Donnerstag, 7. Mai 2026

Sommer auf Perigo Island


Bei leckerem Cappuccino mit viel Milchschaum haben wir uns lesend nach Neufundland begeben. Wir befinden uns gedanklich im Sommer 1991 und lernen den zwölfjährigen Pierce kennen, der mit seinen Freunden Thomas und Bennie die Ferien verbringt. Sie helfen den Fischern bei ihrem Fang und schneiden Kabeljauzungen aus dem Fischkopf. 
Dann verschwindet plötzlich ein junges Mädchen und Pierce begibt sich mit seinen Freunden auf Spurensuche. 

Patno: Kabeljauzungen? Hast du davon schon einmal gehört? Sie sollen eine Deliktesse sein, werden paniert und in Butter gebraten. Na, ich weiß ich, ob ich das kosten möchte. Aber landschaftlich ist Perigo Island doch ein Traum. Ich stelle mir diese riesigen Eisberge, die vor der Küste auf Grund gelaufen sind atemberaubend schön vor. Aber es scheint auch nicht ganz ungefährlich zu sein, mit dem Boot hinaus zu fahren. Ich mag die leicht mystische Stimmung.
 
Hasi: Ich mag ja Fisch, aber die "gallertartige Textur" der Kabeljauzungen schreckt mich ab, ich esse auch keine Muscheln und Tintenfische. Und wenn ich so lese, wie die gewonnen werden und dass sich die Jungen von Perigo Island um die Aufträge prügeln, bin ich raus. Überhaupt hat mich neben der Landschaft vor allem das harte, einfache Leben der Bewohner im Einklang mit der Natur beeindruckt - und wie sehr sich dieses durch die Überfischung geändert hat. Ich mochte aber auch das Krimi-Element. Obwohl Pierce Anna kaum kannte, gibt er die Suche nach ihrem Verschwinden nicht auf. 

Patno: Für Pierce war die Begegnung mit Anna schon bedeutend. Von ihr fühlte er sich verstanden. Aber ich denke auch das Schicksal seines Vaters und die damit verbundene Ungewissheit treibt ihn bei der Suche nach Anna voran. Und ein Verdächtiger ist ja auch schnell gefunden. Dieser Solomon Vickers ist für mich auch eine interessante Figur. Mit ihr kommt ein bisschen Spannung in die Story, die ansonsten ja recht leise erzählt wird. Stellenweise hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht. Aber ohne zu viel zu verraten, die Auflösung des „Falls“ hat mich dann doch irgendwie umgehauen. Damit hatte ich nicht gerechnet. 

Hasi: Kann man sich nach nur zwei Begegnungen wirklich schon verstanden fühlen? In Pierces Alter wahrscheinlich eher, als in unserem. Aber Du hast natürlich Recht, der Verlust seines Vaters spielt da auf jeden Fall mit rein. Ich fand es gut, wie Pierce sich in der relativ kurzen Zeit entwickelt hat, die Suche nach Anna hat ja "nur" 10 Tage oder so gedauert. Aber Pierce wird dabei mutiger, bekommt Selbstvertrauen und traut sich sogar wieder auf ein Boot - daran hat ja auch der geheimnisvolle Solomon einen großen Anteil. Und die Auflösung hat mich auch überrascht, damit habe ich auch überhaupt nicht gerechnet. Es ist irgendwie ein traurig-schönes Buch, das, wie Du schon sagst, das von der Stimmung und Landschaft lebt, der Einzigartigkeit der Eisberge und der Veränderung der Natur und Menschen. Die Vergänglichkeit spielt eine relativ große Rolle in ihrem Leben und im Roman.

Patno: Ja, Pierce kehrt langsam wieder zurück ins Leben und verarbeitet sein Trauma. Übrigens, ich musste während des Lesens ständig an den Wal denken, der vor der Insel  Poel lag und jetzt zurück in die Nordsee gebracht wurde. Da haben sich ja auch viele Meeresbiologen zu Wort gemeldet. Es ist wirklich wichtig, dass sich die Gesellschaft mehr für den Schutz der Meere einsetzen muss. 

Gemeinsam mit Pierce haben wir uns durch die raue Schönheit Neufundlands treiben lassen, zwischen Eisbergen, Fischfang und der Suche nach Antworten. 

Ein leiser atmosphärischer Roman mit interessanten Hintergrundfakten und beeindruckenden Charakteren der sich mit Themen wie Verlust, Vergänglichkeit und Veränderung auseinandersetzt. 

Keine Kommentare: