Donnerstag, 15. Juni 2017

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  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.06.2017
  • Verlag : Tinte & Feder
  • ISBN: 9781611099232
  • Flexibler Einband 256 Seiten
  • Genre: Humor 
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(Mr.) Cool and the Gang

Justus, Immobilienmakler, liebt teure Klamotten, sein altes Auto, junge Frauen und teure Hotels. Darum will er seinen 60. standesgemäß mit seinen beiden besten Freunden in einem Wellnesshotel feiern. Da wäre zum einen Erwin, der mit seiner Frau immer „für später“ gespart und nun Witwer ist und Willi, der mit dem Ruhestand nicht klar kommt. Ihm fällt zu Hause die Decke auf den Kopf, er will gebraucht werden (außerdem nervt er seine Frau). Also ab in den das Sternehotel „Ammersteiner Hof“.
Leider landen sie dann im „Haus Erika“ ein paar Dörfer weiter. Das Haus hat nicht nur seine besten Zeiten lange hinter sich, es ist auch ein Kurheim – Erwin hat ausversehen eine Präventionskur der Krankenkassen gebucht ...
Statt leckeren 3-Gänge-Menus gibt es bodenständige Hausmannskost a la Kassler mit Kraut, statt dem Haman eine Bio-Lichtsauna und den „Anwendungen“ können sie leider auch nicht entfliehen. Schließlich sind die inklusive!

Natürlich können die 3 Herren auch im Urlaub nicht aus ihrer Haut.
Justus gibt den Lebemann und macht alles an, was max. halb so alt ist wie er. „Weißt Du, Justus, Du könntest dich wirklich mal nach einer Frau in Deinem Alter umsehen. “ ... „Ach, Erwin, lass mich doch. Ich flirte lediglich ein wenig. Das hält jung.“ „Das macht ein Waldspaziergang auch!“ (S. 26) Dabei hat er eigentlich gerade große persönliche Probleme und weiß nicht, wie er da je wieder rauskommen soll. Und dann lässt ihn auch noch ausgerechnet Iris (sehr gutaussehend aber schon Mitte 50!) schwach werden.
Willi lebt so richtig auf. Er hat seinen Notfallausrüstungs-Werkzeugkoffer dabei und repariert zum Leidwesen des Hausmeisters und der anderen Gäste so einige Sachen kaputt.
Und Erwin findet seine Bestimmung in der Beobachtung des Ehepaares Belmont. Diese veranstalten in dem Kurheim eine Verkaufsshow für überteuerte Cremes und sind ihm nicht geheuer. Zu Beginn sind seine Kumpels noch genervt: „Erwin, wir sind aber nicht beim Geheimdienst. Du bist Rentner, ich will eine Kreuzfahrt machen, und Justus sucht Iris.“ (S. 162), aber bald wird aus ihnen ein tolles Spionageteam und nach diversen für sie peinlichen, den Leser aber sehr amüsanten Szenen, können sie den „Fall“ wirklich lösen.

Die Herren palavern sich lustig launig durch ihren gemeinsamen Urlaub, aber es gab so einige Stellen an denen ich dachte „Mit solchen Freunden braucht man keine Feinde“. Immer wieder wird gestichelt, was das Zeug hält „Und das siehst Du ohne Brille?“ „Wenn ich genügend getrunken habe, sehe ich ausgezeichnet.“ „Ich seh da eigentlich alles doppelt!“ (S. 20)

Mir fehlte an einigen Stellen die Leichtigkeit, welche die Herbert-Reihe auszeichnet (hier werden deutlich ernstere Themen angesprochen) und der Humor war zum Teil etwas derb. Aber trotzdem ist auch diese Buch von Friedrich Kalpenstein wieder sehr unterhaltsam und ich bin gespannt, ob die drei Herren wirklich noch weitere Fälle lösen werden, wie es sich Erwin wünschen würde.

4,5 von 5 Sternen