Sonntag, 20. September 2026

Feine Risse - Buddyread


Seit „Dunkle Momente“ sind wir große Fans der engagierten Strafverteidigerin Eva Herbergen. Daher haben wir uns über ein Wiederlesen gefreut.

Dass sich Eva langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen möchten, können wir gut nachvollziehen. Allerdings hoffen wir dennoch, dass sie uns als Leserinnen auch künftig mit ihren spannenden Fällen, die diesmal sogar bis in ihr Privatleben hineinreichen, unterhält. 

Patno: Wow, die erste Geschichte hat es schon wieder in sich. Der kleine Milan wird überfahren. Das Ende stimmt mich nachdenklich. Ich mag den Erzählstil der Autorin und fliege gefesselt durch die Seiten. Hasi, wie bist du in das Buch gestartet? 

Hasi: Mir ging es wie Dir, ich weiß gar nicht, welches Drama größer war, dass Milan überfahren wurde oder was danach geschah - und in welcher Zwickmühle Eva sich dadurch befand, weil Recht eben nicht immer richtig ist. Das ist glaube ich auch einer der Hauptgedanken des Buches, was ist Recht und wer wirklich schuld. Zumal sich ja auch die Beschuldigten nicht immer sicher waren, was genau passiert ist - ein sehr interessantes Dilemma. Denn Eva muss ihre Mandanten natürlich verteidigen, aber manchmal sucht sie trotzdem Auswege, so wie bei dem langjährigen Kunden mit der Hausdurchsuchung. Waren die Geschichten im ersten Buch eigentlich auch so bedrückend oder überwog da die Spannung? 

Patno: In „Dunkle Momente“ gingen mir die Geschichten auch sehr nah. Auch hinsichtlich der Spannung habe ich das ähnlich empfunden. Ich finde, diesmal agiert Eva mehr als Ermittlerin. Im ersten Buch ging es meines Erachtens mehr um Evas innere Konflikte ihrer beruflichen Tätigkeit. Da lag der Fokus mehr auf der psychischen Komponente. Diesmal geht es mehr um die verzwickte Fälle, wovon einer ja in Evas Privatleben liegt. Die Art zu schreiben erinnert mich an Ferdinand von Schirachs Geschichten. Wie hat dir der Nebenstrang aus Evas Familie gefallen? 

Hasi: Ferdinand von Schirach sollte ich wahrscheinlich auch endlich mal lesen. 🙈 
Der Nebenstrang war überraschend. Man sagt ja, jede Familie habe ihre Geheimnisse, aber ich hoffe ganz stark, dass es nicht gerade solche sind. Vor allem, weil ich diesen Twist nicht erwartet hatte. Dazu passt ein Zitat aus dem Buch ganz gut: Wollen wir die Wahrheit nicht immer wissen? Selbst wenn wir Angst vor ihr haben?“ (S. 86) - auf die Wahrheit hätte ich lieber verzichtet. 
Und Du hast Recht, Eva ermittelt diesmal viel mehr,  trotzdem kann sie die Schuldigen nicht immer überführen. Das muss doch extrem frustrierend für sie sein. 

Patno: Ich denke, dass darf nicht frustrierend für sie sein. In ihrem Beruf ist es ihre Pflicht, ihren Mandanten nach allen Regeln der Kunst zu verteidigen und für ihn das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, unabhängig von seiner Schuld. Ist ein spannendes Thema, genau wie die Frage nach den Familiengeheimnissen. Aber das Geheimnis der Familie Herbergen ist schon heftig. Meinst du, es wir können auf eine Fortsetzung der Buchreihe hoffen? 

Hasi: Ich hoffe! Ich finde die Fälle zu spannend und bin auch neugierig, wie es privat bei Eva und ihrem Mann weitergeht.

„Feine Risse“ nimmt uns mit auf eine Reise durch juristische und biografische Dunkelzonen und verrät uns wie Straftaten im Dickicht der Zufälligkeiten entstehen. 



2 Kommentare:

Kuschelbock hat gesagt…

„Recht ist nicht immer richtig“ ist ein unangenehm guter Satz.

Gerade deshalb wirkt Eva als Figur so interessant: Sie verteidigt professionell, zweifelt privat und muss mit beidem gleichzeitig leben.

Hasirasi hat gesagt…

Danke