ISBN : 9783499018121
Gebundenes Buch : 608 Seiten
Verlag : ROWOHLT Polaris
Erscheinungsdatum : 18.09.2026
Genre : Fantasy
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
„Wir Mortons waren mehr als Genetik, mehr als ein Name. Wir waren eine Tradition, eine Idee.“ (S. 138)
Was, wenn Familie nicht der Ort ist, an dem man sich geborgen fühlt, sondern ein System, dem man bedingungslos gehorchen muss?
Jessica Morton wurde in eine uralte Familie hineingeboren, die seit Jahrhunderten den Lauf der Menschheit beeinflusst, indem sie sich mit den Reichen und Mächtigen verbündet. Mord, Manipulation und das Beseitigen unliebsamer Menschen gehören dabei ganz selbstverständlich zum Familiengeschäft.
Jessicas Leben scheint von Anfang an festgelegt. Sie wird darauf trainiert, keinen Schmerz und keine Furcht zu empfinden, anderen beides aber jederzeit zufügen zu können. Sie lernt, keine Fragen zu stellen und die Wünsche der Familie über alles zu stellen. Menschen an sich binden, sie gegebenenfalls töten und anschließend dafür sorgen, dass niemand etwas davon erfährt – für Jessica gehört all das zunächst zu ihrer Ausbildung.
Und sie ist gut darin. Sehr gut sogar. Jessica gilt als Ausnahmetalent und wird den Jüngeren und Gleichaltrigen als Vorbild präsentiert. Sie kennt ihren Platz und ist stolz darauf. Bis sie einen Mord begehen muss und sich zu sehr an eine Zielperson bindet. Plötzlich bekommt Jessicas sorgfältig aufgebaute harte Schale Risse. Zum ersten Mal beginnt sie, Fragen zu stellen. Fragen, die in ihrer Familie nicht nur unerwünscht sind, sondern gefährlich werden können.
„Schenke deinem Kind eine starke Hand, ein scharfes Messer und eine große Familie und dann bring ihm Loyalität ohne Bindung bei.“ (S. 222)
Das Familienleben der Mortons hat mit dem, was ich normalerweise mit Familie verbinde, allerdings wenig gemeinsam. Höhergestellte Mitglieder werden ehrerbietig als Onkel oder Tante bezeichnet, doch echte Nähe und Vertrauen gibt es nicht. Jeder wird beobachtet, bewertet, gefördert und gefordert. Jeder ist ersetzbar. Was zählt, sind Leistung, Loyalität und der Nutzen für die Familie.
Selbst die Berufswahl wird beeinflusst und das Leben findet weitgehend abgeschottet auf dem riesigen Familienanwesen statt. Wer nicht dazugehört, hat keinen Zutritt.
Auch am Helshire College ist Jessica deshalb alles andere als eine gewöhnliche Studentin. Ihre Kommilitonen wissen, wie gefährlich die Mortons sind. Man begegnet ihnen mit Respekt oder Angst, versucht, ihre Nähe zu suchen und davon zu profitieren – oder hält sich besser von ihnen fern.
„Die Mortons“ sind definitiv eine besondere Leseerfahrung und mein erster Dark-Academia-Roman, der mir an einigen Stellen fast schon zu grausam war. Gleichzeitig konnte ich das Buch aber auch nicht einfach zur Seite legen, denn gerade Jessicas Entwicklung hat mich immer wieder neugierig gemacht.
Mich hat vor allem die Frage beschäftigt, was passiert, wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang gelernt hat, dass Loyalität wichtiger ist als Vertrauen, Familie wichtiger als das eigene Ich und Gehorsam wichtiger als Moral.
Jessica muss sich irgendwann entscheiden, wer sie eigentlich sein möchte. Das macht den Roman für mich zu mehr als einer Geschichte über eine gefährliche Familie. Es geht um Identität, um Zugehörigkeit und um die Frage, wie viel von uns selbst übrig bleibt, wenn andere seit unserer Kindheit bestimmen, wer wir sein sollen.
Und vielleicht ist genau das der beunruhigendste Gedanke an dieser Geschichte: Was, wenn die Menschen, denen du am meisten vertrauen solltest, diejenigen sind, vor denen du dich am meisten schützen musst?
Ein düsterer, spannender und teilweise harter Roman, der mich vor allem mit seinen Fragen nach Familie, Loyalität und der eigenen Identität noch eine Weile beschäftigt hat.

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