ISBN : 9783458684527
Taschenbuch : 348 Seiten
Verlag : Insel Verlag
Erscheinungsdatum : 23.06.2026
Genre : Roman
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
Nach acht Jahren kehrt Adalina aus Pisa in ihre Heimat Ferrandina in der Region Basilikata zurück, um an ihrem neuen Roman zu schreiben. Bei einem Spaziergang durch die Straßen ihres Heimatortes entdeckt sie das Bibliomotocarro – die hellblaue dreirädrige Ape mit dem kleinen Bücherhäuschen auf der Ladefläche, mit der der ehemalige Lehrer Maestro Antonio La Cava seit 25 Jahren Kinderbücher in die umliegenden Dörfer bringt. Doch nun ist die Ape leer, und Adalina sorgt sich: Der Maestro war zwar schon alt, aber hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen? Schließlich hat er Generationen von Kindern geprägt: „Ein Geschichtenträger, ein Glücksbringer, ein Herzensberührer, jemand, der allein durch seine Anwesenheit die Welt ein Stückchen besser macht.“ (S. 43)
Auch Adalinas Leben hat er nachhaltig beeinflusst. Deshalb beschließt sie, die Fahrten mit dem Bibliomotocarro wieder aufzunehmen und den Kindern der Region neue Hoffnung, Fantasie und Freude am Lesen zu schenken.
Tessa Hansen ließ sich für ihren Roman vom echten Straßenlehrer Antonio La Cava und seinem Bibliomotocarro inspirieren. Seine Erinnerungen fließen in Form von Tagebucheinträgen in die Handlung ein. Weil er Kinder in abgelegenen Regionen für Bücher und das Lesen begeistern wollte, gründete er 1999 aus eigener Initiative und überwiegend aus eigener Tasche finanziert seine rollende Kinderbücherei – und ließ in all den Jahren keine einzige Tour ausfallen.
Adalina hatte keine leichte Kindheit und fühlte sich von ihren Eltern und Geschwistern nie wirklich verstanden. Als Älteste musste sie sich um ihre jüngeren Geschwister und den Haushalt kümmern. Von ihr wurde erwartet, einen soliden Beruf zu erlernen, eine Familie zu gründen oder ihre Herkunftsfamilie zu unterstützen. Doch Maestro La Cava erkannte ihre Leidenschaft für Geschichten und förderte ihren Traum, selbst Schriftstellerin zu werden.
Ich konnte gut nachvollziehen, dass Adalina zunächst keinen Kontakt zu ihrer Familie sucht und sich dem Maestro viel näher fühlt. Er und seine Frau werden zu ihrer Wahlfamilie. Wie einst ihr Mentor möchte auch sie Kinder für Bücher begeistern und ihnen die Freude am Lesen vermitteln. Viele Menschen in der Region leben in bescheidenen Verhältnissen und haben nur wenige Perspektiven. Bücher aber eröffnen neue Welten – und für Geschichten braucht es kein Geld.
Durch ihre Fahrten mit dem Bibliomotocarro entdeckt Adalina zudem die Liebe zu ihrer Heimat wieder. Sie beginnt zu überlegen, länger zu bleiben oder sogar ganz nach Ferrandina zurückzukehren. „Ich fühle mich hier wohler, als ich erwartet hatte. Die Weite, die Stille, selbst die Melancholie, die manchmal wie Nebel in der Luft hängt, tut mir gut. Ich kann die Lucana in mir wohl doch nicht verleugnen.“ (S. 199)
Neben all dem erhält man auch interessante Einblicke in den Entstehungsprozess eines Romans und das Leben einer Autorin.
Ein ruhiger, nachdenklicher Roman mit viel italienischem Flair. Er erzählt von Familie und Freundschaft, Zusammenhalt und der Liebe zur Heimat – vor allem aber davon, wie Bücher Hoffnung schenken und Kindern neue Horizonte eröffnen können.

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