Donnerstag, 11. Juli 2019

Hitlers heimliche Helfer



Buchdetails:

Erscheinungsdatum Sonderausgabe: 01.01.2019

Fester Einband: 464 Seiten

Verlag: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)

ISBN: 9783806238907

Genre: Sachbuch





Cover und Titel erregten meine Aufmerksamkeit.
Über diese Zeitepoche habe ich schon viel gelesen und dennoch waren mir „Hitlers heimliche Helfer“ gänzlich unbekannt.
Karina Urbachs Buch ist bei wbg Theiss im Januar 2019 neu erschienen und umfasst 464 Seiten inclusive Illustrationen, Anmerkungen und Register. 

Heimliche Helfer, auch Go Betweens genannt, sind Privatiers, die aufgrund ihrer internationalen Kontakte von Politikern benutzt werden, um geheime Verhandlungen zu führen.
Diese Treffen finden inoffiziell und nicht öffentlich statt. Daher können Diplomaten nicht selbst in Erscheinung treten.

In der Einführung zum Buch beschreibt Karine Urbach eine Szene, die mich überrascht:

„Es ist ein schönes Sommermotiv: zwei kleine Mädchen spielen im Garten, ihre Mutter und ihr Onkel betrachten Sie wohlwollend. Der Vater filmt die Idylle. Nach einer Weile reckt die Mutter den Arm zum Hitlergruß und der Onkel animiert die Kinder, das Gleiche zu tun. Kurz darauf reißt auch er den Arm in die Höhe.“ (Auszug aus dem Buch) 

Nun ist diese Filmszene aus dem Jahre 1933/34 vermutlich nichts Ungewöhnliches, außer es handelt sich um die prominenteste Familie Großbritanniens, die Royal Family.

Mit dem Einstieg ins Buch hatte mich die Autorin.
Ich war gespannt, was europäische Adelige wie z.B. der Herzog von Coburg oder die Prinzessin Stephanie Hohenlohe dazu brachte, sich in den Dienst der Nazis zu stellen.

Karina Urbach hat exzellent recherchiert, alle verfügbaren Unterlagen gesichtet und wissenschaftlich ausgewertet.
Sie betont allerdings, dass einige Quellen von Adelsfamilien für Historiker verschlossen bleiben. Verständlicherweise wollen die Nachkommen nicht mit solch brisanten Verwicklungen in Verbindung gebracht werden.

Die Thematik ist interessant. Trotzdem war das Buch für mich eine Herausforderung. Das lag daran, dass ich nur wenige Vorkenntnisse über Adel und Monarchie in Europa besaß.
Ich habe mich schwer getan, die Namen und Verwandtschaftsgrade miteinander zu verbinden.
Auf den ersten 200 Seiten geht die Buchautorin weit zurück, beleuchtet die europäische Aristokratie ausführlich. Hinsichtlich des Buchtitels hatte ich hier zunächst etwas anders erwartet.
Erst den zweiten Teil des Buches widmet Karina Urbach Hitler und seinen Helfern. Diesen Abschnitt fand ich spannend und aufschlussreich.
Besonders spektakulär schien mir die Geschichte um Prinzessin Stephanie Hohenlohe. Die Dame wusste sich in Szene zu setzen, stand gern im Mittelpunkt. Obwohl Hitlers Spionin, wie Hohenlohe genannt wurde, Halbjüdin war, verstand sie es exzellent, sich in Nazikreisen zu bewegen und die Männer dabei um den Finger zu wickeln.
Es hat mich überrascht, wie sich die Adligen in den Dienst der Macht stellten und ihr Fähnchen nach dem Wind richteten.

Übrigens, noch heute kommen heimliche Helfer zum Einsatz, auch wenn sie inzwischen nicht mehr aus Adelskreisen kommen.

„Allen Forderungen nach mehr Transparenz zum Trotz werden die „heimlichen Helfer“ uns auch in Zukunft beschäftigen. ( Auszug aus dem Buch)

„Hitlers heimliche Helfer“ ist kein leichter Lesestoff und erfordert ein hohes Maß an Konzentration, um all die Zusammenhänge zu erfassen.
Wer sich für Adel und Monarchie interessiert, sollte bei diesem Buch zugreifen.

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