Sie war eine der bedeutendsten niederländischen Malerinnen des Barock, bekannt durch ihre prachtvollen und täuschend echt wirkenden Gemälde. Sie malte Blumen und Früchte aus aller Welt. Schon zu ihren Lebzeiten standen ihre Stillleben hoch im Kurs.
In seinem neuen Roman „Die Königin der Blumenmaler“ erzählt Alexander Schwarz die fiktionalisierte Lebensgeschichte der Rachel Ruysch, und nachdem uns sein Vorgängerromoman “Bertha Benz und die Straße der Träume so gut gefallen hat, sind wir mit Neugier in den Buddyread gestartet.
Patno: Für mich ist es die erste Begegnung mit Rachel Ruysch. Ich habe tatsächlich noch nichts von dieser beutenden Künstlerin gehört. Der Start in die Geschichte fiel mir leicht. Ich mag Rachels Eltern und finde es klasse, wie sie zunächst ihre beiden malenden Töchter unterstützen. Es ist schade, dass Rachels Schwester das Malen mit ihrer Heirat aufgeben musste. Heutzutage kaum mehr vorstellbar. Stell dir mal vor Hasi, wir hätten in der damaligen Zeit gelebt. Wahrscheinlich könnten wir gar nicht lesen, und wenn, hätten es unsere Männer zugelassen, dass wir ein Buch nach dem anderen durchsuchten?
Hasi: Ich glaube, in der Ausstellung „Zeitlose Schönheit. Eine Geschichte des Stilllebens“ im Albertinum in Dresden vor 3 Jahren war auch ein Gemälde von ihr, bin mir aber nicht sicher. Bewusst wahrgenommen habe ich sie erst hier im Buch. Und wie du schon sagst, ohne ihre Eltern und speziell ihren Vater, der nicht nur berühmt, sondern auch sehr wohlhabend war, wäre aus ihr nie diese Ausnahmekünstlerin geworden. Er hat den besten Lehrer engagiert und dafür gesorgt, dass sie jederzeit in den gerade neu eröffneten Botanischen Garten in Amsterdam darf (da würde ich auch gern mal hin) und dort natürlich die besten Vorbilder für ihre Bilder findet. Wir wären wahrscheinlich eher wie ihr Hausmädchen Emma geendet, hätten geputzt und gekocht und ihre Farben angemischt ... Apropos Emma, ich fand ja das Waisenhaus "Burgerweeshuis" interessant, in das man die Kinder einkaufen musste - schon ungewöhnlich, oder?
Patno: Ja, der Handlungsstrang mit dem Waisenhaus fand ich auch spannend. Auch Emmas Geschichte und die Suche nach ihren Eltern lockert die Geschichte auf. Die Beschreibungen ihrer Bilder, des Malprozesses, das Besorgen der Farben und Rachels Kampf um die Akzeptanz in der Männerwelt gefielen mir sehr. Man spürt auch, daß der Roman gut recherchiert ist. Er liest sich flüssig weg und trotzdem fühlte ich mich gedanklich nicht in die damalige Zeit zurückversetzt. Ich konnte die Stimmung nicht spüren. Auch sprachlich hätte ich mir gewünscht, dass der Schreibstil besser der Zeitepoche angepasst wäre. Wie hast du das empfunden?
Hasi: Das ging mit genauso. Die Sprache war mir zu modern und wenn nicht ab und an die Kleidung oder Bilder beschrieben worden wären, hätte das Buch auch heute spielen können. Die Szenen am Hof des Kurfürsten haben es leider nicht wirklich rausgerissen. Rachels Spagat zwischen Familie und Kunst und die Widerstände, die sie als Frau überwinden musste, wurden vom Alltag überlagert. Außerdem kam mir ihr Mann etwas zu kurz. Er hat sich wohl sehr zurückgenommen und sie untypischer Weise auch bei der Erziehung der Kinder unterstützt, aber so unbekannt / viel weniger erfolgreich als sie, wie es im Buch klang, kann er gar nicht gewesen sein schließlich war er ebenfalls Hofmaler.
Patno: Ja Rachels Mann Juriaen war wohl ihr größter Schatz. Ich mochte ihn sehr und hätte auch gern etwas mehr über ihn erfahren. Es wirkte so, als hätte Rachel bestimmt, wo es lang geht und er hat ihr bei allem den Rücken frei gehalten. Sie scheinen dennoch eine gute und glückliche Ehe geführt zu haben. Aber dass von ihren zehn Kindern so viele starben fand ich schon traurig.
Unser Fazit: Ein lesenswerter Roman über eine faszinierende Frau, der Lust macht, Rachel Ruysch und ihre Kunst selbst zu entdecken – auch wenn wir uns sprachlich und atmosphärisch etwas mehr Barockgefühl gewünscht hätten.

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