026 in Erfurt verliehen wird.
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