Montag, 23. Februar 2026

Auf einen Kaffee mit Mascha Kaléko und Sarah Lorenz


Vor einem Jahr haben wir Sarah Lorenz und ihr Debüt "Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt. Elisa, eine junge Frau, erzählt ihre Lebensgeschichte anhand von Maschas Gedichten. Der Roman lag viel zu lange auf unserem SuB. Wir haben diesmal im Lese-Trio mit Diana vom Blog Leselausch gebildet. 

Hasi: Puh, also das Buch war leider nicht meins. Die Geschichte fängt so poetisch mit Maschas berührenden Gedichten und deren Wiederentdeckung durch Elisa in einer Buchhandlung an, aber ihr Leben ist nichts für schwache Nerven. Von der Mutter in ein Heim abgeschoben, wo sie Gewalt und sexuelle Übergriffe erdulden muss, flieht sie schnell in die angebliche Freiheit auf der Domplatte, wo sie von einem Mann zum nächsten taumelt (inkl. weiterer sexueller Übergriffe) und einem Drogentod á la "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" mit 30 träumt. Ihre kleinen "Fluchten" findet sie schon früh im Ritzen. Warum hat da nicht einmal eines der zuständigen Jugend- oder Sozialämter eingegriffen? Und ich weiß, dass Euch das Ende ein bisschen mit dem Buch versöhnt hat, für mich war es leider nicht so. Es war einfach zu viel von allem - Sex, Drogen, Gewalt, Selbstverletzung. Und zu viele Menschen in ihrem Umfeld, die weggesehen haben. 

Patno: Die Idee, jedes Kapitel mit einem Gedicht von Mascha Kaléko zu beginnen, finde ich klasse und wie du sagst, beginnt die Geschichte vielversprechend. Besonders der Bezug zu Büchern bzw. zur Literatur hat mir sehr gefallen. Mein Lieblingsgedicht von Mascha ist übrigens „Ansprache eines Bücherwurms.  Ich habe mir viele kluge Sätze der Autorin herausgeschrieben, die mich berührt haben. Leider verstrickt sich die Autorin zunehmend in immer wiederkehrenden Szenarien, die mich irgendwann runtergezogen. Elisas exzessiven Männerbeziehungen nervten irgendwann und lähmten den Lesefluss. Immer wieder Alkohol, Drogen, Sex… Ihre verzweifelte Suche nach Liebe. Das Ende hat mich wieder etwas versöhnt, aber alles in allem war ich doch enttäuscht von der Umsetzung dieser tollen Buchidee. 

Diana: Grundsätzlich fand ich die Idee der Einbindung von Mascha Kalékos Gedichten super auch wenn sie für mich nicht immer Bezug zum jeweiligen Kapitel hatten. Durch den Titel des Buches habe ich mir auch ein etwas positiveres oder melancholischeres Buch erhofft. Leider ist dies im ersten Teil des Romans nicht eingetreten. Hier geht es um eine wirklich extrem schlimme Jugend mit Drogen, Alkohol und Sex…und dies wiederholt sich für mich in einer Endlosschleife. Für mich gab es hier keine Entwicklung, sondern immer wieder die gleichen Themen, die ich dann irgendwann nicht mehr lesen mochte. Ich habe mich oft gefragt, warum die Protagonistin nicht aus diesem Hamsterrad ausbricht. Ein bisschen versöhnlicher hat mich das letzte Drittel des Romans gestimmt. Auch wenn das Thema hier die Krebserkrankung des Mannes war, so hat mich das doch emotional gepackt. Umso schöner empfand ich, dass es für die beiden Hauptprotagonisten doch ein Happy End gab. Für mich hat das Buch viel Potenzial verschossen, was ich wirklich schade finde. 

Trotz unserer Kritik hat uns das Lesen im Trio großen Spaß gemacht. Das können wir gerne bei Gelegenheit wiederholen.

Mit Dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken... 

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