ISBN : 9783426563090
Taschenbuch : 400 Seiten
Verlag : Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum : 01.06.2026
Genre : Biographischer Roman
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Zwischen Familie und Kunst
„Wenn Rachel anfing zu malen, war es fast, als betrete sie eine andere Welt ... Wenn sie malte, vergaß sie alles andere um sich herum. Ihre Probleme rückten in den Hintergrund, in ihrem Inneren kehrt Ruhe ein. Für Rachel bedeutete ihr Beruf nicht nur Broterwerb und Unabhängigkeit. Für sie war Malen eine Überlebenskunst.“ (S. 247)
Seit ich 2023 im Albertinum in Dresden die Ausstellung „Zeitlose Schönheit. Eine Geschichte des Stilllebens“ gesehen habe, faszinieren mich Stillleben – insbesondere die üppigen Blumen- und Früchtegemälde, die so lebendig und farbenprächtig wirken, als würden sie von innen heraus leuchten. Eine der bedeutendsten Vertreterinnen dieser Kunst war Rachel Ruysch, die Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Amsterdam lebte und wirkte. Sie war die erste Frau, die in eine Malergilde aufgenommen wurde, später sogar zur Hofmalerin ernannt wurde und trotz Heirat und zehn Kindern nie aufhörte zu malen. Möglich war das nur, weil ihr Vater, der berühmte Anatom Frederik Ruysch, ihr Talent von klein auf förderte und ihr Ehemann, der Porträtmaler Juriaen Pool, seine eigene Karriere stets hinter die seiner berühmten Frau zurückstellte.
Rachel Ruysch führte also ein außergewöhnliches und spannendes Leben – umso bedauerlicher ist es, dass Alexander Schwarz diesem Potenzial nicht gerecht wird. Die Handlung plätschert über weite Strecken dahin; wirklich fesselnd sind vor allem die Schilderungen des Malprozesses und die Beschreibungen ihrer Bilder. Den Nebenstrang um das Hausmädchen Emma hätte ich hingegen nicht gebraucht. Hinzu kommen eine stellenweise überraschend modern wirkende Sprache und eine Rahmenhandlung, die 1748, kurz vor Rachels Tod, angesiedelt ist, für mich jedoch eher wie eine überflüssige Klammer wirkt.
Zwar zeigt Alexander Schwarz eindrucksvoll Rachels Ringen um den Spagat zwischen Familie und Kunst sowie die Widerstände, die sie als Frau überwinden musste. Doch diese Aspekte gehen leider immer wieder in ausführlichen Alltagsbeschreibungen unter. Schade – denn das Leben dieser außergewöhnlichen Künstlerin hätte einen mitreißenderen Roman verdient.

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