ISBN : 9783499017568
Gebundenes Buch : 464 Seiten
Verlag : ROWOHLT
Erscheinungsdatum : 15.05.2026
Genre : Roman
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
„Wir haben beide so viel verloren. Ich meinen Sohn – und du deine Zukunft.“ (S. 6) Meint Ellen nach dem Unfalltod ihres Sohnes Niklas zu dessen Freundin Rosa, dabei waren sie erst 3 Monate zusammen. Ellen, die in der Wohnung unter Rosa wohnt, vermittelt ihr das Gefühl, dass sie nun noch enger zusammenrücken und gemeinsam trauern müssten. Doch Rosa weiß selbst kaum, was sie empfindet. Denn je länger Niklas tot ist, desto deutlicher wird ihr, wie wenig sie über ihn weiß. Sie kannte ja noch nicht mal seine Freunde.
Begonnen hatte ihre Beziehung als amüsante Begegnung auf der Treppe: „Er war freundlich, er war charmant… und irgendetwas, dass mehr war als die Summe aus beidem.“ (S. 35) Schnell stellte er sie seiner Mutter vor, die in Rosa sofort die perfekte Schwiegertochter sah. Doch Rosa bliebt voller Selbstzweifel, denn Niklas war eine Augenweide – mit perfekten Haaren, strahlendem Lächeln und athletischem Körper. Dabei versicherte er ihr immer wieder, wie sehr er sie mochte. Gleichzeitig verschwand er jedoch oft tagelang, log sie an oder versetzte sie, um stattdessen Zeit mit Freunden zu verbringen. Was hatte er ihr noch alles verschwiegen? „Er hat mich nicht in sein Leben gelassen…“ (S. 103)
Rosa beschließt, ihn rückblickend endlich wirklich kennenzulernen. Weil Ellen abblockt, sucht sie nach und nach Niklas’ Freunde und Bekannte auf und setzt das Puzzle seines Lebens Stück für Stück zusammen.
Timothy Paul schreibt in seinem Debütroman unterhaltsam und zugleich überraschend tiefgründig über Liebe, Verlust, Trauer und Erwartungen. Rosa ist zufällig in die Beziehung hineingestolpert und hatte in den drei Monaten kaum Zeit, ihre Gefühle wirklich zu hinterfragen. Und wann immer sie Zweifel anmeldete, wurden diese Niklas oder ihre Freundinnen zerstreute. Sie solle einfach genießen und alles auf sich zukommen lassen. Natürlich wunderte sie sich darüber, dass er sie seinen Freunden nicht vorstellte und immer wieder riskante Aktionen unternahm, bei denen ihr das Herz stehen blieb. Hatte er eine Art Todessehnsucht? Gleichzeitig holte er sie aus ihrem Schneckenhaus, gab ihr Selbstvertrauen und malte eine gemeinsame Zukunft aus. „Niklas ist perfekt, so wie er ist – wenn wir nicht von diesem seltsamen Hang sprechen, sein Leben riskieren zu wollen…“ (S. 109)
Nach seinem Tod schwankt Rosa zwischen Trauer, Wut und Unsicherheit. Hat sie ihn überhaupt schon geliebt? Darf sie um jemanden trauern, den sie vielleicht nie wirklich kannte? Ellen, die Schwiegermutter in spe, macht es ihr dabei nicht leichter. Schon vor Niklas’ Tod hatte sie sich an Rosa geklammert und erwartet nun selbstverständlich, dass sie weiterhin für sie da ist. Niklas’ Geschwister wiederum sind erleichtert, diese Rolle nicht übernehmen zu müssen. Doch was ist eigentlich mit Rosa? Was will sie selbst – und wie soll sie mit den Geheimnissen umgehen, die sie nach und nach entdeckt? Wer war Niklas wirklich, und hat er sie tatsächlich geliebt?
Gerade diese Fragen machen den Roman so spannend und emotional zugleich. Timothy Paul erzählt nicht nur von Trauer, sondern auch davon, wie wenig man einen Menschen manchmal kennt, obwohl man ihm sehr nah zu sein glaubt. Dabei gelingt ihm eine sensible Geschichte über die Unsicherheit moderner Beziehungen, über Idealisierung und darüber, dass Liebe nicht immer eindeutig oder vollkommen sein muss, um echte Spuren zu hinterlassen. „Es sind nicht unsere Geheimnisse, die uns ausmachen, es ist die Art, mit ihnen umzugehen.“ (S. 328)

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