ISBN : 9783757701857
Gebundenes Buch : 496 Seiten
Verlag : Lübbe
Erscheinungsdatum : 30.03.2026
Genre : Historischer Roman
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„Ich habe das Gefühl, keine Platz mehr im Haus zu haben. Ich bin … wie ein Gast, der nicht mehr willkommen ist.“ (S. 128)
1585 werden auf dem Kalmule-Hof die Zwillinge Adam und Eva geboren. Aufgrund seines Geburtsrechts ist Adam, obwohl der zweitgeborene Zwilling, ein freier Mensch und nicht erbberechtigt. Eva dagegen ist – wie ihre Eltern – eigenbehörig. Da mit dem ältesten Bruder Anton bereits ein Hoferbe vorhanden ist, scheint das zunächst keine Rolle zu spielen. Doch als der Achtzigjährige Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden auch das Münsterland erreicht und Opfer fordert, wird Eva plötzlich zur Hoferbin. Um Adam dennoch die Übernahme des Hofes zu ermöglichen, tauscht sie mit ihm ihren Status und ihr Geburtsrecht. Allerdings gelingt es Adam zunächst nicht, sich gegen die übrigen Hofbewohner durchzusetzen oder für Eva einzustehen. Deshalb vermittelt ihre Patin sie als Haushälterin an eine kleine Pfarrei.
„Tage des Wandels“ ist der zweite Band von Ulrike Renks Reihe und setzt mehr als 30 Jahre nach dem ersten Teil ein. Die Bewohner des Hofes kämpfen inzwischen nicht mehr nur gegen Missernten und Naturgewalten, sondern auch gegen marodierende Söldner aus Spanien und den Niederlanden, die den Achtzigjährigen Krieg bis ins Münsterland tragen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Eva, die sich nie ein anderes Leben als das im Kreis ihrer Familie vorstellen konnte. Dennoch verzichtet sie auf ihr Erbe und verlässt den Hof. In der Pfarrei erlebt sie, wie die Religion zunehmend an Bedeutung gewinnt und sich das kirchliche Leben verändert. Viele Geistliche leben zwar weiterhin offen mit Frauen und Kindern zusammen, doch im Laufe des Krieges werden die Regeln der Kirche immer strenger durchgesetzt. Das Zölibat soll um jeden Preis eingehalten werden, ebenso die Rückkehr zu lateinischen Gottesdiensten – obwohl die Bevölkerung diese kaum versteht.
Ein weiteres bedrückendes Thema ist die sich ausbreitende Hexenverfolgung. Extremes Wetter und schlechte Ernten treiben die Menschen dazu, Schuldige zu suchen. Als eine Freundin und Förderin Evas der Hexerei beschuldigt wird, wächst ihre Angst, unter der Folter ebenfalls belastet zu werden.
Ulrike Renk schildert das harte und entbehrungsreiche Leben der Bauern jener Zeit in klaren, ungeschönten Worten. Eindringlich beschreibt sie die Abhängigkeit der Menschen von Grundherren, Kirche und Natur sowie die ständige Unsicherheit durch Krieg und Hunger.
Insgesamt ein interessanter und atmosphärischer historischer Roman. Die politischen Hintergründe, Glaubensfragen und kriegerischen Entwicklungen nahmen für meinen Geschmack stellenweise allerdings etwas zu viel Raum ein und wirkten gelegentlich wiederholend.

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