Samstag, 31. Oktober 2026

Die Ballade von Ronan McCoy


 

 

 

 

ISBN : 9783426566411
Gebundenes Buch : 368 Seiten
Verlag : Droemer
Erscheinungsdatum : 01.10.2026
Genre : Roman

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Freunde fürs Leben

 

„… selbst in der Schule, umgeben von hundert anderen, fühlte ich mich stets einsam.“ (S. 13)

Brendan ist sehr introvertiert und wird seit seinem ersten Tag an der höheren Schule von einem Mitschüler gemobbt. Zum Glück weiß niemand, dass er nebenbei in einem Bestattungsunternehmen arbeitet und dort die Autos wäscht. Würde das bekannt, hätte er vermutlich noch mehr unter den Schikanen seiner Mitschüler zu leiden.

Doch Brendan hat auch einen besten Freund: Ronan aus seiner Klasse, der das genaue Gegenteil von ihm ist – extrovertiert, beliebt und ein exzellenter Sportler. Als Ronan zu Beginn des letzten Schuljahres plötzlich nicht mehr in der Schule auftaucht, machen bald Gerüchte über ein schreckliches Ereignis die Runde. Doch Brendan will davon nichts hören. Ronan soll ihm selbst erzählen, was geschehen ist. Nur kann er das vorerst nicht.

Also hält Brendan unbeirrt an ihrer Freundschaft fest, besucht Ronan so oft wie möglich und freut sich über jeden noch so kleinen Fortschritt. Er wird zu Ronans Tor zur Welt, lebt stellvertretend das Leben, das seinem besten Freund momentan verwehrt bleibt, und findet sogar eine Freundin. Doch egal, was in seinem eigenen Leben passiert: In Gedanken dreht sich bei Brendan alles um Ronan.

 

Das Buch liest sich erstaunlich schnell, obwohl die Handlung eher gemächlich voranschreitet. Brendans Alltag wiederholt sich, auch seine persönliche Entwicklung macht nur kleine Schritte. Er weiß nicht recht, wie er mit seiner Freundin umgehen oder wie weit er in ihrer Beziehung gehen soll. Ihre zunehmend deutlichen Hinweise versteht er nicht, und manchmal wirkt er gedanklich noch wie ein Kind. Für eine Beziehung scheint in seinem Leben kaum Platz zu sein, solange Ronan im Mittelpunkt steht.

 

Ronans Schicksal hat mich sehr berührt, doch leider konnte mich der Erzählstil nicht vollständig überzeugen. Brendan wirkt stellenweise wie ein Achtjähriger, reagiert mit kindischen Wutanfällen, und auch die Gespräche zwischen ihm und seinen Lehrern klingen eher nach Grundschule als nach einem Austausch mit einem Sechzehnjährigen. Das passte für mich nicht zu seinem Alter und ließ seine Figur bisweilen unglaubwürdig erscheinen.

Hinzu kommt, dass sich die Handlung trotz des flüssigen Schreibstils stellenweise ziemlich zieht. Das Ende ist zwar emotional, kam für mich aber nicht überraschend. Besonders unbefriedigend fand ich, dass bis zuletzt offenbleibt, was Ronan eigentlich zugestoßen ist. Gerade bei einer Geschichte, die so stark von seiner Abwesenheit und den damit verbundenen Fragen lebt, hätte ich mir hier mehr Klarheit gewünscht.

 

Mein Fazit: Eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und die Kraft, auch in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein, die mich emotional erreicht hat. Leider konnten mich weder die teilweise kindlich gezeichnete Hauptfigur noch der schleppende Handlungsverlauf und die offenen Fragen am Ende restlos überzeugen. So bleibt eine berührende Grundidee, bei deren Umsetzung für mich einiges auf der Strecke geblieben ist.

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