Diese Frage stellen wir uns als Buchbloggerinnen schon seit einiger Zeit, wenn wir auf Messen oder in den Sozialen Netzwerken unserer jüngeren "Konkurrenz" begegnen. Wobei es im eigentlich Sinn kaum echte Konkurrenzsituationen sind, da wir in den seltensten Fällen die gleichen Genre lesen.
Auch Ildikó von Küthy schreibt in "Alt genug" über diese Situationen, in denen man ab einem gewissen Alter plötzlich übersehen oder nicht mehr ernst genommen wird.
Aber haben wir auch den Mut wie Ildikó zu sagen: „Ich bin endlich alt genug“…
Patno: Wow Hasi, was für ein Buch. Ich fühle mich sofort zuhause und inhaliere beinahe jede Seite akribisch. An einigen Stellen habe ich herzhaft gelacht. Es ist beeindruckend, wie viel die Autorin von sich alles preisgibt. Sie spricht so offen über Ängste und Schwächen. Respekt. Ich weiß nicht, ob ich mir das zutrauen würde. Hast du beim Lesen auch so viele Zitate rausgeschrieben?
Hasi: Mir ging es wie Dir, ich kann das Buch auch nicht mehr weglegen und lache an einigen Stellen mehr, als ich sollte. Ich bin ja ein Fan erster Stunde und liebe, wie selbstkritisch und selbstironisch sie schreibt. Man erkennt sich in einigen Situation nur zu gut wieder. Allerdings wäre ich nie so mutig wie sie: Wacken im schlamm? Viel zu laut. Allein nach New York? Ich steige ja nicht mal ins Flugzeug 🙈. Ich bewundere, wie sie ihre Ängste überwindet oder zumindest ignoriert und Dinge einfach macht. Damit wären wir auch schon bei einem meiner Lieblingszitate, was sie und ihre Freundin Susanne immer sagen, wenn wieder mal was richtig schief gegangen ist: "Das kann uns keiner nehmen."
Patno: Ich muss zugeben, dass ich ziemlich eitel bin und wahrscheinlich niemals sagen könnte „Schaut mich genau an mit meinen Falten und grauen Haaren, mit meinem runzeligen Hals und den verschrumpelten Händen.“ Ich gehöre tatsächlich zu der Fraktion: Antifaktencteme im Überschuss, viele blonde Strähnen, die das Grau überdecken, ein Tuch um den Hals und die Hände in den Jackentaschen. Natürlich weiß ich, dass diese Maßnahmen Mumpitz sind. Ich würde gerne behaupten, dass ich mit all dem gut umgehen kann, mich frei fühle und Reife ausstrahle. Aber das gelingt mir nicht. Daher bewundere ich Ildikó auch so sehr um diese Erkenntnis. Sie stahlt in ihrem Buch eine Stärke aus, die schon ansteckend wirkt. Aber meinst du, wir könnten ihr nacheifern?
Hasi: Ich bin (noch?) nicht eitel, was mein Aussehen angeht, wenn man von den blondierten Haaren absieht, aber meine sind mir im Original einfach zu dunkel. Kannst Du Dich erinnern, dass ich sie zwischendurch sogar schon mal silbergrau hatte? Das fand meine Familie leider überhaupt nicht schön. Ich hatte ja gehofft, dass ich schnell ergraue und ich mir das Färben dann sparen kann.
Gesichtscreme habe ich zwar, nehme ich aber nur 1-2 mal im Monat, während mein Mann seine täglich anwendet und auch wirklich schönere Haut hat ...
Um ihre Stärke, Ruhe und Abgeklärtheit beneide ich Ildikó auch, mir gehen Sachen zu schnell nahe, während sie Distanz wahren kann. Aber sie hat sich das auch hart erarbeitet, schreibt sie. Vielleicht müssten wir mehr an uns arbeiten?
Patno: Ja Hasi da hast du recht. Bald ist ja die Buchmesse und wir treffen uns und werden an folgendes denken: „Das Wichtigste sind bequeme Schuhe und ein guter Platz zum Ausruhen.“ Wir lassen es langsam angehen, denn wir können sowieso nicht all das erleben und sehen, was es zu erleben und zu sehen gibt. Wir werden uns nicht stressen, um aus diesem Tagen etwas Besonders zu machen. Mir müssen gar nichts. Es reicht, das Leben nur zu leben. Meinst du das? Sag mal, hast du beim Lesen auch so viel Musik gehört? Ich habe quasi die ganzen Songs mitgeträllert, die die Autorin erwähnt. Genau mein Geschmack.
Hasi: Und genügend Wasser zum Trinken - für schöne Haut 😉. Wenn ich so auf unsere Messetermine gucke, geht es momentan noch, da hatten wir schon deutlich stressigerer Jahre. Aber wir werden ja auch nicht jünger, sondern sind endlich "Alt genug", das einzusehen und Pausen einzuplanen.
PS: Ich habe die Musik beim Lesen oft vor mich hin gesummt ...
Fazit: Das Buch ist kein Ratgeber und auch kein Abgesang aufs Älterwerden. Es ist eine Einladung, milder mit sich selbst zu sein. Und es macht Mut, Unperfektes auszuhalten, Ängste anzunehmen und das Leben nicht länger auf später zu verschieben. Es erinnert uns daran, dass Gelassenheit nicht vom Himmel fällt, sondern langsam mit Erfahrungen, Brüchen und dem Mut zu sich zu stehen, wächst.
Wir sind nicht frei von Zweifeln, aber wir sind alt genug Pausen zu machen, laut zu lachen und zu sagen: „Das kann uns keiner nehmen.“

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen