„Ich bin nur aus zwei Gründen hier: um einen Abschluss an der einzigen Universität auf diesem Planeten zu machen, die mir einen Platz angeboten hat, und um herauszufinden, warum meine Eltern eine Meile von hier getötet wurden.“ (Ophelia S. 23)
Bei ihrer Ankunft in der Elite-Uni Sorrowsong lernt Ophelia Alex kennen - den Sohn des Mannes, den sie vernichten will, weil sie überzeugt ist, dass er ihre Eltern umgebracht hat. Ihre MitschülerInnen entstammen unsagbar reichen und einflussreichen Familien, doch sie hat nur ein Stipendium, wird angefeindet und gestalkt. Steckt ihre Mitbewohnerin dahinter? Während Ophelia Rachepläne schmiedet, scheint sie jemand zu beobachten. Wird es ihr gelingen, den Mörder ihrer Eltern zu vernichten? Uns wie lange kann sie sich Alex Annäherungsversuchen noch entziehen?
Hasi: Also Patno, das war ja mal was. Unser erster "Dark Academia meets Enemies to Lovers"-Buddyread, und ich muss ehrlich sagen, ich bin begeistert. Ich lese ja ganz gern mal Love Stories, auch im schulischen Umfeld, aber Dark Academia war noch nie dabei. Dafür, dass es ein New Adult ist, prickelt es ganz schön und für mich war der gewalttätige Anteil auch noch völlig ok, den hätte ich mir schlimmer vorgestellt. Aber ich bin unsicher, ob ich ihn wirklich meiner 13jährigen Nichte gebe, obwohl die ganz scharf auf das Buch ist.
Patno: Stimmt Hasi. Eine ganz neue Leseerfahrung für uns. Äußerlich ist das Buch ein Eyecatcher. Wunderschöner Farbschnitt. Wir gehören zwar nicht zur Zielgruppe des Romans, aber auch ich habe mich gut unterhalten. Ich mag die beiden Hauptfiguren. Bei Alex finde ich es klasse, wie er sich um seine Schwestern und um seine Mutter kümmert. Ophelia ist manchmal so herrlich altbacken und bodenständig. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist sehr amüsant. Ich habe an einigen Stellen herzhaft gelacht. Wie findest du Vincenzo? Als Sohn eines Mafiabosses kommt er ziemlich cool rüber, oder?
Hasi: Oh ja, nicht nur der Farbschnitt, auch der Einband unter dem Cover und die Innengestaltung sind ein echter Hingucker. Kein Wunder, dass die Teenies schwach werden.
Stimmt, wo Du es jetzt sagst, Ophelia wirkt neben den anderen wirklich etwas altmodisch. Alex markiert in der Schule zwar den großen Macker, aber sobald sich eine seiner 6(!) jüngeren Schwestern oder seine Mutter melden, lässt er alles für sie fallen. Er hat längst die Stelle des Familienoberhauptes eingenommen, weil sich sein Vater nur auf die Firma konzentriert. Aber auch um Ophelia scheint er sich sehr kümmern zu wollen - sie lässt ihn nur (noch) nicht.
Vincenzo ist so herrlich sorglos, für ihn scheint alles nur ein Spiel zu sein, wobei er natürlich genügend Bodyguards und Waffen dabei hat und genau weiß, wie man eine Leiche beseitigt.
Den Humor des Buches mochte ich auch sehr, Du kennst ja meine Lieblingsstelle: "Lieber 💩 ich mir in die Hände und klatsche, als dass ich dein Zimmer betrete."
War Dir Ophelias Mitbewohnerin Sofia auch so suspekt? Ich habe gar nicht verstanden, warum die sie so gehasst hat.
Patno: Ich kann gut nachempfinden, dass Ophelia Alex nicht an sich heran lassen möchte. Aber je mehr sie ihn zappeln lässt, um so interessanter wird sie für ihn. Wie im richtigen Leben. 😜 Diese Sofia war doch eine Schlange. Mit der hätte ich nicht in einem Zimmer geschlafen. So richtig klar ist mir auch nicht geworden, warum sie Ophelia so gehasst hat. Hast du Kritikpunkte? Ich fand die Figuren in ihren Handlungen gelegentlich nicht ganz ihrem Alter entsprechend. Bei einigen Dialogen wirkten sie eher wie 16 bzw. 18 jährige. Bei anderen Situationen hingegen agierten sie wie Menschen mit ganz viel Lebenserfahrung, nicht wie 21 bzw. 23 jährige.
Hasi: Mich hat das Buch ehrlich gesagt so mitgerissen, dass ich keine Kritikpunkte habe. Ich mochte die gruselige Grundstimmung, in der Uni wäre ich keine 10 Minuten geblieben und wenn das ein Film wäre, hätte ich umgeschaltet. Es war immer düster, eiskalt und verregnet und irgendwo schien das Böse zu lauern. Und auch wenn ich schon früh eine Ahnung hatte, wer Ophelia gestalkt hat, fand ich es bis zum Ende spannend. Außerdem ist der Cliffhanger echt fies und ich habe noch nicht rausgefunden, wann die Fortsetzung kommt 😐. Ob sie sich altersgerecht verhalten, kann ich schwer einschätzen, aber es stimmt schon, dafür, dass sie 21 und 23 waren, waren sie zu wenig spicy und hatten gleichzeitig sehr viel Verantwortung für sich und andere.
Patno: Oh ja. der Cliffhanger am Ende ist genial. Da möchte man am liebsten gleich weiterlesen. Ich glaube, so lange müssen wir gar nicht auf die Fortsetzung warten. Irgendwo habe ich gelesen September 2026. Die KI sagt sogar schon Juli 2026. Ich mochte auch die gruselige Stimmung und für mich war es insgesamt die richtige Dosis „spicy“ Überhaupt gefiel es mir, dass die Autorin noch andere Themen, wie z.B. Demenz, Betreuung älterer Menschen, Tod, Trauer und psychische Erkrankung eingearbeitet hat.
Fazit: „Night Shade“ entwickelt einen Sog, den einen schnell in die Geschichte hineinzieht und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Spannung, Thrill, Humor und Spice treffen auf eine dunkle Atmosphäre und pointierte Dialoge. Wäre da nicht diese kleine Gemeinheit in Form eines fiesen Cliffhanger am Ende des ersten Bandes, weniger Abschluss als Einladung zum zweiten Band der Dilogie.

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